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Es ehrt Gott, wenn wir ausschließlich auf seine Verherrlichung ausgerichtet sind

Auf die Fra­ge „auf wie vie­le Wei­sen man Gott ver­herr­li­chen kann“, hat Tho­mas Wat­son vie­le Ant­wor­ten. Eine ist, dass wir Gott dann ver­herr­li­chen wenn wir uns auf sei­ne Ehre hin aus­rich­ten. Klingt fast tri­vi­al, nicht? Doch hören wir auf Wat­son: Wir sind auf Got­tes Ver­herr­li­chung aus­ge­rich­tet… „(1.) Wenn wir Got­tes Ehre über alle ande­ren Din­ge stel­len; über Anse­hen, Besitz oder Bezie­hun­gen; wenn die Ehre Got­tes mit die­sen kon­kur­riert — dann müs­sen wir sei­ne Ehre die­sen vor­zie­hen. Wenn Bezie­hun­gen auf unse­rem Weg zum Him­mel lie­gen, müs­sen wir ent­we­der über sie hin­weg­ge­hen oder sie zer­stö­ren. „Jeder, der sei­nen Vater oder sei­ne Mut­ter mehr liebt als mich, ist mei­ner nicht wert ; wer sei­nen Sohn oder sei­ne Toch­ter mehr liebt als mich, der ist mei­ner nicht wert!“ Mt.10,37. Ein Kind muss ver­ges­sen, dass es ein Kind ist; es muss weder Vater noch Mut­ter ken­nen um der Sache Got­tes wil­len. „Der von sei­nem Vater und von sei­ner Mut­ter spricht: »Ich sehe ihn nicht«, und von sei­nem Bru­der: »Ich ken­ne ihn nicht«“ (5. Mo 33,9). Das bedeu­tet also, auf Got­tes Ehre aus­ge­rich­tet zu sein. …

„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518

Durch Carl Tru­e­man (z.B. in sei­ner Vor­le­sung zur Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, in der Essay-Sam­m­­lung des Autors  „Refor­ma­ti­on — heu­te noch aktu­ell“ im kürz­lich erschie­nen Buch „Luther on the chris­ti­an life“ geht er jeweils sehr aus­führ­lich auf Luthers Unter­schei­dung zwi­schen Theo­lo­gen der Herr­lich­keit und Theo­lo­gen des Kreu­zes ein). wur­de ich auf ein Ereig­nis in Luthers Lauf­bahn auf­merk­sam, dass in vie­len Dar­stel­lun­gen des Refor­ma­tors schnell unter­geht.  Im April 1518 (und noch deut­lich vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens durch die römi­sche Kurie  im Juli 1518) fand unter Lei­tung Luthers eine Dis­pu­ta­ti­on in der Ver­samm­lung der Augus­ti­ner statt, die sei­ne The­sen zum Ablass dis­ku­tie­ren soll­te. Luther berei­te­te The­sen vor, die wohl eini­ge über­rascht haben dürf­ten. Sehr ent­schie­den ent­schei­det sich Luther für eine augus­ti­ni­sche Dar­stel­lung des Heils. Eini­ge der 28 The­sen (hier samt Begrün­dung voll­stän­dig zu fin­den) im Wort­laut: Die Wer­ke der Men­schen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fal­len und gut zu sein schei­nen, müs­sen doch als Tod­sün­den gel­ten. Der Mensch, der da meint, er wol­le dadurch zur Gna­de gelan­gen, dass er tut, soviel ihm mög­lich ist, häuft Sün­de auf …

Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie? — eine Artikelreihe von Hanniel Strebel

Han­ni­el Stre­bel hat eine prä­gnan­te Arti­kel­rei­he für E21 erstellt, in der er der Fra­ge nach­geht, was refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie sei! Ich bin sehr dank­bar für den Arti­kel, da ich die letz­ten Mona­te vor­nehm­lich mit der Fra­ge ver­bracht habe, wie ich selbst mei­nen Glau­ben defi­nie­ren soll­te. Beson­ders posi­tiv möch­te ich sei­nen Ansatz her­vor­he­ben, weder eine kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne noch eine all­zu all­ge­mei­ne Stel­lung zu wäh­len (Han­ni­el schreibt selbst dar­über). Ich kann inner­halb mei­ner theo­lo­gi­schen Bub­ble nicht mit dem West­mins­ter Bekennt­nis in der Hand argu­men­tie­ren, und sehe nur die Mög­lich­keit zurück zur Schrift zu gehen und Got­tes Wort spre­chen las­sen. Im wesent­li­chen Stau­ne ich dar­über, dass ich sowohl unab­hän­gig und ziem­lich anders geprägt, ja gar aus einem völ­lig ande­ren Kul­tur­kreis, genau die­se Ent­de­ckun­gen im Erbe der Refor­ma­ti­on gemacht habe, von denen Han­ni­el schwärmt (auch wenn ich wei­ter­hin den Begriff „refor­miert“ ver­wen­den wür­de) Ich möch­te fünf Filet-Stü­­cke sei­ner Rei­he hervorheben:

