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Bruder unter Brüdern

Meine Begegnungen mit den Brüdergemeinden

Zunächst soll­te ich erklä­ren, dass ich kei­ne christ­li­chen Wur­zeln habe. Weder mei­ne Mut­ter, noch mei­ne Oma, noch irgend­ein ent­fern­ter Onkel waren oder sind Chris­ten. Als ich mit 16 Jah­ren zum Glau­ben kam, war vie­les für mich neu. Ja ich wür­de sogar sagen, dass es kein Ele­ment des Glau­bens und des Han­delns als Christ gibt, was ich nicht neu ler­nen muss­te. Ange­fan­gen vom Ver­zicht auf Not­lü­gen bis zur Ände­rung der Aus­drucks­wei­se. Auch wäre es gelo­gen, zu behaup­ten, dass der Pro­zess fer­tig ist. Wenn ich jedoch rück­bli­ckend einen Feh­ler wie­der­holt began­gen habe, dann den, mehr auf erfah­re­ne Brü­der zu hören als auf die Stim­me des Hei­li­gen Geis­tes durch sein Wort. Prin­zi­pi­ell ging ich nach mei­ner Bekeh­rung immer davon aus, dass mich ein Bru­der beleh­ren muss, wie man die Schrift nun kor­rekt zu ver­ste­hen hat. Nun stimmt es, dass Gott Leh­rer ein­ge­setzt hat, aber durch die Gemein­schaft mit Chris­tus in sei­nem Wort, ist jeder Christ in der Lage den voll­kom­me­nen und wun­der­ba­ren Wil­len Got­tes zu erfas­sen und zudem auch die Kraft zu bekom­men, sei­nen Wil­len zu tun.

Ich kam zum Glau­ben in der wahr­schein­lich kon­ser­va­tivs­ten und strengs­ten Gemein­de Deutsch­land. Und damit mei­ne ich nicht nur die Klei­der­fra­ge, son­dern auch Fra­gen wie das Zehn­te zah­len, wöchent­lich fas­ten usw. Obwohl ich vie­les rück­bli­ckend nur belä­cheln kann, stau­ne ich immer noch, wie vie­le dem Chris­ten­tum total wild­frem­de Men­schen hier zum Glau­ben gekom­men sind. Das ist viel­leicht auch die Ursa­che für man­che Radi­ka­li­sie­rung in die­ser Gemein­de gewe­sen. Manch ein Alko­ho­li­ker, der durch sei­nen Alko­hol­kon­sum gro­ßen Scha­den anrich­tet an sei­nen Nächs­ten, bleibt auch als Absti­nenz­ler uner­träg­lich. Oder wie man so sagt: Man kann von zwei Sei­ten vom Pferd fal­len. Immer wie­der habe ich unglaub­lich wahn­sin­ni­ge Radi­ka­li­sie­run­gen von Chris­ten erlebt, die vor ihrer Bekeh­rung ein beson­ders wil­des Leben führ­ten.

Nun soll­te ich noch hin­zu­fü­gen, dass die Gemein­de, die ich damals besuch­te, etwa 35 km von dem Ort ent­fernt war, in dem ich wohn­te. Dies bedeu­te­te immer lan­ge Anfahrts­we­ge. Allei­ne mit die­sem logis­ti­schen Auf­wand ent­stand schon bald die Fra­ge, ob es denn nicht Chris­ten in der Nähe gibt. Irgend­wie war ich damals der fes­ten Über­zeu­gung, dass nur in den Gemein­den der Frie­dens­stim­me ech­te Chris­ten zu fin­den sind. Bis heu­te habe ich die Ursa­chen für die­se Eng­stir­nig­keit nicht her­aus­fin­den kön­nen.

