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„In deiner Gerechtigkeit erlöse mich“

„Nun fühl­te ich mich ganz und gar neu­ge­bo­ren und durch offe­ne Pfor­ten in das Para­dies selbst ein­ge­tre­ten. Da zeig­te sich mir sogleich die gan­ze Schrift von einer ande­ren Sei­te. Von daher durch­lief ich die Schrift, wie ich sie im Gedächt­nis hat­te, und las auch in ande­ren Aus­drü­cken die glei­che Struk­tur [ana­lo­gia], wie: >das Werk Got­tes<, d.h. was Gott in uns wirkt, >die Kraft Got­tes<, mit der er uns kräf­tig macht, >die Weis­heit Got­tes<, mit der er uns wei­se macht, >die Stär­ke Got­tes<, >das Heil Got­tes<, >die Herr­lich­keit Got­tes<. Nun, mit wie­viel Haß ich frü­her das Wort >Gerech­tig­keit Got­tes< geh­aßt hat­te, mit um so grö­ße­rer Lie­be pries ich die­ses Wort als das für mich süßes­te; so sehr war mir die­se Pau­lus­s­tel­le wirk­lich die Pfor­te zum Para­dies. Spä­ter las ich Augus­tins »De spi­ri­tu et lit­te­ra«, wobei ich unver­hoff­ter­wei­se dar­auf stieß, daß auch er die Gerech­tig­keit Got­tes ähn­lich inter­pre­tiert: [als die Gerech­tig­keit], »mit der uns Gott beklei­det, indem er uns rechtfertigt«/1/. Und obwohl dies noch unvoll­kom­men gesagt ist und Augus­tin von der Anrech­nung [impu­ta­tio] nicht alles klar expliziert, …

Ein kleines Jubiläum…

Etwas ver­spä­tet, aber bes­ser als nie:Ein Arti­kel zu einem mehr­fa­chen Jubi­lä­um mei­ner­seits für NIMM-LIES (7 Jah­re, 30-er Geburts­tag & 200-er Arti­kel). Ich möch­te der Fra­ge nach­ge­hen, wie mei­ne Bezie­hung zur (christ­li­chen) Lite­ra­tur ist. Aus­gangs­la­ge Zunächst die Fra­ge: War­um lese ich? In den letz­ten Jah­ren, bin ich von einem rein prag­ma­ti­schen Lesen — Gott sei Dank- immer mehr, wenn auch nicht voll­stän­dig abge­kom­men. Damit mei­ne ich, dass man ein Buch nur ließt, weil gera­de eine The­men­vor­be­rei­tung für eine Bibel­stun­de ansteht, oder man Illus­tra­tio­nen für eine Pre­digt sucht. Immer mehr wird es zu mei­ner Moti­va­ti­on, den bibli­schen Text, oder sogar viel­mehr das Wesen und das Han­deln Got­tes bes­ser zu ver­ste­hen. Und es gibt hier vie­les, was mich irri­tiert, wo mich die Bibel voll­stän­dig über­for­dert, ja scho­ckiert, vie­les scheint super ver­wir­rend zu sein. Ich habe mich per­sön­lich auch bei zu vie­len ille­gi­ti­men Ver­kür­zun­gen im Zugang zum Wort Got­tes erwischt! Das Mot­to „die kon­­ser­­va­­tivst-mög­­lichs­­te Aus­le­gung wird schon die ech­te sein“ ist ein­fach nicht aus­rei­chend und wird der Bibel nicht gerecht. Somit ergibt sich für mich auch die Lite­ra­tur­wahl: His­to­ri­sches Mate­ri­al, um das Ver­ständ­nis von …

