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Russisch-Orthodoxe Seelsorge bei Starez Sossima
Aus die Brüder Karamasow von F.M. Dostojewski

„Die Brü­der Kara­ma­sow“ ist ein Meis­ter­werk in unter­schied­lichs­ter Hin­sicht. Viel­leicht ergibt sich auf die­sem Blog einst die Mög­lich­keit zu einer aus­führ­li­chen Bespre­chung die­ses letz­ten Romans von F.M. Dos­to­jew­ski. Im Zwei­ten Kapi­tel des zwei­ten Buches des Ers­ten Teils die­ses umfang­rei­chen Wer­kes (mein rus­si­sches Hör­buch ist über 45h lang) kön­nen wir Sta­rez Sossi­ma (Ein Sta­rez ist so etwas wie eine Art „Über-Abt“ eines ortho­do­xen Klos­ters) bei Gesprä­chen mit unter­schied­li­chen Rat­su­chen­den beob­ach­ten. Ich fin­de in sei­nen Ant­wor­ten viel Weis­heit, auch wenn man man­ches „ins Evan­ge­li­sche“ über­set­zen soll­te. Aus dem hal­ben Dut­zend Gesprä­chen (hier ab S. 34) habe ich drei aus­ge­sucht. Die Sze­nen sind in sich abge­schlos­sen, und bis auf eine haben sie auch kei­ne wei­te­re Bedeu­tung für den Ver­lauf des Romans, kön­nen also in sich gele­sen wer­den. Ich habe sehr aus­führ­li­che Zita­te gewählt, um auch die gezeich­ne­ten Rah­men­be­din­gun­gen auf­zu­zei­gen: Kann schwe­re Sün­de ver­ge­ben wer­den? Beach­tet das Fein­ge­fühl, mit dem der Sta­rez das Pri­va­te pri­vat sein lässt aber vor allem den Hin­weis auf das Evan­ge­li­um am Schluss. In Dos­to­jew­skis Bei­spie­len fin­det sich zudem immer ein Zusam­men­hang zwi­schen kör­per­li­chem und …

Medienstapel im Sommer 2022

Im fol­gen­den ein paar Files“, die im Som­mer auf Ohren und Augen gin­gen: Weis­heit im Umgang mit den sozia­len Medi­en Vik­tor Mar­tens von der Bibel­ge­mein­de Bay­reuth, hält hier einen Vor­trag über Weis­heit im Umgang mit den sozia­len Medi­en. Sein Fazit ist, dass „Unse­re digi­ta­le Ernäh­rungs­py­ra­mi­de“ kor­ri­giert (oder umge­kehrt) wer­den muss. In sei­nem Vor­trag geht er auf ganz prak­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen ein, die uns im Umgang mit sozia­len Medi­en begeg­nen und ent­larvt ein „zu Viel“ und ein „zu Schnell“ am Kon­sum der Sozia­len Medi­en als Unwei­se. Unter ande­rem kann es pas­sie­ren, dass ich letzt­lich nur das höre, was ich hören möch­te, ja dass die ent­spre­chen­den Such­al­go­rith­men mir auch nur das auf­ti­schen, was ich hören möch­te. Ein viel­schich­ti­ger und gelun­ge­ner Vor­trag mit vie­len prak­ti­schen Situa­tio­nen, frisch und unauf­ge­regt vor­ge­tra­gen. Als exzel­lent wür­de ich den Vor­trag bezeich­nen, wenn er weni­ger in die Zeit der Coro­­na-Situa­­ti­on spre­chen wür­de: Der Ori­ent­zy­klus als Hör­spiel und als Film Ich woll­te (gegen­wär­tig ganz Gegen­kul­tur) Karl May den Kin­dern näher brin­gen. Also ver­such­ten wir uns an ein 10h Hör­spiel vom Hör­ver­lag. Dadurch das lan­ge Ein­blen­den aus dem …