Schon bald ist mir in der Par­al­lel­klas­se jedoch ein Mäd­chen auf­ge­fal­len, die durch ihr Auf­tre­ten zeig­te, dass sie eine Nach­fol­ge­rin Chris­ti ist. Dies hat mich sehr fas­zi­niert, und so platz­te ich bald bei ihr mit der Fra­ge her­aus, wel­che Gemein­de sie den besu­che. Bald dar­auf soll­te ich noch wei­te­re jun­ge Damen ken­nen ler­nen, die alle­samt Besu­cher ver­schie­de­ner Brü­der­ge­mein­den waren. Nun beging ich für die Augen der Gemein­de, die ich damals besuch­te, einen gro­ßen Stil­bruch: ich besuch­te eine sol­che Gemein­de. Das ers­te Mal geschah es, als eine der Damen, sie besuch­te damals die 13. Klas­se, ich war glau­be ich in der 10, hei­ra­te­te, und ich zur Hoch­zeit ein­ge­la­den wur­de. Soweit ich mich noch ent­sin­nen kann, waren dies fran­zö­sisch gepräg­te Brü­der­ge­mein­den. Ich habe damals nicht schlecht gestaunt, über vie­le Par­al­le­len mit mei­ner Hei­mat­ge­mein­de, wie z. B. der Kopf­be­de­ckung. Sit­zen geblie­ben ist mir aber vor allem eine Bege­ben­heit: In der Mit­tags­pau­se, nach wel­cher der nicht zur Orts­ge­mein­de gehö­ren­de Pöbel freund­lich gebe­ten wur­de, zu gehen, hat­te ich die Mög­lich­kei­ten mit eini­gen Brü­dern jener Gemein­de ins Gespräch zu kom­men. Nun frug ich in mei­ner gan­zen Ein­falt, wer denn der Gemein­de­lei­ter der Gemein­de ist. Die Ant­wort folg­te prompt: „Wir haben kei­ne Gemein­de­lei­tung, der Hei­li­ge Geist lei­tet unse­re Gemein­de!“ Obwohl ich heu­te durch­aus der Mei­nung bin, zu ver­ste­hen, wor­auf­hin der Bru­der hin­aus­woll­te, muss ich sagen, habe ich damals mit äußers­ter Bestür­zung reagiert. Ich hof­fe, dass er mein­te, dass der Begriff Gemein­de­lei­tung nur wenig zu den in der Bibel vor­kom­men­den Begrif­fen Ältes­te und Hir­ten passt und unge­eig­net ist, die ver­ant­wort­li­chen Brü­der einer Gemein­de zu zeich­nen. Jedoch brach­te man die­ses Ver­ständ­nis so barsch und ohne Ver­ständ­nis für die gegen­über­lie­gen­de Sei­te vor, dass ich damals nur bestürzt war, wie denn eine Gemein­de funk­tio­nie­ren kann, wo kei­ner vor­an­geht. Ich befürch­te­te dass rei­ne Cha­os oder vie­le unsicht­ba­ren Draht­zie­her, zer­strit­ten im Rän­ke­schmie­den.

Mei­nes Erach­tens ist genau dass ein Pro­blem der Brü­der­ge­mein­den heu­te: Sie sind über­wie­gend nicht in der Lage ihre Posi­tio­nen so dar­zu­stel­len, dass auch ein Frisch­ling im Glau­ben da mit­kom­men kann. Bevor man in eine Brü­der­ge­mein­de kommt (will sagen: kom­men darf), muss man bereits einen gewis­sen Stand erreicht haben. Ich den­ke da auch an das viel­ge­rühm­te Buch Der ver­ges­se­ne Reich­tum von den Auto­ren von Sound­Wor­ds. Ich habe einst eini­ge Sei­ten drin gele­sen und bin über­aus frus­triert über all die vie­len Details, die man zu beach­ten hat, bevor man reif ist, im Dschun­gel des Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus zu bestehen. Nur mal ein wei­te­res Bei­spiel im Arti­kel Ist Todes­stra­fe biblisch auf sel­ber Sei­te: Man kommt als Außen­ste­hen­der ganz schön ins Schwit­zen, wann und wie denn genau wel­cher Bund ein­ge­setzt wer­den soll, und wel­che Ele­men­te des Noahi­schen Bun­des noch gel­ten und wel­che nicht, und wel­che wie­der­um durch Mosai­sche Bun­des­re­geln ergänzt und erwei­tert wur­den. Man muss einen rie­si­gen Über­bau anneh­men, bevor man da durch­schaut.

Im Übri­gen ist mir noch eine Sache auf­ge­fal­len: Mit­glie­der der Brü­der­ge­mein­den kom­men auf einen immer mit offe­nen Armen zu. ich habe mich sel­ten nicht als ein Bru­der auf­ge­nom­men gefühlt. Aber zumeist, eben als der jün­ge­re Bru­der, der das ein oder ande­re noch nicht ver­stan­den. Und hier kom­men wir zu einem ande­ren Pro­blem: Mein Ein­druck ist es, dass in Brü­der­ge­mein­den die Mei­nung vor­herrscht, dass erfah­re­ne Brü­der ein beson­de­res Ver­ständ­nis von der Schrift haben. Wenn also ich nichts von den Geheim­nis­sen der ver­schie­de­nen Bün­de Got­tes ver­ste­he, oder davon, wann der Tag des Herrn nur ein Augen­blick ist und wann gan­ze tau­send Jah­re, dann liegt es aus­schließ­lich dar­an, dass der Herr es mir nicht offen­bart hat. Riecht für mich per­sön­lich all­zu sehr nach Geheim­wis­sen und exklu­si­ven Offen­ba­run­gen.

