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Calwer Luther Ausgabe in 10 Bänden

Ein Überblick

Auf die­se nur noch anti­qua­risch erhält­li­che Aus­wahl der Wer­ke Luthers bin ich lei­der erst vor kur­zem auf­merk­sam gewor­den. Wahr­schein­lich soll­te ich anfan­gen öfter mal ein paar Ver­lags­ka­ta­lo­ge durch­zu­schau­en.

Um sich einen Ein­blick in das Werk Luthers zu ver­schaf­fen, scheint mir die Aus­wahl recht gelun­gen zu sein. Es folgt ein kur­zer Über­blick über die ein­zel­nen Bän­de.

Band 1 fängt mit der klas­sisch luthe­ri­schen Leh­re mit dem gro­ßen Kate­chis­mus an. Die­ser ist neben dem klei­nen Kate­chis­mus eine der bei­den Gele­gen­hei­ten, die Luther wahr­nahm um ein Über­blick über die pro­tes­tan­ti­sche Leh­re zu geben. Im Grun­de liegt hier eine klei­ne Dog­ma­tik vor. In vie­len Punk­ten ein­fach gehal­ten, waren doch auch Geist­li­che jener Zeit oft­mals nicht für star­ke Spei­se reif. Die Schmal­kal­di­schen Arti­kel wie­der­spie­geln das­sel­be The­ma, aber eher aus einem apo­lo­ge­ti­schen Anlie­gen, näm­lich in der Abgren­zung gegen­über Schwär­mern und Katho­li­ken.

Die Anfän­ge der Refor­ma­ti­on rei­ßen einen Pre­di­ger mit­ten aus der Lehr­stu­be und von der Kan­zel hin­ein in das Welt­ge­sche­hen. Ent­spre­chend beinhal­tet Band 2 Pre­dig­ten und Aus­le­gun­gen Luthers. Zen­tral an die­sem Band ist die Wucht­schrift “ Von der Frei­heit eines Chris­ten­men­schen“.

Die Aus­le­gung des Vater­un­ser ist mir per­sön­li­che noch unbe­kannt und ich habe mir vor­ge­nom­men die­se zu lesen. Band 3 ent­hält zu dem die Schrift „Eine ein­fäl­ti­ge Wei­se zu beten, für einen guten Freund“, in der Luther eine Pra­xis des schrift­ge­mä­ßen Betens vor­stellt. Eben­falls fin­det sich auch der „Ser­mon von den guten Wer­ken“.

Band 4 behan­delt die welt­li­che Obrig­keit. Luthers Ein­stel­lung, dass alle Fra­gen eine christ­li­che Ant­wort, also eine Ant­wort mit Bezug zu Chris­tus oder der Schrift haben, ist äußerst ermu­ti­gend. Neben der Schrift „Von welt­li­cher Obrig­keit. Wie weit man ihr Gehor­sam schul­dig sei“ fin­det sich auch die Schrift „Ob Kriegs­leu­te auch im seli­gen Stan­de sein kön­nen“. Äußerst lesens­wert ist zudem die Schrift „Vom Wucher“. Aus der täg­li­chen Not gebo­ren, gibt Luther zu ver­schie­dens­ten Pro­ble­men eine Ant­wort. Per­ma­nent ist der Bezug zur Schrift. Auch wenn wir vie­le Details anders sehen als er, ist die­se Ein­stel­lung eine gro­ße Lek­ti­on für jeden Pre­di­ger von heu­te.

Band 5 ist gefüllt mit Pre­dig­ten. Auch hier wird die theo­lo­gi­sche Brei­te sei­ner Arbeits­wei­se sicht­bar. Über Phil­ip­per 2,5 – 8 fin­det sich eben­so eine Pre­digt, wie über Joh 14,23. Ins­ge­samt ent­hält die­ser Band 22 Pre­dig­ten. Inter­es­sant ist, dass Luther ger­ne zu Pre­digtrei­hen griff. So fin­det sich unter die­sen Pre­dig­ten auch eine fünf­tei­li­ge Dar­stel­lung der Lei­den Chris­ti.

Wäh­rend Band fünf Pre­dig­ten über Chris­tus ent­hält, fin­den sich in Band 6 Pre­dig­ten über die Nach­fol­ge. Gna­de und Nach­fol­ge gehen eben Hand in Hand. „Der blei­ben­de Kampf des Chris­ten gegen sich sel­ber“, „Der ver­ant­wort­li­che Gebrauch der irdi­schen Güter“ oder “ Das uner­schüt­ter­li­che Hän­gen der Chris­ten am Wort“ sind eini­ge The­men, über die Luther pre­dig­te.

Band 7 beinhal­tet die Aus­le­gung des 118. Psalms. Hier fin­det sich auch der berühm­te „Send­brief vom Dol­met­schen“ und die „Ein­lei­tung in das alte Tes­ta­ment“. Bei­des sehr inter­es­san­te klei­ne Schrif­ten, die viel über Luthers Schrift­ver­ständ­nis und sei­ne Arbeit als Über­set­zer offen­ba­ren. Über­haupt über­schat­tet das Refor­ma­ti­ons­er­eig­nis vom 31.10.1517 oft­mals die eigent­li­che Arbeit Luthers. Näm­lich die eines Pro­fes­sors für Bibel­kun­de. Das blieb er Zeit sei­nes Lebens. Die Aus­le­gung des fünf­ten und des 22. Psalms fül­len Band 8.

Band 9 ist eine Aus­le­gung über den ers­ten Johan­nes­brief. Außer­dem fin­det sich hier eine äußerst kurio­se Schrift, das Magni­fi­cat Mari­as und sei­ne Aus­le­gung. Eine Schrift, ver­fasst auf der Wart­burg. Eine über­aus ver­söhn­li­che „katho­li­sche“ Schrift. Sehr inter­es­sant zu lesen.

Die Krö­nung der Rei­he ist sicher der Gala­ter­brief­kom­men­tar. Bis­her habe ich die­se Schrift nur leih­wei­se beses­sen und habe nur etwa ein Drit­tel gele­sen. Aber die Tie­fe haben es mir ange­tan. Im Grun­de habe ich die kom­plet­te Samm­lung nur um die­ses Kom­men­tars wil­len erwor­ben.

Was ich an die­ser Aus­wahl ver­mis­se:

Wer mehr über den Theo­lo­gen Luther erfah­ren möch­te, wird sicher die Schrift „Vom unfrei­en Wil­len“ ver­mis­sen.  Wer mehr über den Mensch Luther wis­sen möch­te, wird sei­ne Brie­fe  ver­geb­lich suchen. Wer den Kul­tur­mensch Luther schätzt, wird sei­ne Lie­der und sei­ne Fabeln nicht fin­den. Wer an der Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te inter­es­siert ist, wird wie­der­um zen­tra­le Doku­men­te der Refor­ma­ti­on, wie z.B. die 95 The­sen oder „von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che“ ver­mis­sen. Wer Luther zum Ver­gnü­gen lesen möch­te, wird kei­ne Tisch­re­den fin­den.

Unab­hän­gig davon ist die Aus­wahl gut getrof­fen. Beson­ders hilf­reich ist, dass alle Wer­ke mit kur­zen Ein­füh­run­gen und umfang­rei­chen Fuß­no­ten ver­se­hen sind, die auch Neu­ein­stei­gern hilf­reich sein kön­nen.

Dass das Werk nur noch anti­qua­risch ver­füg­bar ist, ist auch eine Chan­ce, hat man doch so die Mög­lich­keit rela­tiv güns­tig eine gute Aus­wahl an Luthers Schrif­ten zu erwer­ben.

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