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Als der Apostel Johannes zweimal eine Dummheit beging…

Offen­ba­rung 22,8 – 9: „Und ich, Johan­nes, bin es, der dies gehört und gese­hen hat. Und als ich’s gehört und gese­hen hat­te, fiel ich nie­der, um anzu­be­ten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeig­te. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mit­knecht und der Mit­knecht dei­ner Brü­der, der Pro­phe­ten, und derer, die bewah­ren die Wor­te die­ses Buches. Bete Gott an!“ Die­se Stel­le fas­zi­niert mich in der Offen­ba­rung in beson­de­rer Wei­se. Zunächst ein­mal ist hier die Trans­pa­renz des Johan­nes nicht hoch genug zu schät­zen. Bei sei­nen Offen­ba­run­gen, die alle ande­ren Apos­tel über­bie­ten, stei­gen ihm die­se nicht zu Kopf: Nein er berich­tet nach den größ­ten Visio­nen der Neu­schöp­fung Got­tes auch über sein Ver­sa­gen. Er hat Gott auf den Thron erblickt, dem Lamm Got­tes, dem Löwen aus Zion zuge­schaut, die Gerich­te Got­tes gese­hen und ist doch noch anfäl­lig für Göt­zen­dienst. In einer ande­ren Wei­se zeigt es auch, wie anfäl­lig wir für Göt­zen­dienst sind. Dann fällt auf, dass ihm das gan­ze zwei Mal pas­siert. In Offb. 19,10 ist ihm das schon ein­mal pas­siert, dass ein Engel ihn …

Ein Loblied auf den Jakobusbrief
Die Bibel lesen.

Fast jeder mei­ner Logos-Kom­­men­­ta­­re zum Jako­­bus-Brief nimmt Bezug auf Luthers Gering­schät­zung des Jako­bus­brie­fes. Luther mach­te wenig Hehl dar­aus, dass er nicht viel für die­sen Brief übrig hat­te. Aber lasst ihn dahin fah­ren! Ich will lie­ber Luthers Werk ver­ges­sen und von allen Luthe­ra­nern getrennt sein, als nicht den Jako­bus­brief zu besit­zen. In mei­ner christ­li­chen Bub­ble hat man den Jako­bus­brief immer wert­ge­schätzt. Ein kost­ba­res Erbe mei­ner Kind­heit und russ­land­deut­schen Prä­gung ist es, dass ich sogar ange­hal­ten wur­de, die­sen Brief aus­wen­dig zu ler­nen. Ein loh­nens­wer­ter Invest für gera­de mal 108 Ver­se. Im fol­gen­den möch­te ich skiz­zen­haft davon berich­ten, was ich am Jako­bus­brief wert­schät­ze und auf ein paar Ein­wän­de ein­ge­hen, die uns ggf. vom Lesen und Umset­zen des Jako­bus­brie­fes abhal­ten könn­ten. Seel­sor­ger­li­che Qua­li­tät Der Brief ist kurz, sehr prak­tisch und von uner­war­te­ter seel­sor­ger­li­cher Qua­li­tät. Immer wie­der fal­len mir neue Per­len auf. Eine Aus­wahl. Ver­su­chun­gen als Grund zur Freu­de: Jako­bus ist furcht­bar rea­lis­tisch. Ver­su­chun­gen sind nicht der Aus­nah­me­zu­stand, son­dern die Norm. Ja, Ver­su­chun­gen und Freu­de kön­nen Hand in Hand gehen: „Mei­ne Brü­der und Schwes­tern, erach­tet es für lau­ter Freu­de, wenn ihr …