A Clear and Present Word

Heu­te möch­te ich auf die­ses kur­ze Büch­lein auf­merk­sam machen, das Pro­le­go­me­na für jedes her­me­neu­ti­sche Werk sein dürf­te. Ich den­ke, das man heu­te über Her­me­neu­tik so reden kann, dass der Ein­druck ent­steht, dass es eigent­lich kaum mög­lich ist, die Bibel zu ver­ste­hen, und dass man zunächst unzäh­li­ge her­me­neu­ti­sche Werk­zeu­ge beherr­schen muss, in die Kul­tur­ge­schich­te zu inves­tie­ren hat und eigent­lich so wie­so immer auf Exper­ten ange­wie­sen ist. Ohne die­se Bei­trä­ge zu schmä­lern ver­tei­digt Thomp­son in die­sem Werk, das Lesen der Bibel in der Gegen­wart Got­tes. Für mich ein äußerst zen­tra­les The­ma, das von vie­len Sei­ten ange­grif­fen wur­de und ange­grif­fen wird: Thomp­son arbei­tet z.B. sau­ber her­aus, dass die Debat­te zwi­schen Eras­mus und Luther über die Frei­heit des Wil­lens hin­ter die­ser Fra­ge vor allem ein Streit dar­über ist, ob die Bibel klar und bestimmt ver­stan­den wer­den kann. Eras­mus sieht die Schrift als schwer ver­ständ­lich, die nicht so ohne wei­te­res ein­deu­tig z.B. über den Wil­len in Bezug auf das Heil spricht und er hat auch eine Lösung für das Pro­blem: Die Kir­che bringt Licht dafür, wie sol­che The­men zu verstehen …

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schild­bür­ger sind ursprüng­lich für ihre Klug­heit weit­hin bekannt und wer­den über­all in der Welt gefragt um mit ihrer Klug­heit die Din­ge zu regeln. Doch Schil­da, ihr Hei­mat­ort geht dadurch den Bach run­ter. Also muss etwas unter­nom­men wer­den. Die Schild­bür­ger neh­men sich nun vor, sich beson­ders dumm zu stel­len. Allen sagt der Plan zu, außer dem Leh­rer, der ein­wen­det: „Wer klug tut, wir davon noch lan­ge nicht klug.Aber wer sich lan­ge dumm stellt, wird viel­leicht eines Tages wirk­lich dumm“. Die ande­ren lach­ten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, mein­te der Schmied neu­gie­rig. „Eure Dumm­heit“, rief der Leh­rer. Da lach­ten sie ihn alle aus. Als ers­te Dumm­heit beschließt man den Bau eines drei­ecki­gen Rat­hau­ses ohne Fens­ter. Die­ser wird bald eine welt­be­kann­te Kurio­si­tät und spült Geld in die Stadt­kas­se: >„So wur­den die Schild­bür­ger zwar nicht wegen ihres drei­ecki­gen Rat­hau­ses, son­dern viel­mehr wegen ihrer ver­ges­se­nen Fens­ter berühmt. Es dau­er­te nicht lan­ge, so kamen auch schon die ers­ten Rei­sen­den nach Schil­da, bestaun­ten die Ein­woh­ner, über­nach­te­ten und lie­ßen über­haupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte …

Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein, als ein langlebiger verschlafener Planet