The Difficult Doctrine of the Love of God

Das war das ers­te Buch Car­sons was ich bis­her gele­sen habe und  es hat mich in mehr­fa­cher Hin­sicht von der Qua­li­tät Car­sons als Bibel­leh­rer über­zeugt. In vier Kapi­teln zeigt er eine hohe Qua­li­tät als Aus­le­ger auf, erhält den Lese­fluss durch eine kla­re Argu­men­ta­ti­on auf­recht, ver­knüpft auch (heu­te) kom­pli­ziert gewor­de­ne Dok­trin mit einer Lebens­nä­he und argu­men­tiert dabei immer mit einem gro­ßen Ver­ständ­nis für alter­na­ti­ve Ver­ständ­nis­se. Nicht umsonst führt zelt­ma­cher aus: Car­son ist unstrei­tig einer der füh­ren­den Theo­lo­gen unse­rer Zeit, sei­ne Repu­ta­ti­on her­aus­ra­gend. Sei­ne Bücher loh­nen sich, sein Leben ist mehr als nur ein Vor­bild. Zunächst unter­schei­det Car­son zwi­schen fünf Arten über die Lie­be Got­tes zu reden: die inner­tri­ni­tä­re Lie­be in Gott die Lie­be in der Vor­se­hung zur Schöp­fung Got­tes Erlö­ser­lie­be zu sei­ner gefal­le­nen Welt Got­tes bestimm­te und effek­ti­ve Lie­be zu sei­nen Erwähl­ten Got­tes Lie­be, die an Bedin­gun­gen geknüpft ist Car­son führt  aus, dass die aus­schließ­li­che Fixie­rung auf eine die­ser Kom­po­nen­ten schäd­lich ist: If the love of God is exclu­si­ve­ly por­tray­ed as an invi­t­ing, year­ning, sin­­ner-see­­king, rather love­sick pas­si­on, we may streng­t­hen the hands of Armi­ni­ans, semi-Pela­­gi­ans, Pela­gi­ans, and tho­se more inte­res­ted in …

Vorschau 2019: Mein Jahr in Büchern

2018 ist für mich ein Jahr gro­ßer Umwäl­zun­gen gewe­sen. Auch im Bereich des Lesens, mir ist es näm­lich gelun­gen eine Sys­te­ma­tik zu ent­wi­ckeln, ich nen­ne es aktu­ell „Lesen mit Berk­hof“. Das bedeu­tet ganz ein­fach, dass ich ver­su­che zu jedem (grö­ße­ren) Kapi­tel sei­ner sys­te­ma­ti­schen Theo­lo­gie ein ent­spre­chen­des Werk zu lesen. Dadurch ver­spre­che ich mir eine sys­te­ma­ti­sche­re und flä­chen­de­cken­de­re Abhand­lung unter­schied­li­cher The­men. Mit die­ser Metho­de fing ich im Früh­jahr 2018 an und wer­de sicher noch min­des­tens ein Jahr brau­chen. Ich muss aber ein­ge­ste­hen, dass ich noch einen ergän­zen­den Lese­plan ent­wi­ckelt habe, der vor allem auf tie­fe­res Bibel­ver­ständ­nis abzielt, sprich  den Bereich der Bibli­schen Theo­lo­gien, einer wirk­lich fei­nen Kunst, die einem sehr hilft, die bibli­sche Bot­schaft als „Gan­zes“ auf­zu­sau­gen. Mei­ne Lis­te ist also für 2018 fast voll­stän­dig theo­lo­gie­las­tig, neben­bei wer­de ich eini­ge Kri­mis von Doro­thy L. Say­ers lesen und sicher die ein oder ande­re (Auto)biographie. Auf jeden Fall woll­te ich mir unbe­dingt erneut die „Plau­de­rei­en in mei­nem Stu­dier­zim­mer“ von Wil­helm Busch vor­neh­men. Seit 2018 lese ich zudem ver­mehrt zeit­ge­nös­si­sche Autoren, ein per­sön­li­cher Dank für vie­le sehr hilf­rei­che Hinweise …