Created in God’s Image
Eine Anthropologie von Anthony Hoekema

„Was ist der Mensch?“, auch wenn man in reli­giö­sen Wer­ken vor­nehm­lich Bücher sucht, die der Fra­ge nach­ge­hen, „Was Gott sei“, lässt sich nicht die Bedeu­tung der Leh­re­vom Men­schen leug­nen. Wie wir die­se Fra­ge beant­wor­ten, wird weit­rei­chen­den Ein­flüs­se auf unser Den­ken und Leben haben. Antho­ny A.Hoekema (1913−1988), lang­jäh­ri­ger Dozent für sys­te­ma­ti­sche Theo­lo­gie am Cal­vin Cole­ge hat in den spä­ten 80ern mit „Crea­ted in God’s Image“ (z.B. für 19,99$ bei logos erhält­lich) ein über­ra­schend leicht zugäng­li­ches Werk zu die­sem The­ma The­ma geschrie­ben. Das der Mensch als bzw. zum Bil­de Got­tes geschaf­fen ist, ist zen­tra­ler Aus­gangs­punkt für Hoe­ke­mas Über­le­gun­gen. Zunächst arbei­tet er hin­aus, was es bedeu­tet, dass der Mensch eine „geschaf­fe­ne Person/Persönlichkeit“ ist:  „Der Mensch ist aber nicht nur ein Geschöpf, er ist auch eine Per­son. Und eine Per­son zu sein bedeu­tet, eine Art von Unab­hän­gig­keit zu haben — nicht abso­lut, son­dern rela­tiv. Eine Per­son zu sein bedeu­tet, in der Lage zu sein, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, Zie­le zu set­zen und sich in Rich­tung die­ser Zie­le zu bewe­gen. Es bedeu­tet, Frei­heit zu besit­zen — zumin­dest in dem Sin­ne, dass man in der Lage ist, …

Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus „Bilder aus der Pilgerreise“

„Ich füh­le mich stets geneigt, Evan­ge­list für das Miss­be­ha­gen, das der arme Christ im Sump­fe­der Ver­zagt­heit lei­den muss­te, zu tadeln. So sehr ich John Bun­y­an auch schät­ze, hal­te ich ihn­doch nicht für unfehl­bar, und jüngst hör­te ich eine Geschich­te über ihn, die ich für eine sehr gute hal­te:Da war in Edin­burg ein jun­ger Mann, der ger­ne Mis­sio­nar wer­den woll­te. Er war ein ver­stän­di­ger jun­ger Mann, daher über­leg­te er: «Wenn ich Mis­sio­nar wer­den will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fort­sen­de; ich kann ja in Edin­burg eben­so gut Mis­sio­nar sein.» Hier ist ein Wink für sol­che Schwes­tern, die in ihren Bezir­ken Trak­ta­te ver­brei­ten, aber ihrem eige­nen Dienst­mäd­chen kei­nen geben. Nun, die­ser jun­ge Mann woll­te sogleich mit dem Mis­sio­nie­ren begin­nen und mit der ers­ten Per­son spre­chen, die ihm begeg­ne­te. Die­se war eine alte Fisch-hän­d­­le­­rin. Wer die­se Art ein­mal ken­nen gelernt hat, ver­gisst sie sobald nicht wie­der; es sind ganz außer­or­dent­li­che Frau­en. Er trat auf sie zu und sag­te: «Lie­be Frau, Sie haben da eine gro­ße Last auf Ihrem Rücken zu tra­gen; ich …

Das bleibende Erbe des (frühen) Thomas Schirrmacher
Der Wert von „Ethik“ und „Der Römerbrief“

Es gibt so vie­le Grün­de, um sowohl über die mehr­bän­di­ge Ethik wie den zwei­bän­di­gen Römer­­brief-Kom­­men­­tar von Tho­mas Schirr­ma­cher begeis­tert zu sein.  Zunächst wäre zu bemer­ken, dass Schirr­ma­cher ein­fach das Wort Got­tes reden lässt. Es kommt regel­mä­ßig vor, dass die Wer­ke durch Sei­ten­wei­sen Auf­lis­ten von Bibel­ver­sen zu bestimm­ten The­men durch­zo­gen sind. So wer­den alle Ver­se des Neu­en Tes­ta­ments auf­ge­lis­tet, die das Wort syn­ei­de­sis („Mit­wis­ser, Gewis­sen“) auf­füh­ren. Es gelingt Schirr­ma­cher dabei immer, die The­men zu tref­fen, die debat­tiert wer­den, und so sei­ne eige­ne Posi­ti­on zu ver­tei­di­gen. In die­sem Fall z.B. dar­um, um dar­zu­stel­len, dass „das Gewis­sen jedoch nicht auto­nom, son­dern „the­o­nom, nicht dem eige­nen, son­dern dem gött­li­chen Gesetz unter­stellt (ist)“ (Ethik, 2.32).  Oder man ver­glei­che die sei­ten­wei­se auf­ge­lis­te­ten Bibel­ver­se, die zum The­ma Prä­de­sti­na­ti­on und Ver­ant­wor­tung zusam­men­ge­tra­gen wer­den (frei zugäng­lich hier). Ich glau­be, das kann einem manch­mal kin­disch, viel­leicht auch töricht vor­kom­men, so als ken­nen wir Got­tes Wort nicht. Aber wer sich wirk­lich auf Got­tes Wort ein­lässt, und es spre­chen lässt, wird immer bemer­ken, wie es nicht frucht­los blei­ben wird. Vor allem bei sei­ner Ethik wird zudem die muti­ge Verteidigung …

