Erzählungen
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Buchbesprechung: Gescheiterte Flucht

Teil I der Hochwald-Saga

Gescheiterte-Flucht1Schle­si­en, Mit­te des 19. Jahr­hun­derts: Das ruhi­ge Leben von Ober­förs­ter Albert Grü­ning ist jäh been­det, als ein Wild­dieb den Schnee­ber­ger Forst unsi­cher macht. Das Forst­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um macht Druck: er soll den Wild­dieb schnells­tens ding­fest machen, sonst droht ihm die Kün­di­gung. Plötz­lich taucht auch noch die hüb­sche Rahel von Bre­dow auf, die eini­ge Som­mer­wo­chen im Dorf unten ver­bringt.

Wäh­rend einer ihrer aus­schwei­fen­den Spa­zier­gän­ge begeg­net sie dem ein­sa­men Son­der­ling aus dem Hoch­wald, der an chro­ni­scher Übel­lau­nig­keit lei­det. Doch Rahel lässt sich von Grü­nings Knur­rig­keit nicht beein­dru­cken und erkennt, dass die­ser eine Last mit sich her­um trägt, die ihm zu schaf­fen macht. Wäh­rend die Ver­gan­gen­heit dem Ober­förs­ter immer mehr Auf­merk­sam­keit abver­langt bemerkt er gar nicht, dass er immer mehr ins Visier des Wild­die­bes gerät…

Es hat ein paar Sei­ten gedau­ert, bis ich mit dem schlecht gelaun­ten Albert Grü­ning „warm“ wur­de. Sei­ne kur­zen, abge­hack­ten Sät­ze, die sehr befehls­mä­ßig und nach Ober­feld­we­bel klin­gen, erin­ner­ten mich an Fil­me aus den Fünf­zi­gern. Doch der Pro­log war schon so span­nend und warf Fra­gen auf, dass ich direkt wei­ter lesen muss­te. Was geschah mit Grü­ning, dass er so ein Mie­se­pe­ter wur­de? Die Wahr­heit lässt er sich nicht gern ent­lo­cken — auch von Rahel nicht — und so bleibt die Span­nung bis zu den letz­ten Sei­ten erhal­ten. Dafür sor­gen u.a. Per­spek­tiv­wech­sel, die den Wild­dieb mit ein­schlie­ßen. Dadurch ist man dem Förs­ter als Leser immer eine Spur vor­aus und fragt sich, wie lan­ge es noch dau­ert, bis er dem Kerl auf die Schli­che kommt.

Die unter­schied­li­chen Cha­rak­te­re wur­den alle sehr fein aus­ge­ar­bei­tet und mir wuch­sen fast alle Roman­fi­gu­ren ans Herz – ja, auch der eine oder ande­re „Fies­ling“! Beson­ders Rahel und Grü­nings Freund Franz Mar­witz, die den Förs­ter immer wie­der dar­an erin­nern, dass sei­ne Last bei Gott in Guten Hän­den ist. Das The­ma „Ver­ge­bung“ spielt eine gro­ße Rol­le in die­sem Roman und ist sehr deut­lich in die Hand­lung ein­ge­ar­bei­tet wor­den. Nicht vie­le Roma­ne haben eine so kla­re Bot­schaft!

Spra­che und Wort­schatz sind der dama­li­gen Zeit ange­passt, was mir an his­to­ri­schen Roma­nen immer beson­ders gut gefällt, weil die Hand­lung dadurch authen­ti­scher wirkt. Neben­bei erfährt man auch eini­ges über das Leben und die Arbeit eines Förs­ters.

Als Fan von sehr gut recher­chier­ten und authen­ti­schen his­to­ri­schen Roma­nen habe ich einen neu­en, talen­tier­ten Autor für mich ent­deckt: Micha­el Mei­nert! „Geschei­ter­te Flucht“ ist m.E. auch ein Tipp für Fans von Eli­sa­beth Büch­le.

Susan­ne Degen­hardt

Titel: Geschei­terte Flucht
Autor: Micha­el Mei­nert
Sei­ten: 424
For­mat: 14 x 21 cm
Ein­band: Paper­back
Jahr: 2012
Ver­lag: BOAS-Ver­lag
ISBN: 978−3−942258−05−0
Preis: 14,95 Euro
erhält­lich bei: BOAS-Ver­lag, CSV
Lese­probe: BOAS-Ver­lag
als eBook: 8,99 EUR bei ceBooks.de

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