Lesestapel im Sommer 2022

Ein Blick auf Bücher, die mei­ne Som­mer­fe­ri­en beglei­tet haben. „Die zwei Bücher an sei­ne Frau“ von Ter­tul­li­an. Eine ver­rück­te Schrift, die eigent­lich die radi­ka­le Aus­rich­tung Ter­tul­li­ans bezeugt. Er emp­fiehlt, ein wei­ses Vor­ge­hen für den Fall, dass er stirbt und sie als Wit­we da bleibt: Am bes­ten nicht wie­der­hei­ra­ten! Zitat Ter­tul­li­an: “ Man kann sagen: wofür man erst einer Erlaub­nis bedarf, das ist nicht gut. Wie­so denn? Für das, was erst erlaubt wird, gibt es immer eine Ver­an­las­sung zur Ertei­lung der Erlaub­nis, wel­che ver­däch­tig ist. Das Vor­züg­li­che­re aber braucht nicht erst von jemand erlaubt zu wer­den — weil es unbe­denk­lich und wegen sei­ner Ein­fach­heit an sich klar ist.“ Man erahnt in die­sem Buch den auf­kei­men­den Monas­ti­zis­mus der frü­hen Kir­che „Grie­che sucht Grie­chin“ von Fried­rich Dür­ren­matt. Ein ele­gan­ter Anfang, ein viel­ver­spre­chen­der Mit­tel­teil, und wie so oft bei Dür­ren­matt ein eher schwa­cher Abgang. Tat­säch­lich wur­de das Werk nie been­det, und hat nur eine vom Autor bei­gefüg­te Schluß­skiz­ze. Ein gro­tes­kes Werk, dass den Men­schen immer das Cha­os vor Augen stellt. Da es um die Ver­mäh­lung eines streng­gläu­bi­gen Grie­chen (er ist tat­säch­lich „Alt­neu­pres­by­te­ra­ner“) mit …

„Evangelischer Glaube Kompakt“ von Thomas Schirrmacher
Darüber wie es ist, als Nicht-Presbyterianer das Westminster Bekenntnis zu lesen

Das hat mich zunächst in die­ser Ver­si­on des West­mins­ter Glau­bens­be­kennt­nis­ses von 1647 (Im fol­gen­den mit WB abge­kürzt) von Tho­mas Schirr­ma­cher irri­tiert, dass er das Werk mit einem zusätz­li­chen Titel ver­sieht: „evan­ge­li­scher Glau­be kom­pakt“. Je mehr ich aber auf die­se Bekennt­nis­schrift zurück­grei­fe, des­to eher sehe ich es als eine Art „Cheat-Buch“ für dog­ma­ti­sche Fra­gen.  Als ich vor eini­ger Zeit z.B. für eine Jugend­grup­pe einen Vor­trag über das The­ma Heils­ge­wiss­heit vor­be­rei­tet habe, griff ich voll­stän­dig auf die Struk­tur zurück, wie es das WB In Kapi­tel 18 dar­stellt: Behut­sam ent­wi­ckelt das Bekennt­nis an die­ser Stel­le, dass es vor allem um den Wachs­tum im Glau­ben geht, dass Heils­ge­wiss­heit mög­lich, aber nicht heils­not­wen­dig sei, erstre­bens­wert, aber nicht auf eine zu ver­zwei­feln­de Wei­se, son­dern im Gott­ver­trau­en anzu­eig­nen. Oder neh­men wir Kapi­tel 9: Vom frei­en Wil­len. Das Bekennt­nis hat hier die augus­ti­ni­sche Struk­tur im Hin­ter­grund, so dass es die Wil­lens­frei­heit vor dem Fall, nach dem Fall, nach der Wie­der­ge­burt und in der Herr­lich­keit betrach­tet. Somit fällt die Ant­wort nicht ein­fach plump mit „ja oder nein“  aus, son­dern führt ziel­stre­big zur Fra­ge nach …

Wie auf Perelandra über Gottes Willen im Bösen diskutiert wurde
„O felix culpa“ auf der Venus