Es ehrt Gott, wenn wir ausschließlich auf seine Verherrlichung ausgerichtet sind

Auf die Fra­ge „auf wie vie­le Wei­sen man Gott ver­herr­li­chen kann“, hat Tho­mas Wat­son vie­le Ant­wor­ten. Eine ist, dass wir Gott dann ver­herr­li­chen wenn wir uns auf sei­ne Ehre hin aus­rich­ten. Klingt fast tri­vi­al, nicht? Doch hören wir auf Wat­son: Wir sind auf Got­tes Ver­herr­li­chung aus­ge­rich­tet… „(1.) Wenn wir Got­tes Ehre über alle ande­ren Din­ge stel­len; über Anse­hen, Besitz oder Bezie­hun­gen; wenn die Ehre Got­tes mit die­sen kon­kur­riert — dann müs­sen wir sei­ne Ehre die­sen vor­zie­hen. Wenn Bezie­hun­gen auf unse­rem Weg zum Him­mel lie­gen, müs­sen wir ent­we­der über sie hin­weg­ge­hen oder sie zer­stö­ren. „Jeder, der sei­nen Vater oder sei­ne Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert ; wer sei­nen Sohn oder sei­ne Toch­ter mehr liebt als mich, der ist mei­ner nicht wert!“ Mt.10,37. Ein Kind muss ver­ges­sen, dass es ein Kind ist; es muss weder Vater noch Mut­ter ken­nen um der Sache Got­tes wil­len. „Der von sei­nem Vater und von sei­ner Mut­ter spricht: »Ich sehe ihn nicht«, und von sei­nem Bru­der: »Ich ken­ne ihn nicht«“ (5. Mo 33,9). Das bedeu­tet also, auf Got­tes Ehre aus­ge­rich­tet zu sein. …

„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518

Durch Carl Tru­e­man (z.B. in sei­ner Vor­le­sung zur Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, in der Essay-Sam­m­­lung des Autors  „Refor­ma­ti­on — heu­te noch aktu­ell“ im kürz­lich erschie­nen Buch „Luther on the chris­ti­an life“ geht er jeweils sehr aus­führ­lich auf Luthers Unter­schei­dung zwi­schen Theo­lo­gen der Herr­lich­keit und Theo­lo­gen des Kreu­zes ein). wur­de ich auf ein Ereig­nis in Luthers Lauf­bahn auf­merk­sam, dass in vie­len Dar­stel­lun­gen des Refor­ma­tors schnell unter­geht.  Im April 1518 (und noch deut­lich vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens durch die römi­sche Kurie  im Juli 1518) fand unter Lei­tung Luthers eine Dis­pu­ta­ti­on in der Ver­samm­lung der Augus­ti­ner statt, die sei­ne The­sen zum Ablass dis­ku­tie­ren soll­te. Luther berei­te­te The­sen vor, die wohl eini­ge über­rascht haben dürf­ten. Sehr ent­schie­den ent­schei­det sich Luther für eine augus­ti­ni­sche Dar­stel­lung des Heils. Eini­ge der 28 The­sen (hier samt Begrün­dung voll­stän­dig zu fin­den) im Wort­laut: Die Wer­ke der Men­schen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fal­len und gut zu sein schei­nen, müs­sen doch als Tod­sün­den gel­ten. Der Mensch, der da meint, er wol­le dadurch zur Gna­de gelan­gen, dass er tut, soviel ihm mög­lich ist, häuft Sün­de auf …

Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie? — eine Artikelreihe von Hanniel Strebel