Spä­ter habe ich immer wie­der eine ande­re Brü­der­ge­mein­de besucht. Ich erin­ne­re mich noch immer an das ers­te Mal, an dem ich an einem rich­ti­gen Got­tes­dienst teil­nahm. Gewöhn­lich haben Brü­der­ge­mein­den jeden Sonn­tag Abend­mahl, was ich per­sön­lich her­vor­ra­gend fin­de. Nur weiß ich bis heu­te nicht, ob es denn so ganz ok war, dass ich dar­an teil­ge­nom­men habe. Natür­lich habe ich die Leu­te um mich als mei­ne Brü­der und Schwes­tern gese­hen, und habe mit­ge­macht. Nur habe ich damals ja gar nichts von Emp­feh­lungs­schrei­ben etc. gewusst. Ermahnt wur­de ich aber noch nie. Seit dem habe ich aber eine gro­ße Ehr­furcht vor der Pie­tät der Brü­der­ge­mein­den, und dass aus ver­schie­de­nen Grün­den:

  1. Zen­tral für die Durch­füh­rung der Got­tes­diens­te ist für eine Brü­der­ge­mein­de Apg 2,42: Sie blie­ben aber bestän­dig in der Apos­tel Leh­re und in der Gemein­schaft und im Brot­bre­chen und im Gebet.
    Ich habe in kei­ner ande­ren Gemein­schaft von Chris­ten oder sol­chen, die sich so nen­nen, erlebt, wie nah man an die­sen Vers kom­men kann. Übli­cher­wei­se gibt es Sonn­tags­mor­gens eine lehr­in­ten­si­ve Pre­digt und zahl­rei­che Gebe­te. Wobei bei einem Gebet beson­ders die Anbe­tung im Mit­tel­punkt steht. Meist ist der Got­tes­dienst zudem in zwei Tei­le auf­ge­teilt. In der Mit­te der bei­den Tei­le ist dann Raum zur Gemein­schaft gege­ben. Die Brü­der und Schwes­tern tre­ten auf­ein­an­der zu und reden mit­ein­an­der: Aber nicht vom nächs­ten Fuß­ball­spiel, son­dern erbau­end, trös­tend und ermun­ternd. Ich habe so etwas noch kein ein­zi­ges mal jemals in einer Gemein­schaft russ­land­deut­scher Chris­ten erlebt. Wie sehr man in einem Got­tes­dienst der Brü­der­ge­mein­den erbaut wird, ist ein­fach unglaub­lich erhe­bend. Mei­ne zutiefs­te Aner­ken­nung. Am fas­zi­nie­rends­ten ist jedoch der Teil kurz vor dem Abend­mahl. Hier darf dann ein jeder Bru­der einen Text­ab­schnitt zu den Lei­den Chris­ti vor­le­sen. Ich stau­ne bis heu­te, aus wel­chen Ver­sen und Abschnit­ten die Brü­der in der Lage sind, Hin­wei­se auf Chris­tus und sein Werk zu fin­den. In die­sen kur­zen Zeug­nis­sen steht nicht Beleh­rung oder Ermah­nung im Zen­trum, son­dern Chris­tus.
  2. Für die Ord­nung in der Gemein­de ist wohl Mat­thä­us 23,8 zen­tral: Aber ihr sollt euch nicht Rab­bi nen­nen las­sen; denn einer ist euer Meis­ter, Chris­tus; ihr aber seid alle Brü­der.
    Oh, ich prei­se jede Gemein­de, die ohne Zwer­gen­paps­tum aus­kommt. Davon sind sicher­lich russ­land­deut­sche Gemein­den ent­fernt. Es wird noch ein Arti­kel fol­gen, in dem ich mich mit russ­land­deut­schen Grau­sam­kei­ten und Ver­dre­hun­gen der Bibli­schen Leh­re aus­ein­an­der­set­zen wer­de, jedoch ist es extrem ver­werf­lich. Im Übri­gen zählt vor allem: Willst du ein Amt beglei­ten, so zeu­ge  aus­rei­chend Kin­der.
  3. Kein Over­load an Show: Kei­ne gro­ßen Bands oder Orches­tren son­dern die Anbe­tung Got­tes und die Pre­digt ste­hen im Mit­tel­punkt. Etwas, wor­auf sich heu­te vie­le Gemein­den beken­nen soll­ten.