End­lich habe ich mich gewagt die Sci­ence-Fic­­ti­on Tri­lo­gie von C.S.Lewis zu lesen. Sie ist als Gegen­ent­wurf zu der zu sei­ner Zeit auf­kei­men­den Sci­ence-Fic­­ti­on-Lite­ra­­tur zu ver­ste­hen. Ent­ge­gen den zahl­rei­chen Wer­ken von H.G.Wells (auch heu­te noch durch Krieg der Wel­ten bekannt) geht in C.S.Lewis Space-Tri­­lo­­gie die Gefahr nicht vom Außer­ir­di­schen Leben, son­dern vom Men­schen aus. Im ers­ten Band wird der Lin­gu­ist Ran­som von zwei Wis­sen­schaft­lern auf den Mars (im Buch Mala­kan­dra genannt) ent­führt, die hof­fen, die gro­ßen Gold­vor­kom­men dort im Aus­tausch für ein Men­schen­op­fer Ran­soms erwer­ben und aus­beu­ten zu kön­nen. Nur durch das Ein­grei­fen der Eldi­la, einer Art Boten Got­tes (auf einem Pla­net ohne Sün­den­fall leben alle ein Leben vor Gott), kann die schlimms­te Kata­stro­phe ver­hin­dert wer­den, und die Mensch­lin­ge wer­den wie­der zurück­ge­schickt. Ran­soms Blick auf das Leben wird durch die­se Begeg­nung ver­än­dert und er wird von den Eldi­la auf eine wei­te­re Mis­si­on nun auf den Pla­ne­ten Venus (von den Bewoh­nern dort Pere­lan­dra genannt) geschickt. Er weiß nur, dass er eine gro­ße Gefahr unter­bin­den soll, aber nicht genau wel­che. Bald begeg­net er einer Köni­gin auf die­sem Planeten, …

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Mei­ne Rei­se in ein Bibel­le­sen mit Chris­tus im Zen­trum fing mit Edmund Clow­ney an. Zuerst bin ich auf die von Clow­ney mit Tim Kel­ler gemein­sam gehal­te­ne Vor­le­sung „Preaching Christ in a Post­mo­dern World gesto­ßen“.  Die­se war ein gewis­ser Start­punkt und spä­ter griff ich zur Vor­le­sung zur bibli­schen Theo­lo­gy von Clow­ney, die eben­falls kos­ten­frei zugäng­lich ist. Sei­ne Stra­te­gie stellt Clow­ney in Kür­ze auch in einem Essay vor, der das Ein­lei­tungs­ka­pi­tel zu einem Pre­digt­sam­mel­band von ihm dar­stellt: Preaching Christ in All of Scrip­tu­re — Chris­tus aus der gan­zen Schrift pre­di­gen. Durch Clow­ney habe ich auch uner­war­te­te Fähr­ten der Schrift ent­deckt, die zu Chris­tus füh­ren. In sei­ner Vor­le­sung führt Clow­ney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ auf Chris­tus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vor­han­de­ne Insti­tu­ti­on der Ehe, um die­se als Meta­pher für die Lie­be Chris­ti zu sei­ner Gemein­de zu ver­wen­den, son­dern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grund­le­gung der Welt vor­han­de­nen Rea­li­tät, der die­nen­den Lie­be Chris­ti. Unse­re Ehen wer­den an die­sem Anspruch, der im Sohn Got­tes zu sehen ist, gemes­sen. Des­we­gen ist Ehe­bruch und Hurerei …

Unterm Rad von Hermann Hesse
Eine Erzählung über ein vernachlässigtes Thema

„Unterm Rad“, einer frü­hen Erzäh­lung von Her­mann Hes­se ist es zu ver­dan­ken, dass ich ein wenn auch gespal­te­ner Fan von Hes­se bin.  Die Novel­le han­delt von Hans Gie­ben­rath, einem begab­ten Jugend­li­chen, der an den Ansprü­chen der Päd­ago­gik an ihn schließ­lich end­gül­tig schei­tert. Natür­lich ist hier auch eine Abrech­nung Hes­ses mit der preu­ßi­schen Inter­nats­kul­tur zu fin­den. Doch die­se loka­le Inter­pre­ta­ti­on hat den glo­ba­len Gedan­ken,  dass es eine DER Urängs­te des Men­schen ist, unter die Räder zu kom­men: Ob nun die Räder der Umstän­de, oder der eige­nen Ansprü­che, die Gefahr einer voll­stän­di­gen Kata­stro­phe beglei­tet den Men­schen bereits bei den ers­ten (erfolg­rei­chen?) Schrit­ten einer schu­li­schen Lauf­bahn. Ich glau­be „Unterm Rad“ lie­fert eini­ge gute Ana­ly­sen dafür, dass z.B. auch wohl­wol­len­de Nächs­te, den schau­ri­gen, von Beginn vor­han­de­nen Pro­zess des Unter­ge­hens nicht wahr­neh­men kön­nen: Hans, als ein­zi­ger aus sei­ner Stadt, erreicht die Teil­nah­me an einem Lan­des­examen in Stutt­gart. Ent­spre­chend bekommt er zwar einer­seits Extra­un­ter­richt, aber auch Angel­ver­bot und eine Ein­schrän­kung des Umgangs mit sei­nen Freun­den. Jeder blick­te auf eine zukünf­ti­ge herr­li­che Kar­rie­re von Hans, aber nicht auf die ver­küm­mern­de See­le des …

