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Allein Gnade!

Carl Trueman hat einen Band zur fünfbändigen Reihe „5 Solas Series“ von Herausgeber Matthew Barrett beigetragen. Aktuell lässt sich „Grace Alone – Salvation as a Gift of God“ sehr günstig als Logos-Buch erwerben. Wie kann das Heil gleichzeitig allein aus Gnaden und allein aus Glauben und allein in der Schrift zu finden sein? Ein spannendes Statement dazu habe ich bei Donald Carson in „Collected Writings on Scripture“ gefunden (im Essay: „Recent Developments in the Doctrine of Scripture“):“Als ich ein Junge war, habe ich mich immer gewundert wie diese drei Aussagen (sola gratia, sola fide und sola scriptura) logisch sein können, wenn jedes für sich einen Alleinstatus beansprucht, doch im Laufe der Zeit lernte ich, dass die Gnade der einzige Grund für das Heil, der Glaube das einzige Mittel des Heils und die Schrift die einzige Autorität für Glauben und Leben ist“. Doch zurück zu Trueman.  Der Autor überzeugt neben guten Argumenten auch durch eine feine Ausdrucksweise und bildgeladene Sprache. Ich habe versucht ein etwas längeres Zitat zu übersetzen:

„Entgegen billiger Gefühlsduselei ist die Gnade Gottes im Alten Testament viel mehr als eine Marotte oder sich ergebende Kapitulation gegenüber menschlicher Rebellion. Gott ignoriert das Problem der Sünde nicht und tut nicht so, als existiere diese nicht. Er verspürt einen heiligen Zorn gegenüber der Sünde und kann diese Ablehnung seiner Herrschaft nicht einfach zur Seite wischen, als wäre sie nie geschehen. Somit etabliert Gott unter Mose ein Opfersystem (…) Diese Tatsache – das Gott es ist der das Opfersystem etabliert und reguliert – sollte nicht übersehen werden. Sie ist bedeutend, weil sie uns lehrt, dass die alttestamentlichen Opfer nicht ein Versuch menschlicher Wesen waren, etwas zu finden, dass einen zornigen Gott beruhigen oder ihm schmeicheln könnte. Wir nehmen irrtümlich an, dass Gott zornig mit seinem Volk war und dieses irgendwie Mittel und Wege fand, seine Zuneigung trotz seiner Sünde wieder zu erlangen. Die Schriften lehren uns, dass es Gott war, der die Initiative aufnahm und auf diese Weise offenbarte, wie sich sündige Menschen ihm gegenüber verhalten können. (…) Dieses gnädige Handeln Gottes beginnt nicht erst im mosaitischen Opfersystem. Hinweise auf Gottes Gnade finden sich viel früher im Alten Testament. Ganz am Anfang entdecken wir die Gnade Gottes  als Gott Adam und Eva im Garten Eden nach dem Sündenfall konfrontiert. Adam und Eva haben sich selber Kleider aus Blättern gemacht in einem Versuch ihre Scham zu bedecken. Als Gott erscheint, akzeptiert er ihre Bedeckung nicht und wischt sie doch nicht unmittelbar vom Angesicht der Erde nieder. Vielmehr schlachtet er Tiere und bedeckt Adam und Eva mit den Fellen von Tieren, so dass ihre sündige Nacktheit bedeckt werden kann. Gott geht mit dem unmittelbaren Problem ihrer Schuld in der Weise seiner eigenen Wahl um. Anders ausgedrückt er liefert die Lösung für das Problem der Sünde Adams. In 1. Mo.3 offenbart sich Gott inmitten seines Zornes über Adams Rebellion als ein gnädiger Gott, der sein Volk durch Tieropfer rettet. (…) Es ist womöglich sinnvoll an dieser Stelle für einen Moment inne zuhalten und über die existentielle Reichweite der Tatsache nachzudenken, dass Opfer mit Rettung und Gnade verknüpft sind. Opfer sind rohe und blutige Handlungen. Es wird von den Gegnern der Fleischindustrie oft gesagt, dass mehr Menschen Vegetarier wären, wenn sie die Tiere selbst zu töten hätten, die sie essen. Das ist womöglich wahr, denn das Schlachten eines Tieres ist ein dramatisches und mächtiges Ereignis, vor allem wenn man es mit einem Messer und nicht mit einem Gewehr durchführt. Es benötigt Gewalt und sehr wörtlich Blut und Eingeweide. Stellt euch den Eindruck auf Adam und Eva vor, als sie mit den rohen und blutbeschmierten Häuten von Tieren bekleidet werden, die Gott schlachtete um sie zu bekleiden (S. 30).“

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