Erbauliches, Erzählungen, Kinderliteratur
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Auf Fels gebaut 5: Roberts Rache

Lieblingsgeschichte von Joel R. Beeke

Bild­quelle: Betanien Verlag

Bild­quelle: Beta­ni­en Ver­lag

Lieb­lings­ge­schich­ten — wer hat sie nicht? Ich habe Joel R. Bee­ke gefragt, was sei­ne Lieb­lings­ge­schich­te in den Büchern Auf Fels gebaut ist. Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Beta­ni­en Ver­la­ges ver­öf­fent­li­chen wir hier die Geschich­te Roberts Rache aus Band 5: Wie Gott zur Ret­tung einen Hund schick­te. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu dem Buch fin­dest Du am Ende der Geschich­te.


Robert hör­te, wie sei­ne Leh­re­rin den Lern­vers der Woche vor­las und eine Fra­ge dazu stell­te: »›Wenn nun dein Feind Hun­ger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, so gib ihm zu trin­ken! Denn wenn du das tust, wirst du glü­hen­de Koh­len auf sei­nen Kopf sam­meln.‹ Die­ser Text steht in Römer 12,20. Kann mir jemand sagen, was das bedeu­tet?«
Bevor über­haupt jemand die Hand heben konn­te, um zu ant­wor­ten, ball­te Robert die Faust und zisch­te: »Nein!«
»Ent­schul­di­ge, Robert«, sag­te Mrs. Burns, »Ver­stehst du den Text nicht?«
»Doch, ich ver­ste­he ihn«, ant­wor­te­te er hit­zig, »aber was da steht, wer­de ich nie­mals tun!«
»Komm doch nach der Stun­de ein­mal zu mir, Robert. Viel­leicht kannst du mir dann erklä­ren, war­um du so ärger­lich bist.«Für den Rest der Stun­de saß Robert nur noch mür­risch her­um. Nach dem Unter­richt war­te­te er auf Mrs. Burns. Als alle ande­ren gegan­gen waren, rief Mrs. Burns Robert zu ihrem Pult und sag­te: »Nun, Robert, erklä­re mir bit­te, war­um du dich eben in unse­rem Bibelun­ter­richt so benom­men hast.«
»Was in dem Vers steht, ist ein­fach nicht fair!«, brach es aus Robert her­aus. »Wenn Sie so einen Feind hät­ten wie ich, dann wären Sie auch nicht nett zu ihm. Sie wür­den ihn lie­ber ver­hun­gern las­sen!«
»Aber Robert!«, rief Mrs. Burns ent­setzt. »Wie kannst du nur so etwas sagen? Was ist nur gesche­hen, das dich so ver­bit­tert hat?«
Robert koch­te vor Wut, als er Mrs. Burns dar­auf­hin sei­ne Geschich­te erzähl­te: »Peter wohnt im sel­ben Haus wie ich. Er ist immer gemein zu mir. Ges­tern zum Bei­spiel kam ich gera­de von der Schu­le nach Hau­se, da rief er mir vom Fens­ter im vier­ten Stock aus zu. Er hat­te mei­ne Lieb­lings­kat­ze Jes­sie in der Hand und droh­te mir, sie run­ter zu wer­fen. Ich schrie: ›Nein! Bit­te tu Jes­sie nicht weh!‹ Aber er lach­te nur und warf sie trotz­dem run­ter.« Hier ver­sag­te Robert die Stim­me und er fing an zu schluch­zen. Mrs. Burns leg­te ihren Arm um sei­ne zit­tern­den Schul­tern.
»Hat sich Jes­sie denn dabei schlimm ver­letzt?«, frag­te sie.
»Ach, Mrs. Burns«, sag­te er unter Trä­nen, »ich hob sie auf und leg­te sie in mein Bett. Ich schlief auf dem Fuß­bo­den und sah die gan­ze Nacht immer wie­der nach ihr. Aber am Mor­gen war Jes­sie tot! Bevor ich heu­te früh zur Schu­le ging, muss­te ich noch einen Ort suchen, an dem ich sie begra­ben konn­te.«
»O Robert!« Mrs. Burns ver­such­te ihn zu trös­ten. »Peter hat etwas sehr Böses getan; aber unser Text für die­se Woche sagt …«
»Nie­mals!« unter­brach Robert sie. »Nie­mals wür­de ich ihm hel­fen! Und wenn ich so lan­ge war­ten müss­te, bis ich erwach­sen bin, ich wer­de es ihm heim­zah­len!« Noch bevor Mrs. Burns ver­su­chen konn­te, ver­nünf­tig mit Robert zu reden, rann­te er aus dem Raum.

Als er nach drau­ßen lief, muss­te er fest­stel­len, dass es reg­ne­te und ein eisi­ger Wind weh­te. Er ent­schloss sich, nach Hau­se zu gehen, obwohl sei­ne Eltern noch nicht von der Arbeit zurück sein wür­den. Er betrat das Wohn­haus und ging an der Tür vor­bei, hin­ter der Peter und sein Vater wohn­ten. Peter war allein zu Hau­se, und sei­ne Tür stand einen Spalt weit offen. Als Robert vor­bei­ging, rief Peter spöt­tisch: »Miau! Miau!«
Robert wur­de rot vor Wut. Er hielt sich die Ohren zu und rann­te in sei­ne Woh­nung. Dann ging er in sein Zim­mer, warf sich auf sein Bett und mur­mel­te: »Und so einem sol­len wir zu essen geben, wenn er Hun­ger hat? Nie­mals!« An die­sem Abend schlief Robert vol­ler hass­erfüll­ter Gedan­ken auf Peter ein.

Als Robert am nächs­ten Mor­gen auf dem Weg zur Schu­le an Peters Tür vor­bei eil­te, hör­te er jeman­den wei­nen. Er stopp­te und näher­te sich neu­gie­rig der Tür. Sie stand einen Spalt weit offen; also schau­te er hin­ein. Dort lag Peter auf sei­nem Bett mit roten Wan­gen und glüh­te vor Fie­ber. »Ach, Robert«, stöhn­te er, als er ihn im Flur ste­hen sah, »bit­te ruf die Ver­mie­te­rin. Mein Vater ist fort, und ich füh­le mich schreck­lich. Ich brau­che Hil­fe!«
»Wirk­lich? Du fühlst dich schreck­lich? Das ist fein! Ich freue mich, das zu hören!« Robert schnitt Peter eine Frat­ze und ging. Dabei schloss er Peters Tür fest zu, damit nie­mand hören konn­te, wenn er um Hil­fe rief. Robert rann­te schnell zur Schu­le und pfiff dabei fröh­lich. Er hoff­te, dass Peter lan­ge krank sein wür­de.
Robert war den gan­zen Tag bes­ser gelaunt als sonst. Es mach­te ihm nicht ein­mal etwas aus, dass er nach der Schu­le im Regen Zei­tun­gen aus­tra­gen muss­te. Er beeil­te sich, alle sei­ne Zei­tun­gen schnell in den Stra­ßen sei­nes Bezirks zu ver­tei­len, damit er schnell nach Hau­se konn­te, und er hoff­te, dass Peter immer noch krank war. Als er aber an Peters Tür vor­bei­ging, sah Robert, dass dort Licht brann­te und Mrs. Clark, die Ver­mie­te­rin, bei ihm war. Sie sag­te: »Nun trink dies doch, Peter; viel­leicht kannst du dann für eine Wei­le schla­fen. Ich muss jetzt zurück an die Arbeit, sonst wird das Abend­essen nicht recht­zei­tig fer­tig sein.«
Robert ärger­te es zu sehen, dass jemand Peter half. Er war­te­te aber ab, bis Mrs. Clark in die Küche zurück­ging, und betrat Peters Zim­mer. Robert lehn­te sich gegen den Tür­rah­men und frag­te: »Na, wie geht’s? Macht es Spaß, krank zu sein?« Robert ver­such­te, gemein zu klin­gen, aber Peter war zu krank, um das zu mer­ken. »Ach, Robert!«, stöhn­te er. »Ich habe so schlim­me Schmer­zen, und mir tut der Kopf so weh. Es ist, als ob ich glü­hen­de Koh­len auf dem Kopf hät­te.« Als er die Wor­te »glü­hen­de Koh­len« hör­te, wur­de Robert blass vor Schreck und dann rot vor Wut. Er erinn­te sich an den Lern­vers Römer 12,20, den Mrs. Burns in der Schu­le durch­ge­nom­men hat­te und der so endet: »…wenn du das tust, wirst du glü­hen­de Koh­len auf sei­nen Kopf sam­meln.« Ohne ein wei­te­res Wort zu sagen, rann­te Robert zurück in sei­ne Woh­nung.
An die­sem Abend ging Robert wie gewöhn­lich zu Bett, konn­te aber nicht ein­schla­fen. Immer wie­der kamen ihm die Wor­te des Bibel­ver­ses in den Sinn: »Glü­hen­de Koh­len; glü­hen­de Koh­len; glü­hen­de Koh­len.« Wohin er auch sah, über­all schie­nen ihm die­se Wor­te vor Augen zu ste­hen. Er konn­te hören, wie die Stun­den ver­gin­gen; die Uhr im Kirch­turm schlug eins. Schließ­lich sag­te er laut: »Gut, ich wer­de es tun! Ich wer­de es tun!« Es kam ihm vor, als sprä­che er zu einem unsicht­ba­ren Feind.

Sofort danach schlief Robert ein, aber am nächs­ten Mor­gen erin­ner­te er sich an sein Ver­spre­chen. Als er an Peters Tür vor­bei­kam, sah er jedoch, dass Peters Vater bei ihm war. »Gut«, dach­te er. »Dann muss ich mich jetzt nicht um ihn küm­mern.« Mit die­ser Ent­schul­di­gung setz­te Robert sei­nen Weg zur Schu­le fort. Aber an die­sem Tag schien alles schief­zu­ge­hen. Er konn­te sich nicht auf sei­ne Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren. Nach der Schu­le eil­te Robert schnur­stracks nach Hau­se in sein Zim­mer. Er muss­te immer noch an das Ver­spre­chen den­ken, das er abge­legt hat­te. Schließ­lich ent­schied er sich, es ein­zu­hal­ten. Er woll­te heu­te Nacht nicht wie­der wach lie­gen.
Peters Tür stand wie­der etwas offen, als Robert her­un­ter­ging. Peter lag mit dem Gesicht zur Wand. Robert ging zum Bett und frag­te in einem schar­fen Ton­fall: »He, Peter, brauchst du etwas?« Wie sehr hass­te er es, zu Peter auch nur zu reden! Aber er war ent­schlos­sen, sein Ver­spre­chen zu hal­ten.
»Ich bin so durs­tig. Sie haben ver­ges­sen, mir etwas Was­ser zu brin­gen.« Peters Stim­me klang sehr schwach.
»Gib ihm zu trin­ken!«, mur­mel­te Robert, als er ein Glas Was­ser hol­te und es Peter gab. Dann frag­te er wider­wil­lig: »Hast du Hun­ger?«
Peters Ant­wort bestand in einem schreck­li­chen Stöh­nen. Nun hat­te Robert ein Pro­blem. Wie konn­te er den zwei­ten Teil des Bibel­tex­tes ein­hal­ten? Er ver­ließ das Zim­mer, ging schnell zu einem Obst­händ­ler in der Nähe und frag­te ihn: »Sir, haben Sie Arbeit, die ich für Sie tun könn­te?«
»Nun, lass mich schau­en. Ja, hier ist ein Obst­korb, der an die­se Adres­se aus­ge­lie­fert wer­den muss.«
»Dan­ke, Sir.« Robert nahm den Korb, lie­fer­te ihn aus und war bald zurück. Er bekam nicht viel Geld dafür, aber er kauf­te davon eine gro­ße, saf­ti­ge Oran­ge. Dann kehr­te Robert in Peters Woh­nung zurück, teil­te die Oran­ge in klei­ne Stü­cke und half Peter, sich auf­zu­set­zen, um sie zu essen. Peters dank­ba­rer Gesichts­aus­druck war Robert unan­ge­nehm. Aber er erin­ner­te sich rasch, dass er Peter nur des­halb zu essen gab, weil er es muss­te. Als Peter die Oran­ge auf­ge­ges­sen hat­te, sprang Robert auf, um zu gehen, und sag­te: »So! Ich habe dir zu essen und zu trin­ken gege­ben. Damit habe ich mei­ne Pflicht getan!«
Als Robert gera­de gehen woll­te, rief Peter: »Bit­te geh noch nicht. Ich füh­le mich sehr ein­sam, wenn nie­mand hier ist.«
»Kommt nicht in Fra­ge! Das steht nicht in dem Bibel­vers«, sag­te Robert, ging see­len­ru­hig weg und ließ Peter ver­dutzt für die Nacht allein zurück. Aber Robert erle­dig­te wei­ter­hin klei­ne Hilfs­jobs beim Obst­händ­ler. An vie­len Aben­den brach­te er Peter zu essen und zu trin­ken, aber nur weil er mein­te, es tun zu müs­sen.
Dann aber, als Robert eines Abends wie üblich kam, frag­te Peter ihn plötz­lich: »Robert, denkst du, dass ich jemals wie­der gesund wer­de?«
»Ich weiß nicht. War­um fragst du so was?«
»Papa hat­te den Arzt geru­fen, aber nach­dem der mich unter­sucht hat­te, schüt­tel­te er nur den Kopf. Ich glau­be, ich muss ster­ben. Ach, Robert! Ich habe sol­che Angst! Und bevor ich ster­be, möch­te ich dir sagen: Es tut mir leid, was ich dei­ner Kat­ze ange­tan habe.« Peter begann zu schluch­zen und auch der Eis­pan­zer um Roberts Herz schmolz.
»Ach Peter, das ist okay. Jes­sie war schon ziem­lich alt und wäre wahr­schein­lich sowie­so bald gestor­ben. Mach dir des­we­gen kei­ne Sor­gen. Aber ich hof­fe, du wirst nicht ster­ben! Ich wer­de so viel für dich sor­gen wie mög­lich, Peter!«