Somit: Ich habe tie­fe Erfurcht vor Brü­der­ge­mein­den, aber wie mein vor­her­ge­hen­der Arti­kel zeigt: Deut­lich weni­ger vor Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus. Mein größ­ter Kum­mer liegt dar­in, dass Brü­der­ge­mein­den so unglaub­lich zer­split­tert sind. Oft­mals wegen gering­fü­gi­gen Fra­gen. Auch die­ser Punkt ist für einen Außen­ste­hen­den nur sehr schwer ver­ständ­lich. Und ich habe sicher wenig Moti­va­ti­on ein vier­hun­dert sei­ten lan­ges Werk dar­über zu lesen, war­um denn nun ganz genau Dar­by sich von Mül­ler tren­nen muss­te.

 

16 Kommentare

  1. Sergej Pauli sagt

    Um die­sen Arti­kel nicht zu spren­gen und dadurch völ­lig unle­ser­lich zu machen, will ich in einem wei­te­ren deut­lich sach­li­che­ren Arti­kel die Pro­ble­me auf­zei­gen, die im Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus lie­gen.

    Um jedoch die Span­nung nicht zu über­zie­hen, möch­te ich auf die Kom­men­ta­re im letz­ten Arti­kel ein­ge­hen.

    Zunächst vie­len Dank für die zahl­rei­chen Kom­men­ta­re. Nun die Ant­wor­ten auf die sehr unter­schied­li­chen Kom­men­ta­re:

    @Rudolf Gär­tig und Schütt: Natür­lich habe ich Nor­berth Lieth gemeint. Ich bin Gott dank­bar, dass vie­le ande­re Chris­ten erken­nen, dass Nor­bert Lieth auf dem Holz­weg ist.

    @Vlad: Ich bin schon län­ger dabei, einen Kom­men­tar aus­zu­ar­bei­ten, was Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus und ande­re moder­ne Ide­en dar­aus machen. Gib mir noch etwas Zeit.

    @Julian: Dan­ke für die Kor­rek­tur. Ich geste­he ein, mein Unter­ti­tel war nicht opti­mal gewählt. Ich habe ihn ange­passt. Russ­land­deut­sche Brü­der­ge­mein­den, hmm, gibt es sowas? Es gibt vor allem dis­pen­sa­tio­na­lis­tisch gepräg­te russ­land­deut­sche Gemein­den, die trotz­dem alle Brü­der­ge­mein­den als böse Cal­vi­nis­ten ver­wer­fen.

    @Johann B.: Vie­len Dank für dei­nen sach­li­chen Kom­men­tar. Mein größ­tes Pro­blem ist wie­der die Kom­ple­xi­tät die ent­steht. Ich fin­de man ver­liert die Mög­lich­kei­ten all­zu kom­ple­xe Sys­te­me auf ihre Bibel­treue zu kon­trol­lie­ren. Genau die­se Sor­ge habe ich ver­sucht im Arti­kel wei­ter oben dar­zu­stel­len. Brü­der­ge­mein­den sind aber groß­ar­tig. Die­ne in dei­ner Gemein­de Chris­tus.

    @Peter Voth: Dan­ke, pass nur auf, was ich über mei­ne lie­ben russ­land­deut­schen Brü­der schrei­ben wer­de :-).

    @Bernd: Dan­ke für dei­nen tief­grün­di­gen Kom­men­tar. Es ist inter­es­sant, dass Brü­der selbst nie einen Zusam­men­hang zwi­schen Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus und Cal­vi­nis­mus sehen, dabei ist allein geschicht­lich der Zusam­men­hang gege­ben, da die Grün­dungs­vä­ter wie Mül­ler oder (vor allem) Antho­ny Nor­ris Gro­ves cal­vi­nis­tisch geprägt waren. Es wäre wahr­schein­lich zu auf­wän­dig, hier ins Detail zu gehen. Wie aber habe ich dann den Arti­kel von Fest und Treu zu ver­ste­hen (im übri­gen nur ein Bei­spiel von vie­len): Plä­doy­er für den Cal­vi­nis­mus. Im Übri­gen ist in russ­land­deut­schen Krei­sen schon das Fest­hal­ten an der Heils­si­cher­heit als Cal­vi­nis­mus ver­pönt. Das Übri­ge hat in mei­nem Fall der CLV Ver­lag getan, der vor allem Wer­ke von Spur­ge­on, Piper, MacAr­thur etc. her­aus­gab.

    Bezüg­lich Piper möch­te ich jedoch beto­nen, dass ich nur eini­ge Sei­ten von ihm las. Er ist für mich kei­ne prä­gen­de Per­sön­lich­keit. Beim letz­ten Durch­sor­tie­ren mei­ner Biblio­thek sind Pipers Wer­ke samt denen von Lieth im Papier­korb gelan­det. Im Übri­gen wür­de Piper mich wohl mit sei­ner E-Gitar­re erschla­gen, wenn er wüss­te, dass ich immer noch an der Kopf­be­de­ckung der Frau fest­hal­te ;-).

    @Clemens: Voll­kom­men kor­rekt. Da ich den Unter­ti­tel ange­passt habe, gilt der Vor­wurf der Per­fi­die jedoch nicht mehr.

    @Jochanan: Dan­ke für dei­nen far­ben­fro­hen Kom­men­tar. Bit­te beach­te jedoch, dass ich in kei­ner Zei­le von Gemein­de ver­las­sen gere­det habe. Im Übri­gen wer­de ich an dem Got­tes­dienst, der an den Tag folgt, an dem ich für mei­ne Arti­kel hier aus­ge­schlos­sen wer­den soll­te, wie­der mei­ne Gemein­de besu­chen. Man soll­te in sei­ner Gemein­de blei­ben, so lan­ge es geht. Jedoch soll­te man Chris­tus treu blei­ben und nicht Augen vor Din­gen ver­schlie­ßen, die schief gehen.

    @Günter und Schütt. Dan­ke für die aus­führ­li­chen Kom­men­ta­re. Lei­der habe ich etwas Mühe den Details der Aus­füh­run­gen zu fol­gen.

  2. Maria sagt

    Sehr inter­es­sant die bei­den Arti­kel. Aber mir geht es ähn­lich wie Jochan­an. Er schreibt ja nicht, dass man sei­ne Gemein­de ver­las­sen muss. Wenn man jedoch fest­stellt, dass man falsch gegan­gen ist, soll­te man etwas ändern. Dann kann man z.B. nicht mehr in sei­ner katho­li­schen Gemein­de blei­ben. Schaut man sich um und sucht eine bibel­treue Gemein­de, dann stellt sich die Fra­ge, wohin kann man denn ? Wenn man ein­mal oder mehr­mals falsch war, geht man nicht mehr um jeden Preis in eine Gemein­de. Das, was man aber erken­nen muss, dass jede Gemein­de anders glaubt. Ich drü­cke es mal etwas salopp aus.

    Gera­de zum The­ma Cal­vi­nis­mus und Hyper­cal­vi­nus­mus wur­de ich die letz­ten Tage auf­grund eines Buches von Spur­ge­on „Erwählt vor Grund­le­gung der Welt“ mas­siv ange­gan­gen. Wenn so etwas inner­halb der Gemein­de pas­siert, kommt es immer zu Ver­let­zun­gen (Erfah­rung) und irgend­wann geht es nur noch um irgend­wel­che theo­lo­gi­schen Strei­te­rei­en und nicht mehr um Jesus.

    Ich höre mir aus der Fer­ne jetzt jeden Sonn­tag den Got­tes­dienst von Pas­tor Lat­zel an. Sei­ne Pre­dig­ten sind bibel­treu und auf­bau­end. Es ist kei­ne idea­le Lösung, aber ich den­ke, dass die Zei­ten unter Umstän­den sogar noch wesent­lich schlim­mer wer­den und man dann nur dar­auf ver­trau­en kann: „Denn wo zwei oder drei ver­sam­melt sind in mei­nem Namen, da bin ich mit­ten unter ihnen.“ Mt18,20

  3. Vlad sagt

    War­um fest­hal­ten an der Kopf­be­de­ckung?