Der jüdisch-amerikanische Radio-Moderator Dennis Prager über Evangelikale
Das Leseverhalten der Evangelikalen aus jüdischer Sicht

Den­nis Pra­ger ist in Ame­ri­ka schon jahr­zehn­te­lang als kon­ser­va­ti­ver und unge­wöhn­li­cher Radio­mo­de­ra­tor bekannt. Sei­ne Ana­ly­se des Lese­ver­hal­tens evan­ge­li­ka­ler Chris­ten dürf­te glo­bal ins Schwar­ze tref­fen. Ent­deckt, via Moner­gism: „Eine Sache, die mir bei Evan­ge­li­ka­len auf­ge­fal­len ist, ist, dass sie nicht lesen. Sie lesen die Bibel nicht, sie lesen die gro­ßen christ­li­chen Den­ker nicht, sie haben noch nie von Aquin gehört. Wenn sie Pres­by­te­ria­ner sind, haben sie noch nie die Begrün­der des Pres­by­te­ria­nis­mus gele­sen. Das kann ich nicht ver­ste­hen. Als Jude ist das für mich ver­wir­rend. Das Gebot des Stu­di­ums ist im Juden­tum so tief ver­wur­zelt, dass wir uns in das Stu­di­um ver­tie­fen. Gott hat uns ein Gehirn gege­ben, sol­len wir es nicht in sei­nem Dienst ein­set­zen? Wenn ich das Haus eines evan­ge­li­ka­len Chris­ten betre­te und ins­ge­samt 30 Bücher sehe, die meis­ten davon Best­sel­ler, ver­ste­he ich das nicht. Ich habe Bücher­re­ga­le mit christ­li­chen Büchern, und ich bin Jude. War­um habe ich mehr christ­li­che Bücher als 98 % der Chris­ten in Ame­ri­ka? Das ist so selt­sam für mich.“ O‑Ton:

Thomas Watson über die Glaubensgewissheit
Eine Studie zu „A Body of Divinity“

Lese­zeit: 16 Minu­ten In sei­ner “A Body of Divini­ty” (auf Deutsch als “Dar­le­gung der christ­li­chen Leh­re und ihre Anwen­dung” ver­öf­fent­licht) führt Tho­mas Wat­son in Teil V, Kap.6 (S.250 – 260) sei­ne Über­le­gun­gen über die Gewiss­heit der Lie­be Got­tes aus. Damit bespricht er einen Aspekt der 36ten Fra­ge des kür­ze­ren West­mins­ter Kate­chis­mus, die “Wohl­ta­ten, die in die­sem Leben Recht­fer­ti­gung, Sohn­schaft und Hei­li­gung beglei­ten”, der von der Zusi­che­rung von Got­tes Lie­be spricht. Im deutsch­spra­chi­gen Gebrauch wird Assuran­ce (of Faith) häu­fig als Heils­ge­wiss­heit wie­der­ge­ge­ben. Da aber die Gewiss­heit des Heils nicht ande­rer Art als der christ­li­che Glau­be sein kann und auch nicht unab­hän­gig eines evan­ge­li­schen Glau­bens exis­tie­ren kann, wür­de ich per­sön­lich den Begriff der Glau­bens­ge­wiss­heit bevor­zu­gen. In man­chen Fäl­len könn­te man auch von der Gewiss­heit der Erret­tung spre­chen. Wert­voll ist der Hin­weis, dass es hier um die Gewiss­heit geht, dass Got­tes Lie­be mir gilt. Es ist die Fra­ge, die Luthers Suche nach einem gnä­di­gen Gott antreibt und auf die­se Wei­se auch ein Rei­bungs­punkt mit der katho­li­schen Kir­che. Schließ­lich hielt der Chef­ver­tei­di­ger des Katho­li­zis­mus Kar­di­nal Bel­l­ar­mi­no ein­mal fest: “Die zen­tra­le Häresie …