An jenem Abend knie­te Robert neben sei­nem Bett nie­der. Er sah ein, dass die Bibel Recht hat­te. Er durf­te nicht ver­su­chen, sich zu rächen. Jetzt konn­te er für Peter beten, dass er gesund wird. »O Herr«, bete­te er, »bit­te hilf mir, immer zu tun, was die Bibel sagt – aber hilf mir, es nicht nur stumpf­sin­nig abzu­ar­bei­ten, son­dern es von Her­zen zu tun! Bit­te mach Peter wie­der gesund und schen­ke uns bei­den ein neu­es Herz.«
Wie sehr war Robert dank­bar zu sehen, dass der Herr sein Gebet erhör­te! Drei Wochen spä­ter half er Peter, der noch schwach auf den Bei­nen war, an einem war­men Früh­lings­tag spa­zie­ren zu gehen. Die Jun­gen fühl­ten sich bald wie Brü­der eng ver­bun­den. Sie began­nen, gemein­sam in der Bibel zu lesen, wenn sie in der Son­ne saßen. Bei­de lern­ten, Got­tes Wort zu erfor­schen und wert­zu­schät­zen. Sie bete­ten, dass Gott ihnen bei­bringt, immer sei­nem Wil­len zu gehor­chen.

Fra­ge: Hat­te Robert einen Nach­teil dadurch, dass er dem Gebot aus Römer 12,20 gehorch­te?

Schrift­le­sung: Römer 12,3 – 21

Anre­gun­gen zum Gebet:
✶ Dan­ke Gott dafür, dass er dich schon geliebt hat, als du noch sein Feind warst und nicht an ihn dach­test. Dan­ke ihm dafür, dass er dich ver­än­dert hat, so dass du ihn jetzt liebst statt ihn zu has­sen.

❖ Bit­te den Herrn, aus dir jeman­den zu machen, der ihn von Her­zen liebt statt nur Lip­pen­be­kennt­nis­se ablegt, die nicht von Her­zen kom­men.

Titel: Wie Gott zur Ret­tung einen Hund schick­te — und ande­re Andachts­ge­schich­ten
Rei­he: Auf Fels gebaut — Band 5
Autor: Joel R. Bee­ke & Dia­na Kleyn
Sei­ten: 191
For­mat: 13 cm x 19 cm
Ein­band: Hard­co­ver
Jahr: 2013
Ver­lag: Beta­nien
ISBN: 978−3−935558−35−8
Preis: 9,90 EUR
erhält­lich bei: cbuch.de
Lese­probe: cbuch.de
als eBook: 7,90 EUR bei cbuch.de, ceBooks.de
eBook-Lese­pro­ben: ceBooks.de

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