  4. Sergej Pauli sagt

    @Vlad: Gegen­fra­ge: War­um nicht? Bin mir nicht sicher ob wir da nicht zu sehr ins Detail abwei­chen, aber bei Bedarf kann ich auch zu die­ser Fra­ge einen län­ge­ren Arti­kel ver­öf­fent­li­chen

  5. Vlad sagt

    Wäre gut!
    Ins­ge­samt ist es jedoch wich­ti­ger Jesus den gekreuz­ten zu ver­kün­di­gen, die Bot­schaft der Gna­de wel­che selbst klei­ne Kin­der ver­ste­hen kön­nen, ein­fach das rei­ne Evan­ge­li­um. Ich habe den Ein­druck (in mei­nem Freun­des­kreis) das man heu­te ver­stärkt online Pre­dig­ten anhört und immer weni­ger sich selbst mit dem leben­di­gen Wort befasst und somit oft hin und her geris­sen ist von einer Mei­nung zur nächs­ten. Man muss sich mehr dem per­sön­li­chen Bibel­stu­di­um wid­men.

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  7. Hal­lo Ser­gej,
    zunächst herz­li­chen Dank für Dei­ne Anre­gun­gen.
    Der Unter­ti­tel hat mich aller­dings etwas zum Schmun­zeln gebracht. Du beschreibst in Dei­nem Arti­kel, dass Du zwei Brü­der­ge­mein­den ken­nen­ge­lernt hast. Lass es mich etwas iro­nisch aus­drü­cken: Damit hast Du noch nicht mal an der Ober­flä­che gekratzt.… ;-).
    Ich möch­te ver­su­chen, mich deut­li­cher aus­zu­drü­cken.
    Ich glau­be, dass ich die „Brü­der­ge­mein­den“ zumin­dest etwas ken­ne, um sagen zu kön­nen, dass es die Defi­ni­ti­on für eine sol­che Gemein­de nicht gibt. War­um behaup­te ich das?
    Nun, ich bin in einer BG (Brü­der­ge­mein­de) zum Glau­ben gekom­men und gehö­re nun­mehr seit 1999 dazu, seit eini­gen Jah­ren auch zum Lei­tungs­kreis.

    Fort­set­zung folgt.…

  8. 1.) Es gibt unter­schied­li­che Rich­tun­gen
     — Exclu­si­ve Ver­samm­lun­gen (AV = Alte Ver­samm­lung), ala John Nel­son Dar­by, etc.
     — Offe­ne Brü­der­ge­mein­den (vor­nehm­lich im BEFG = Bund Evan­ge­lisch Freik. Gemein­den), ala Georg Mül­ler
     — Freie Brü­der­ge­mein­den (frei des­halb, weil sie zu kei­nem Bund gehö­ren, sie sind meist als e.V. geführt, oder in Sam­mel­ver­ei­nen)
     — Block­freie Brü­der­ge­mein­den (ehe­ma­li­ge AV‚s oder auch Neu­grün­dun­gen, die von ehe­ma­li­gen AV‚lern gegrün­det wur­den)

  9. 2.) Die unter­schied­li­chen Rich­tun­gen sind inner­halb noch­mals unter­schied­lich
     — Dies gilt beson­ders für die Frei­en Brü­der­ge­mein­den, offe­nen BG‚s und block­frei­en Gemein­den
     — Das bedeu­tet, eine Freie BG in Ort A kann eine ande­re geist­li­che Aus­rich­tung haben als im NAch­bar­ort B
     — Kon­kret: Die Gemein­de A hat eine cal­vi­nis­ti­sche Prä­gung, die Gemein­de B eine armi­nia­ni­sche
     — usw.
     — Fer­ner kann man nicht sagen, die BG‚s im BEFG wären libe­ra­ler als die, wel­che nicht dazu gehö­ren.
    Aus mei­ner Erfah­rung weiß ich, dass manch­mal die BG kon­ser­va­ti­ver sein kann, wel­che man äußer­lich für libe­ra­ler hält (weil sie im BEFG ist), als eine freie BG.

  10. - Die Erklä­rung hier­für ist die:
    Die BG‚s beto­nen außer­or­dent­lich die Auto­ri­tät der Orts­ge­mein­de. Das heißt, es besteht kei­ne Chan­ce, in irgend­ei­ner Wei­se von Außen hin­ein­zu­wir­ken (außer bei den Alten Ver­samm­lun­gen).
    Jede Gemein­de hat unter­schied­li­che Lei­ter. Wie die Gemein­de geist­lich aus­ge­rich­tet ist, hängt von der geist­li­chen Posi­ti­on der lei­ten­den Brü­der ab. Das ist eine logi­sche Schluss­fol­ge­rung.