„Ich will lie­ber Asche sein, als Staub! Ich will lie­ber, dass mein Lebens­fun­ke sich aus­brennt in einer hel­len Flam­me, als dass er in Fäul­nis erstickt. Ich will lie­ber ein präch­ti­ger Mete­or sein der in all sei­nen Ato­men zugleich ver­glüht, als ein lang­le­bi­ger ver­schla­fe­ner Pla­net. Der Mensch ist gemacht, damit er lebt; nicht damit er exis­tiert. Ich wer­de mei­ne Tage nicht damit ver­geu­den, dass ich sie zu ver­län­gern suche. Ich wer­de mei­ne Zeit gebrau­chen.“ In den nächs­ten Arti­keln möch­te ich ver­mehrt Klas­si­ker der Lite­ra­tur vor­stel­len und mir scheint Jack Lon­don ein guter Anfang zu sein. Ich lie­be das oben genann­te Zitat (hier ori­gi­nal). Aber ich glau­be, dass wir Lon­don unrecht tun, wenn wir in ihm einen Autor von Jugend­li­te­ra­tur sehen. Das hat meist die nega­ti­ve Fol­ge, dass man die Erzäh­lun­gen und Roma­ne Lon­dons nur in stark bear­bei­te­ten „jugend­li­chen“ Vari­an­ten kennt. Dabei ist natür­lich z.b. Alas­ka Kid ein gutes teen­ager­ge­rech­tes Ein­stiegs­werk. Bei Ruf der Wild­nis und Wolf­l­blut mag dies durch das sehr stark posi­ti­ve „para­die­si­sche“ Ende eben­falls zutref­fen. Es wird aber schon deut­lich düs­te­rer, wenn man „den See­wolf“ liest.

Bis zum Bodensatz

Auf Sieg­fried Kett­ling bin ich durch Vik­tor von Christusallein.com gesto­ßen. Kett­ling, luthe­ri­scher Theo­lo­ge, besitzt eine unge­wöhn­li­che Aus­drucks­wei­se, wahr­schein­lich wohl etwas, das Luthe­ra­ner häu­fig aus­zeich­net. Hilf­reich emp­fand ich sei­ne Aus­füh­run­gen zum Beten. Es ist ein grö­ße­rer Abschnitt, denn ich unver­än­dert wie­der­ge­ben möch­te. Gefun­den in: „Und der sag­te ja“, ein nur noch anti­qua­risch erhält­li­ches Werk: Kürz­lich habe ich ein Gebet gele­sen. Es lau­te­te etwa so: “ Gott, ich will dir sagen, wer du bist und wie du dich mir gegen­über benom­men hast. Ich sage es dir mit­ten ins Gesicht, neh­me kein Blatt vor den Mund. Mit glat­ten Wor­ten bist du auf mich zuge­kom­men wie ein jun­ger Mann, der schön tut, wenn er ein ahnungs­lo­ses Mäd­chen beschwat­zen will. Schließ­lich habe ich mich betö­ren las­sen, bin mir dir gegan­gen. Übel hast du mein Ver­trau­en miss­braucht, mich bru­tal ver­ge­wal­tigt und anschlie­ßend sit­zen­ge­las­sen. Nun ste­hen die Leu­te rings­um, hal­ten sich den Bauch vor Lachen: „Schön dumm von Dir, auf den rein­zu­fal­len.“ Gott, ich sage es dir ins Gesicht — ein Ver­füh­rer bist du!“ Ist das — ein Gebet? Nicht eher eine Gotteslästerung?‚Sollten wir nicht nach der …

Schmeckt und Seht

Zu Weih­nach­ten haben wir die­ses Andachts­buch von John Piper geschenkt bekom­men und hat­ten nun Zeit zum anle­sen. Das Buch, das der Autor für sei­ne Adop­tiv­toch­ter Tali­tha geschrie­ben hat, unter­schei­det sich wahr­schein­lich vor allem durch die Län­ge der „Arti­kel“ von ande­ren Andachts­bü­chern. Die ein­zel­nen Bei­trä­ge sind meis­tens drei Sei­ten lang, womög­lich zu lang, um den Text als kur­zen Andachts­text am Mor­gen zu lesen. Dafür sind es auch „nur“ ins­ge­samt 140 gewähl­te Tex­te. Man steht also nicht unter Druck, jeden Tag einen Arti­kel zu lesen. Im Grun­de fühlt es sich an, als wür­de man Blog-Arti­­kel von Desi­ring­God lesen. Ent­spre­chend bunt ist auch die Band­brei­te der Arti­kel ange­legt. Die Arti­kel rei­chen von „Gedan­ken nach dem 11. 09.2001“, über „Gebets­an­lie­gen von Pas­to­ren“, bis zu Lek­tio­nen, die Piper aus dem Leben ver­gan­ge­ner Chris­ten­ge­nera­tio­nen zieht, wie Brai­nerd, Sime­on, und bei Piper wohl fast obli­ga­to­risch, Jona­than Edwards.  In den meis­ten Arti­keln jedoch zieht uns der Autor in die Neu­ent­de­ckun­gen sei­ner per­sön­li­chen Bibel­le­se hin­ein. Vor allem wenn er über weni­ger beach­te­te Ver­se schreibt, wie z.B. Hi. 5,8−10 (Stau­nen über das Wun­der von Regen) …