Kolumne: Im Hause Gottes

Zwei Grün­de bewe­gen mich, fol­gen­de Zei­len zu schrei­ben. Ers­tens habe ich die Mög­lich­keit gehabt, unter­schied­li­che Ver­samm­lun­gen von Chris­ten zu besu­chen. Ich ent­deck­te, dass es dabei wich­tig ist, nicht mit Unzu­frie­den­heit oder mit dem Wunsch eine bes­se­re Gemein­de als die Eige­ne zu ent­de­cken, hin­zu­ge­hen. Auch nicht um ande­re Chris­ten in ihrer (ange­nom­me­nen) Unrei­fe zu ver­spot­ten. Son­dern vor allem um sich mit ande­ren Gemein­den zu tref­fen. Ich habe die Mög­lich­keit gehabt eine luthe­ri­sche und eine refor­mier­te Ver­samm­lung zu besu­chen. Mehr­mals durf­te ich Men­no­ni­ten besu­chen und ein Erleb­nis war auch der Besuch einer Syn­ago­ge. Über all die­se Ereig­nis­se will ich so Gott will und wir leben berich­ten, weil ich von jedem die­ser Besu­che als Christ pro­fi­tiert habe. Auch glau­be ich das Theo­lo­gie Pra­xis ist, so war ich auch immer neu­gie­rig, wie die ein­zel­nen Deno­mi­na­tio­nen ihre Got­tes­diens­te gestal­ten. Wie gesagt, all das schrei­be ich als ein Christ, der zufrie­den mit sei­ner Gemein­de ist, und ger­ne die­se besucht. Am aller­meis­ten durf­te ich jedoch von den Besu­chen unter­schied­li­cher Brü­der­ge­mein­den pro­fi­tie­ren. Und das bringt mich zum zwei­ten Grund. In den letz­ten Monaten …

Das ist mein Leben Ihm wert

Es gibt vie­le Grün­de, war­um ihr die­se CD kau­fen soll­tet! die­se CD wur­de zum gro­ßen Teil von Brü­dern und Schwes­tern mei­ner Gemein­de erstellt. Sie sin­gen und musi­zie­ren dar­auf Mir selbst wur­de die gro­ße Ehre zuteil einen Track auf Gitar­re bei­tra­gen zu dür­fen Bibel­treue und trös­ten­de Lied­tex­te, rela­tiv frei vom huma­nis­ti­schen Geplär­re unse­rer Zeit Eini­ges der Lied­tex­te dürf­te für deut­sche Ohren eher neu­es Mate­ri­al sein Es gibt kei­ne Trom­meln oder ähn­li­che Per­cus­sion Ein Grund erschwert die Kauf­ent­schei­dung: Ins­ge­samt ver­misst man etwas mehr hei­te­re, leben­di­ge­re Bei­trä­ge. Viel Len­to und Lar­go, wenig Andan­te und kein Alle­gro. Zu erwer­ben hier. 

Leserunde: Das Westminster Bekenntnis

Auf­grund der Not­wen­dig­keit einer umfang­rei­chen Ana­ly­se, kon­zen­triert sich die Leserun­de heu­te nur auf Arti­kel 3.1: Got­tes Rat­schluss. An der Leh­re von Got­tes Ewi­gem Rat­schluss gibt es nichts zu rüt­teln, voll­kom­men egal wel­che theo­lo­gi­sche Posi­ti­on, — und sei es sogar die katho­li­sche oder ortho­do­xe -, du einimmst. Es ist näm­lich klar, dass Gott alle Din­ge vor­her­weiß. Es ist eben­falls klar, dass nichts gegen sei­nen Wil­len gesche­hen kann. Unklar­heit und gro­ßer Streit herr­schen jedoch in der Fra­ge, wel­chen Umfang die­ses Vor­her­wis­sen hat. Plant Gott viel­leicht nur, weil er alles weiß? Hat Gott nur vor­her­ge­wusst oder hat er aktiv vor­her geplant, und was war im Zwei­fel zuerst? Somit ist der Streit­punkt im zwei­ten Satz des Arti­kels for­mu­liert: Obwohl Gott alles weiß, was unter allen gege­be­nen Umstän­den gesche­hen soll oder kann, so hat er doch nichts aus dem Grund beschlos­sen, weil er es als zukünf­tig vor­aus­ge­se­hen hat, oder dass es unter bestimm­ten Umstän­den ein­tref­fen wür­de. Weiß Gott nur im Vor­aus oder hat er einen Plan? Für mich ist die Ant­wort klar, wie ich im fol­gen­den dar­stel­len möch­te: Das Gott aktiv in die Geschichte …