  11. 3.) Die Pra­xis in den Gemein­den ist unter­schied­lich, wenn auch auf einem Ansatz basie­rend
     — Es gibt unter­schied­li­che Bezeich­nun­gen für die Lei­tung: Brü­der­stun­de; Lei­tungs­kreis; Ältes­ten­kreis,; Hir­ten; etc.
    Manch­mal ist die Bezeich­nung auch inhalt­lich unter­schied­lich.
     — Es gibt bei man­chen das wöchent­li­che Brot­bre­chen, bei ande­ren nicht
     — Bei man­chen wird die Pre­digt als Zen­trum des Got­tes­dien­tes gese­hen, bei ande­ren wird sie als BEstand­teil des Got­tes­die­ne­tes gese­hen, neben Musik-Band, etc.…
     — In man­chen Gemein­den hörst du jede Woche 55 Minu­ten Pre­dig­ten, in ande­ren 25 Minu­ten Pre­dig­ten
     — Man­che BG haben Ange­stell­te Mit­ar­bei­ter, man­che nicht
     — usw. (die Lis­te könn­te man noch wesent­lich erwei­tern)

  12. 4.) Vor­tei­le einer BG
     — all­ge­mei­nes Pries­ter­tum wird hoch­ge­hal­ten (lei­der oft nur theo­re­tisch)
     — Orts­ge­mein­de ist unab­hän­gig von Dach­ver­bän­den
     — Anbe­tung und Pre­digt ste­hen im Mit­tel­punkt
    5.) Nach­tei­le einer BG
     — Oft Tra­di­tio­nen, wel­che nicht mit der Schrift kon­form sind
     — Das all­ge­mei­ne Pries­ter­tum wird brü­der­li­cher­seits sehr oft mit „all­ge­mei­nes Red­ner­tum“ ver­wech­selt; will hei­ßen: Alles, was männ­lich ist, muss auf die Kan­zel!!! Egal ob Beru­fung und Bega­bung vor­lie­gen (das macht mir mit am meis­ten Bauch­schmer­zen)
     — Teil­wei­se anti­quier­tes Den­ken, was Abson­de­rung angeht (Man son­dert sich nicht nur vom Sys­tem Welt ab, son­dern auch von den Men­schen – und erreicht sie nicht mehr mit dem Evan­ge­li­um)

  13. Zusam­men­fas­sung:
    Die Brü­der­ge­mein­de per Defi­ni­ti­on gibt es nicht. Jede Gemein­de ist unter­schied­lich, nicht nur in ihrer Rich­tung (BEFG, Frei, Block­frei, offen). Bei vie­len stim­men die gro­ßen Grund­sät­ze über­ein, doch in der Gemein­de­pra­xis gibt es ein gro­ßes Far­ben­spiel. Man ist geneigt zu sagen: Brü­der­ge­mein­de! Ach das sind doch die und die.….
    Beim nähe­ren Hin­se­hen erkennt man gro­ße Unter­schie­de. 😉

  14. Schütt sagt

    @Maria: Danke,ich kann mich eher hier anschlie­ßen. Der HERR sorgt eben für beson­de­re Zei­ten auch mit den gege­be­nen Mit­teln (Zeit = Epo­che ‚Lao­di­zäa‘ / Mit­tel = WWW) 😉 Wenn man wie wir z. B. schon mal kein Auto hat, wären selbst 35 km zur nächs­ten BG unüber­wind­bar zu errei­chen.

    Ser­gej, ich den­ke, man soll­te auch in Bezug auf Orts­ge­mein­de die Bibel nicht stran­gu­lie­ren. Zen­tral ist immer noch Mt18,20 und das reicht für heu­ti­ge Zei­ten völ­lig aus. Ver­glei­che doch auch mal mit den Zei­ten Eli­as, als er ganz allein und ande­re Pro­phe­ten in Höh­len ver­steckt waren (die er wie­der­um nicht per­sön­lich kann­te). Oder die Tage Maleachis (Kap 3), wo sich nur noch weni­ge über­haupt ver­sam­mel­ten, „die den HERRN fürch­te­ten“. Wir leben in den Tagen am ENDE (!!) der Gemein­de­zeit, nicht an ihrem Beginn. Das habe ich auch mühe­voll ler­nen müs­sen, aber ich ver­traue Jesus, dass er alle Sei­ne Scha­fe — jedes an sei­nem Ort und in sei­ner Umge­bung — wun­der­bar bewahrt und an das ewi­ge Ziel führt. Und zwar schon SEHR BALD!