„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht der schwierigste zu sein…“

Die Web­sei­te Licht-und-Recht.de ist immer wie­der eine Quel­le für Neu­ent­de­ckun­gen. So habe ich neu­lich ein Schrei­ben von Ursi­nus an einen (zu die­sem Zeit­punkt) luthe­­risch-huma­­nis­­ti­­schen Theo­lo­gen namens Jakob Monau gefun­den, der sich mit der Leh­re von der Prä­de­sti­na­ti­on aus­ein­an­der­setzt. Gan­ze 14 DINA4-Sei­­ten ist der Brief lang und wur­de offen­sicht­lich in einer Nacht fer­tig­ge­stellt. Eine gan­ze Sei­te lang zitiert Ursi­nus Bibel­ver­se, wie Gott auch im „Bösen“ wirkt. Wie gesagt, ohne jeg­li­che digi­ta­len Mit­tel, im Grun­de aus dem Stand her­aus. Obwohl nicht immer ganz freund­lich im Ton, bleibt Ursi­nus sach­lich und leicht ver­ständ­lich. Er schreibt: „Mir scheint der Teil der christ­li­chen Leh­re wel­cher von der Prä­de­sti­na­ti­on han­delt, nicht, wie Du schreibst, der schwie­rigs­te zu sein; wofern wir nur die hei­li­ge Schrift ohne Vor­ur­tei­le lesen und­oh­ne Lei­den­schaft mit dem erns­ten Stre­ben, nicht etwa Gott nach unse­ren Phan­ta­sie­ge­bil­den umzu­ge­stal­ten, son­dern von Ihm selbst über Ihn zu ler­nen und ihm allein alle Ehre zu geben und von uns ab zu Ihm hin zu wen­den. So ist mir vie­les leicht gewor­den, was schwie­rig zu sein schien, so lan­ge ich auf das Ansehen …

Tertullian: Verteidigung

„Wenn der Tiber bis in die Stadt­mau­ern steigt, wenn der Nil nicht bis über die Feld­flu­ren steigt, wenn die Wit­te­rung nicht umschla­gen will, wenn die Erde bebt, wenn es eine Hun­gers­not, wenn es eine Seu­che gibt, sogleich wird das Geschrei gehört: „Die Chris­ten vor den Löwen!“ So vie­le vor einen?! Ich bit­te euch, wie vie­le Kala­mi­tä­ten haben nicht schon vor Tibe­ri­us, d.h. vor der Ankunft Chris­ti, den Erd­kreis und die Stadt betrof­fen?“ — Ter­tul­li­an in „Ver­tei­di­gung“. Es gibt vie­le Grün­de, war­um man Ter­tul­li­an lesen soll­te. Da wäre erst ein­mal die gene­rell anti- oder zumin­dest unchrist­li­che Atmo­sphä­re des zwei­ten Jahr­hun­derts, die unse­rer nicht unähn­lich ist. C. Tru­e­man bemerk­te mei­nes Erach­tens  zurecht, dass wir vor allem aus dem zwei­ten und drit­ten Jahr­hun­dert am meis­ten für unse­re Zeit schöp­fen kön­nen. Ähn­lich wie vor fast zwei­tau­send Jah­ren, wird das Chris­ten­tum nicht nur abge­lehnt, es gilt als unäs­the­tisch und wider­lich. Vom Markt­platz der zuläs­si­gen Mei­nun­gen ist es schon lan­ge aus­ge­schlo­ßen. Doch es liegt auch an Ter­tul­li­an per­sön­lich, war­um sei­ne „Ver­tei­di­gung des Chris­ten­tums“ ein guter Start­punkt ist, um die Lite­ra­tur der Kir­chen­vä­ter kennenzulernen. …