Biblische Lehre
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Tim Kelly: Auserwählt und eins gemacht

Die Leh­ren der Gna­de als Heil­mit­tel gegen Spaltung

Tim Kel­ly, Vater von vier Kin­dern, ist Gemein­de­grün­der und Pas­tor der „Frei­en Evan­ge­li­schen Bibel­ge­mein­de Mei­ne“ bei Braun­schweig. Sei­ne theo­lo­gi­sche und aka­de­mi­sche Aus­bil­dung hat er am Moo­dy Bible Insti­tu­te in Chi­ca­go und am Wheaton Col­le­ge in Illio­nis jeweils mit einem B.A. absolviert.

Das ist wohl das außer­ge­wöhn­lichs­te Buch, das je zu die­sem The­ma ver­fasst wor­den ist. Tim Kel­ly fängt mit ein paar her­me­neu­ti­schen Regeln an und wen­det anschlie­ßend die­se auf etli­che Bücher der Bibel wie z.B. Römer, Korin­ther, Ephe­ser an. Dem Bibel­text wird in sei­ner Funk­ti­on als dem „zwei­schnei­di­gen Schwert“ Rech­nung getra­gen. Er wird weder „gebo­gen“, so dass es passt, noch wird etwas „hin­ein­ge­le­sen“.

Sehr inter­es­sant und auf­schluss­reich ist die Ein­lei­tung vor der Aus­le­gung. Der Autor spricht das The­ma der „Trenn­wand der Feind­schaft“ zwi­schen Juden und Hei­den an. Oft wird behaup­tet Apos­tel Pau­lus hät­te den Römer­brief geschrie­ben mit der Absicht der Gemein­de in Rom eine umfas­sen­de Leh­re der Recht­fer­ti­gung zu geben. Doch liest man den Römer­brief mit dem Hin­ter­ge­dan­ken, dass es der Zweck die­ses Brie­fes war, die­se „Trenn­wand der Feind­schaft“ zwi­schen Juden und Hei­den in der Gemein­de in Rom abzu­schaf­fen und sie zu ver­ei­nen, dann erscheint einem der sonst so kom­pli­zier­te Gedan­ken­gang und die Argu­men­ta­ti­on des Pau­lus auf ein­mal sehr logisch und nicht schwer.

„[…] In ihrem Eifer, den Römer­brief auf unse­re heu­ti­ge Welt anzu­wen­den, haben vie­le Chris­ten über­se­hen, zu wel­chem Zweck Pau­lus ihn schrieb. Damit haben sie den geschicht­li­chen Zusam­men­hang miss­ach­tet, der zeigt, wie wun­der­bar und von welch prak­ti­scher Bedeu­tung die Erwäh­lung, Vor­her­be­stim­mung und Beru­fung durch Gott sind. Wir benut­zen Römer 1 – 3, um Sün­der zu über­zeu­gen, dass jeder gesün­digt hat und den Tod ver­dient. Wir benut­zen Römer 4 – 5, um unse­ren katho­li­schen Freun­den zu bewei­sen, dass wir allein durch den Glau­ben und nicht durch Geset­zes­wer­ke geret­tet wer­den. Jede zeit­ge­nös­si­sche theo­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Hei­li­gung benutzt die Tei­le von Römer 6 – 8 als Argu­ment. Kapi­tel 10 wird benutzt, um Chris­ten zu ermu­ti­gen, ihren Glau­ben zu bezeu­gen. Kapi­tel 12 – 16 benutzt man, um zu einem christ­li­chen Lebens­stil zu ermu­ti­gen. Aber Kapi­tel 9 und 11 mei­det man wie die Pest. War­um? Weil Chris­ten dar­in ver­sagt haben, den Römer­brief als Gan­zes zu sehen. […]“

Aus die­sem Hin­ter­grund her­aus zeigt Tim Kel­ly, dass die Leh­ren der Aus­er­wäh­lung frü­her von den Apos­teln (nicht nur von Pau­lus) als „Heil­mit­tel gegen Spal­tung“ ver­wen­det wur­den. Denn letzt­end­lich demü­tigt uns die Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re und lässt uns in stil­ler Anbe­tung per­sön­lich fra­gen: „Herr, war­um ich?“

Im zwei­ten Teil des Buches geht Tim Kel­ly auf ein paar Bibel­stel­len ein, die der Leh­re der Aus­er­wäh­lung zu wider­spre­chen schei­nen. Er legt die­se eben­falls unter Beach­tung der her­me­neu­ti­schen Regeln aus. Eini­ge die­ser Bibel­stel­len spre­chen beim genau­en Hin­se­hen sogar für die Auserwählungslehre.

Zusam­men­fas­send lässt sich sagen, dass es ein sehr gelun­ge­nes und gutes Buch ist, das ich jedem auf­rich­tig suchen­den Christ vor­be­halt­los emp­feh­len würde.

„[…] Die­ses Buch rich­tet sich an die­je­ni­gen, die nicht erkannt haben, welch wun­der­ba­re Rol­le der Vater bei unse­rer Erret­tung inne­hat. Es rich­tet sich auch an die, die Pro­ble­me damit haben, Stel­len wir 1Tim 2,4 und 2Petr 3,9 mit Got­tes sou­ve­rä­ner Erwäh­lung und Vor­her­be­stim­mung auf einen gemein­sa­men Nen­ner zu brin­gen. Wir wer­den betrach­ten, wie die­se Stel­len von den Ver­fas­sern der Schrift benutzt wer­den und fest­stel­len, dass sie ein­an­der kei­nes­wegs wider­spre­chen. Die­ses Buch ver­sucht auf­zu­zei­gen, wie schön und von wel­cher prak­ti­scher Bedeu­tung die Leh­ren der Erwäh­lung, Vor­her­be­stim­mung und Beru­fung sind. Dazu möch­te ich auf­zei­gen, wie die Apos­tel Pau­lus und Johan­nes die­se Leh­ren benut­zen, um die theo­lo­gi­sche Grund­la­ge für wah­re christ­li­che Ein­heit zu legen. […]“

 

Titel: Aus­er­wählt und eins gemacht — Die Leh­ren der Gna­de als Heil­mit­tel gegen Spaltung
Autor: Tim Kelly
Sei­ten: 224
For­mat: 13,5 x 20,5 cm
Ein­band: Paperback
Jahr: 2006
Ver­lag: Beta­ni­en Verlag
Preis: 5,90 EUR
erhält­lich bei: cbuch.de

 

 

Autor:

Ver­lag: Betanien

Preis: 12,50 Euro

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