    Strei­ten wir uns doch nicht über die Beschaf­fen­heit irdi­scher „Kon­struk­te“ einer Orts­ge­mein­de, wenn wir uns bewusst wer­den, dass wir schon bald die Ewig­keit mit dem HERRN selbst zusam­men ver­brin­gen wer­den! Wenn Du eine OG hast, in der Du so die­nen kannst, wie Du es Dir vor­stellst, ist doch pri­ma. Ande­re die­nen halt anders und anders­wo. Unser LEBEN (!!) soll ein Got­tes­dienst sein, (Römer 12,1) das heißt 247 rund um die Uhr, nicht sonn­tags, nicht halb­tags und nicht als „Pri­vat­ver­gnü­gen“ nach der Lohn­ar­beit im Betrieb. Gemein­de ist für mich „Gemein­de Got­tes“, nicht mehr und nicht weni­ger. Und der HERR sieht immer noch das Herz an — und kei­ne Äußer­lich­kei­ten, Per­so­nen oder Struk­tu­ren. Er seg­ne Dich, auf bald — Mara­natha!

  15. Sergej Pauli sagt

    @T. Lan­ge,

    dan­ke für die aus­führ­li­che und kor­rek­te Dar­stel­lung.

    Zu mei­ner Ver­tei­di­gung kann ich sagen, dass es immer­hin sechs ver­schie­de­ne Ver­samm­lun­gen waren, du hast aber recht, dass es aus dem Text oben nicht deut­lich wird. Recht hast du jedoch, dass es die eine Defi­ni­ti­on von Brü­der­ge­mein­de nicht giebt. Oben habe ich die etwas kon­ser­va­ti­ven Brü­der­ge­mein­den dar­ge­stellt, und auf eini­ge Pro­ble­me hin­ge­wie­sen, die mir per­sön­lich auf­ge­fal­len sind, bes­ser: die es mir schwer machen wür­den, in so einer Gemein­de zurecht zu kom­men. Womög­lich aber, bin ich ein­fach zu anti­qua­risch und zu wenig inte­griert 😀

  16. Schütt sagt

    @T. Lan­ge — Einen sol­chen (ver­meint­li­chen) AV-„Bruder“ haben wir kürz­lich getrof­fen: Er bezeug­te uns, außer­halb sei­ner Ver­samm­lung nie­mals mit ande­ren — z. B. russ­land­deut­schen! — Brü­dern das Brot zu bre­chen, auch wenn sie (nach sei­nem Dafür­hal­ten) wie­der­ge­bo­ren sei­en und er sich ger­ne mal dort eine Pre­digt anhö­re, wenn er auf Rei­sen sei. Denn die­se gin­gen ja nicht wie er „den Weg der Ver­samm­lung“. — Jetzt kann ich mir per­sön­lich schon viel bes­ser vor­stel­len, wel­cher Art die Pha­ri­sä­er zur Zeit Jesu waren, zu denen Er u. a. in Johan­nes 5 rede­te! Dan­ke, aber ein sol­cher ist mein Bru­der sicher nicht. Denn er hat vom Kapi­tel 14 des Römer­brie­fes (V, 3, 10, 15 eben­so wie Römer 15,7) anschei­nend nie­mals gehört, auch nicht, dass Jesus Chris­tus ALLEIN „der Weg“ ist und nicht mensch­li­che Tra­di­ti­on und Gesetz­lich­keit, die man­che dar­aus abge­lei­tet und über Sein Wort gestellt haben. Da ist KEINE Lie­be zu den Brü­dern, die nicht die­se höchs­te AV-Erkennt­nis haben, nir­gends. Sehr bedau­er­lich.

    Also hebt ihr mit eurer Über­lie­fe­rung, die ihr wei­ter­ge­ge­ben habt, das Wort Got­tes auf; und der­glei­chen tut ihr viel. (Mar­kus 7,13)

    Wenn jemand sagt: Ich lie­be Gott, und sei­nen Bru­der doch hasst, so ist er ein Lüg­ner; denn wer sei­nen Bru­der nicht liebt, den er sieht, der kann Gott nicht lie­ben, den er nicht sieht! (1. Joh 4,20)

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