Leserunde: Das Westminster Bekenntnis

Arti­kel 1.1: Die gött­li­che Offen­ba­rung Durch­aus evan­ge­li­kal fängt das West­mins­ter Bekennt­nis mit der Beschrei­bung der Gött­li­chen Schrift. Klar wird im ers­ten Absatz deut­lich gemacht, dass es für die Gemein­de Got­tes Weg ist, Ihr sei­nen Wil­len mit­zu­tei­len. Kein Platz bleibt für Schwär­me­rei. Libe­ra­len Theo­lo­gen ist dies durch­aus ein Dorn im Auge. So wird z.B. die Chi­ca­go Erklä­rung wegen ihrer „unchrist­li­chen Hoch­schät­zung“ der Schrift ver­wor­fen.  Wie über­rasch­te es mich von einem evan­ge­li­schen Pas­tor zu hören, ich wür­de Chris­tus ver­ach­ten, wenn ich das geschrie­be­ne Wort höher hal­te, als die Per­son Chris­ti. Dass aber die Per­son Chris­ti nur durch sein geschrie­be­nes Wort bekannt ist (und nicht durch Archäo­lo­gie und Fan­ta­sien von Geschichts­wis­sen­schaft­lern) schien er zu über­se­hen. Arti­kel 1.2: Die Bücher der Hei­li­gen Schrift Die Bestä­ti­gung (kei­ne Defi­ni­ti­on!) des Kanons der Hei­li­gen Schrift, war nötig, da die katho­li­sche Kir­che für die Bücher des Alten Tes­ta­ments nicht klar sah. Ein Arti­kel zum Kanon des NT erschien hier im Blog. Arti­kel 1.3: Die Apo­kry­phen sind mensch­li­che Schrif­ten Bei H. Egel­kraut (Das Alte Tes­ta­ment , 6 Auf­la­ge, S. 56) fand ich die­se sehr schöne …

Zitat: Der Christen größte Kunst

Dok­tor Luther sprach: Wenn jemand frag­te, was doch die Chris­ten kön­nen und leh­ren? da soll man nichts ande­res ant­wor­ten, als daß man Chris­tus ken­ne und an ihn glau­be und wis­se, daß er vom Vater gesandt sei, Joh. 17. Wer das nicht kann noch lehrt oder treibt, der rüh­me sich nur kei­nen Chris­ten, ob gleich sonst jemand wis­se alles, was unter dem Him­mel geschieht, und wie Gott Him­mel und Erde geschaf­fen habe mit dem Meer und allem, was drin­nen ist, ja, daß er auch die Zehn Gebo­te wis­se und sie hal­te. In Sum­ma, wenn er gleich soviel wüß­te und ver­möch­te wie die Engel, den­noch macht sol­ches alles kei­nen Chris­ten. Dar­um sagt Gott Jer. 9, 23, 24: »Der Wei­se rüh­me sich nicht sei­ner Weis­heit, noch der Star­ke sei­ner Stär­ke, will sich aber jemand rüh­men, der rüh­me sich, daß er mich (Chris­tus) wis­se und ken­ne, daß ich der Herr bin, der Barm­her­zig­keit gibt und reicht.« [Mar­tin Luther: Der neue Glau­be. Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, S. 6098 (vgl. Luther‑W Bd. 9, S. 31) © Van­den­hoeck und Ruprecht http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]