Han­ni­el Stre­bel hat eine prä­gnan­te Arti­kel­rei­he für E21 erstellt, in der er der Fra­ge nach­geht, was refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie sei! Ich bin sehr dank­bar für den Arti­kel, da ich die letz­ten Mona­te vor­nehm­lich mit der Fra­ge ver­bracht habe, wie ich selbst mei­nen Glau­ben defi­nie­ren soll­te. Beson­ders posi­tiv möch­te ich sei­nen Ansatz her­vor­he­ben, weder eine kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne noch eine all­zu all­ge­mei­ne Stel­lung zu wäh­len (Han­ni­el schreibt selbst dar­über). Ich kann inner­halb mei­ner theo­lo­gi­schen Bub­ble nicht mit dem West­mins­ter Bekennt­nis in der Hand argu­men­tie­ren, und sehe nur die Mög­lich­keit zurück zur Schrift zu gehen und Got­tes Wort spre­chen las­sen. Im wesent­li­chen Stau­ne ich dar­über, dass ich sowohl unab­hän­gig und ziem­lich anders geprägt, ja gar aus einem völ­lig ande­ren Kul­tur­kreis, genau die­se Ent­de­ckun­gen im Erbe der Refor­ma­ti­on gemacht habe, von denen Han­ni­el schwärmt (auch wenn ich wei­ter­hin den Begriff „refor­miert“ ver­wen­den wür­de) Ich möch­te fünf Filet-Stü­­cke sei­ner Rei­he hervorheben:

A Clear and Present Word

Heu­te möch­te ich auf die­ses kur­ze Büch­lein auf­merk­sam machen, das Pro­le­go­me­na für jedes her­me­neu­ti­sche Werk sein dürf­te. Ich den­ke, das man heu­te über Her­me­neu­tik so reden kann, dass der Ein­druck ent­steht, dass es eigent­lich kaum mög­lich ist, die Bibel zu ver­ste­hen, und dass man zunächst unzäh­li­ge her­me­neu­ti­sche Werk­zeu­ge beherr­schen muss, in die Kul­tur­ge­schich­te zu inves­tie­ren hat und eigent­lich so wie­so immer auf Exper­ten ange­wie­sen ist. Ohne die­se Bei­trä­ge zu schmä­lern ver­tei­digt Thomp­son in die­sem Werk, das Lesen der Bibel in der Gegen­wart Got­tes. Für mich ein äußerst zen­tra­les The­ma, das von vie­len Sei­ten ange­grif­fen wur­de und ange­grif­fen wird: Thomp­son arbei­tet z.B. sau­ber her­aus, dass die Debat­te zwi­schen Eras­mus und Luther über die Frei­heit des Wil­lens hin­ter die­ser Fra­ge vor allem ein Streit dar­über ist, ob die Bibel klar und bestimmt ver­stan­den wer­den kann. Eras­mus sieht die Schrift als schwer ver­ständ­lich, die nicht so ohne wei­te­res ein­deu­tig z.B. über den Wil­len in Bezug auf das Heil spricht und er hat auch eine Lösung für das Pro­blem: Die Kir­che bringt Licht dafür, wie sol­che The­men zu verstehen …

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schild­bür­ger sind ursprüng­lich für ihre Klug­heit weit­hin bekannt und wer­den über­all in der Welt gefragt um mit ihrer Klug­heit die Din­ge zu regeln. Doch Schil­da, ihr Hei­mat­ort geht dadurch den Bach run­ter. Also muss etwas unter­nom­men wer­den. Die Schild­bür­ger neh­men sich nun vor, sich beson­ders dumm zu stel­len. Allen sagt der Plan zu, außer dem Leh­rer, der ein­wen­det: „Wer klug tut, wir davon noch lan­ge nicht klug.Aber wer sich lan­ge dumm stellt, wird viel­leicht eines Tages wirk­lich dumm“. Die ande­ren lach­ten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, mein­te der Schmied neu­gie­rig. „Eure Dumm­heit“, rief der Leh­rer. Da lach­ten sie ihn alle aus. Als ers­te Dumm­heit beschließt man den Bau eines drei­ecki­gen Rat­hau­ses ohne Fens­ter. Die­ser wird bald eine welt­be­kann­te Kurio­si­tät und spült Geld in die Stadt­kas­se: >„So wur­den die Schild­bür­ger zwar nicht wegen ihres drei­ecki­gen Rat­hau­ses, son­dern viel­mehr wegen ihrer ver­ges­se­nen Fens­ter berühmt. Es dau­er­te nicht lan­ge, so kamen auch schon die ers­ten Rei­sen­den nach Schil­da, bestaun­ten die Ein­woh­ner, über­nach­te­ten und lie­ßen über­haupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte …