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10 + 1 Fragen an Reinhard Junker

Geschäftsführer von "Wort und Wissen"

Rein­hard Jun­ker dürf­te vor allem für sein auf­se­hen­er­re­gen­des Werk „Evo­lu­ti­on — ein kri­ti­sches Lehr­buch“ bekannt sein, wel­ches er gemein­sam mit Sieg­fried Sche­rer ver­öf­fent­licht hat. Das Werk ist bereits in der 7. Auf­la­ge vor­han­den und hat vie­le Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gen auf­ge­bracht, offen­sicht­lich spre­chen die The­sen also an. Aus­ge­zeich­net ist auch das Jour­nal „Stu­di­um Inte­gra­le“, unbe­dingt emp­feh­lens­wert, gera­de­zu Pflicht­lek­tü­re für Men­schen, die den Schöp­fungs­be­richt ernst neh­men.

  1. Wie kamen Sie dazu Bücher zu schrei­ben?

e-Mail an Reinhard JunkerDas ist eine län­ge­re Geschich­te. Sie beginnt eigent­lich damit, dass ich wäh­rend mei­nes Stu­di­ums ein ent­schie­de­ner Christ wur­de (vor­her war ich eine Art Tra­di­ti­ons­christ). Ich stu­dier­te neben Mathe­ma­tik auch Bio­lo­gie und wur­de mit der Evo­lu­ti­ons­leh­re kon­fron­tiert. Durch das Bibel­le­sen merk­te ich, dass es schwie­rig ist, Bibel und Evo­lu­ti­on zusam­men­zu­brin­gen. Das hat mich moti­viert, Evo­lu­ti­on kri­tisch zu hin­ter­fra­gen (ohne dass ich Evo­lu­ti­on gleich abge­lehnt hät­te). Das wie­der­um erfor­der­te eine gründ­li­che­re Beschäf­ti­gung mit der Mate­rie, als man es nor­ma­ler­wei­se als Bio­lo­gie­stu­dent täte. Damals war das nicht ein­fach, denn es gab kaum kri­ti­sche Lite­ra­tur. Um die Sache abzu­kür­zen: Nach Stu­di­um, Refe­ren­da­ri­at und kur­zer Zeit des Lehr­amts kam ich als voll­zeit­li­cher Mit­ar­bei­ter zur Stu­di­en­ge­mein­schaft Wort und Wis­sen mit dem Auf­trag, die Her­aus­ga­be eines evo­lu­ti­ons­kri­ti­schen Schul­bu­ches zu koor­di­nie­ren und sel­ber mit eige­nen Tex­ten dazu bei­zu­tra­gen. Die­ses Lehr­buch – damals unter dem Titel „Ent­ste­hung und Geschich­te der Lebe­we­sen“ – war mein ers­tes Buch, zu dem aber noch vie­le wei­te­re Auto­ren bei­ge­tra­gen haben.

  1. Ist aktu­ell ein Buch­pro­jekt geplant?

Ich habe dies­be­züg­lich gera­de zwei Plä­ne und hof­fe, dass Gott Zeit und Gelin­gen dazu schenkt. Zum einen wäre es gut, ein neu­es popu­lär­wis­sen­schaft­li­ches Werk über „Schöp­fung“ hin­zu­be­kom­men. Über die Jah­re haben sich eini­ge Ide­en dazu ange­sam­melt, die in Form gebracht wer­den könn­ten. Außer­dem den­ke ich dar­über nach, eini­ge Arti­kel zu Evo­lu­ti­ons­kri­tik und zum Design-Argu­ment, die bis­her online oder in der Wort-und-Wis­sen-Zeit­schrift „Stu­di­um Inte­gra­le Jour­nal“ ver­öf­fent­licht wur­den, in einem Sam­mel­band zusam­men­zu­fas­sen.

  1. Nen­nen Sie uns ihre 3 Lieb­lings­bü­cher (neben der Bibel)?

Tol­ki­ens „Herr der Rin­ge“, das sind schon drei Bän­de. „Der König von Nar­nia“ von C. S. Lewis hat mir auch sehr gut gefal­len.

  1. Wel­che Bücher / Wel­ches Buch wür­den Sie nicht noch ein­mal lesen?

Da ich beruf­lich sehr viel lese, fällt der Umfang mei­ner sons­ti­gen pri­va­ten Lek­tü­re eher dürf­tig aus. Und da fällt mir gera­de nichts ein, was ich nicht noch­mals lesen wür­de, obwohl es da sicher man­ches gibt. Ver­mut­lich habe ich ohne­hin kein Buch zu Ende gele­sen, mit dem ich nicht viel anfan­gen konn­te.

  1. In wel­chem Bereich sehen Sie die größ­te Not in der heu­ti­gen Chris­ten­heit und wo (und/oder) wie könn­te man da am bes­ten einschreiten/helfen?

Die größ­te Not ist für mich der Rück­gang der Bibel­kennt­nis. Viel­leicht hängt das mit einer ande­ren Not zusam­men, näm­lich der um sich grei­fen­den Kri­tik an der his­to­ri­schen Glaub­wür­dig­keit der Bibel. Die­se Kri­tik macht die Bibel m. E. letzt­lich unat­trak­tiv und schwächt ihre Wirk­sam­keit. Eine beson­de­re Idee, wie man Abhil­fe schaf­fen könn­te, habe ich lei­der nicht. Ich arbei­te sel­ber noch immer in einem Jugend­kreis mit und erle­be, wie schwer es ist, Jugend­li­che für regel­mä­ßi­ges Bibel­le­sen zu begeis­tern oder zu über­zeu­gen.

  1. Wie beur­tei­len Sie den refor­ma­to­ri­schen Auf­bruch unter vie­len Chris­ten aktu­ell?

Dazu kann ich nichts sagen, da ich nichts Nen­nens­wer­tes davon in mei­nem Umfeld erle­be.

  1. Wie wur­den Sie Christ?

Durch eine not­vol­le Situa­ti­on zur Zeit mei­nes Stu­di­ums merk­te ich, dass mein bis­he­ri­ger „tra­di­tio­nel­ler“, „gelern­ter“ Glau­be nicht trägt. Das hat mich dazu bewegt, der Fra­ge nach dem christ­li­chen Glau­ben gründ­lich und kon­se­quent nach­zu­ge­hen. Das per­sön­li­che Glau­bens­zeug­nis eines „ent­schie­de­ne­ren“ Chris­ten (als ich es war) trug auch dazu bei. Ich begann, in der Bibel zu lesen, zum ers­ten Mal aus eige­nem Antrieb, merk­te bald, dass ich allei­ne an Ver­ständ­nis­gren­zen sto­ße und Hil­fe brauch­te. Nach einem kur­zen Irr­weg lan­de­te ich bei der Stu­den­ten­grup­pe „Cam­pus für Chris­tus“. Die lie­be­vol­le und unauf­dring­li­che Beglei­tung und Hil­fe­stel­lung eines mit der Bibel ver­trau­ten Mit­ar­bei­ters die­ser christ­li­chen Stu­den­ten­grup­pe half mir zum aus­rei­chen­den Ver­ständ­nis des Gele­se­nen. Mir wur­de klar, dass mein Glau­be allen­falls ein Stück weit Kopf­sa­che, aber kei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit gewe­sen war und dass mir das Wich­tigs­te fehl­te, die per­sön­li­che Bezie­hung zu Jesus Chris­tus. Ich unter­stell­te dar­auf­hin mein Leben bewusst der Füh­rung Jesu Chris­ti. Nach eini­gem Auf und Ab zwi­schen Zuver­sicht und Zwei­fel tat Got­tes Wort, wie ich rück­bli­ckend über­zeugt bin, sei­ne Wir­kung, so dass ich zu einem fes­ten Glau­ben an Jesus Chris­tus fin­den konn­te.

  1. Was bedeu­tet für Sie „Christ sein“?

Zuerst die Erkennt­nis, Geschöpf Got­tes und daher Gott rechen­schafts­pflich­tig für sein Leben zu sein, wei­ter die Erkennt­nis, dass man Got­tes Gebo­te auf­grund der eige­nen Sünd­haf­tig­keit nicht erfül­len kann und daher den Ret­ter und Hel­fer braucht, den Gott zu uns gesandt hat, Jesus Chris­tus. Und dann per­sön­lich sich Jesus Chris­tus unter­stel­len und ihm das Heft des eige­nen Lebens in die Hand zu geben.

  1. Wor­in sehen Sie Grund­la­gen für geist­li­ches Wachs­tum?

Vor allem in der regel­mä­ßi­gen Beschäf­ti­gung mit der Bibel, auch mit ande­ren zusam­men, mit der Bereit­schaft, sich dadurch kor­ri­gie­ren zu las­sen, und den Lebens­all­tag damit in Ver­bin­dung zu brin­gen, im Sin­ne der Auf­for­de­rung des Jako­bus, nicht nur „Hörer“, son­dern auch „Täter des Wor­tes“ zu sein.

  1. Wel­che his­to­ri­sche Per­son wür­den Sie ger­ne tref­fen und wel­che Fra­gen wür­den Sie mit die­ser bespre­chen wol­len?

Dar­über habe ich noch nie nach­ge­dacht. Aber spon­tan fällt mir Charles Dar­win ein und zwar wegen sei­ner Abkehr von einem anfäng­li­chen Glau­ben; er hat ja Theo­lo­gie stu­diert und das Stu­di­um erfolg­reich abge­schlos­sen. Ich habe eini­ges über ihn gele­sen, auch sei­ne Auto­bio­gra­phie, und ken­ne eini­ge sei­ner Begrün­dun­gen, war­um er vom christ­li­chen Glau­ben abge­kom­men ist. Aber eine wich­ti­ge Fra­ge blieb für mich unbe­ant­wor­tet. Wuss­te er nichts über die Sünd­haf­tig­keit des Men­schen und dass die gan­ze Schöp­fung dar­un­ter seufzt? Er hat sich ver­ständ­li­cher­wei­se über das Elend in der Welt beklagt (er hat auch eini­ges davon abge­kriegt) und konn­te es nicht mit einem güti­gen Gott zusam­men­brin­gen. Bei die­ser Sache wür­de ich ger­ne bei ihm genau­er nach­ha­ken.

  1.  Lässt sich Bibel­treue auch mit einem Fest­hal­ten an einer the­is­ti­schen Evo­lu­ti­on ver­ein­ba­ren?

Das habe ich mich oft gefragt. Es steht mir nicht zu, über den per­sön­li­chen Glau­ben ande­rer Chris­ten zu urtei­len, aber in der Sache sehe ich kei­nen halb­wegs über­zeu­gen­den Weg, the­is­ti­sche Evo­lu­ti­on zu ver­tre­ten und gleich­zei­tig bibel­treu zu sein. Damit hängt natür­lich die Fra­ge zusam­men, was Bibel­treue über­haupt bedeu­tet. Es scheint mir sehr klar zu sein, dass die bibli­schen Auto­ren und nach den Evan­ge­li­en auch Jesus Chris­tus sel­ber die Ereig­nis­se, die in den ers­ten Kapi­teln der Gene­sis beschrie­ben wer­den, als tat­säch­li­che Bege­ben­hei­ten ver­stan­den haben und dar­auf wich­ti­ge Aus­sa­gen über den Heils­weg Got­tes auf­ge­baut haben. Eine sol­che Sicht ist mit the­is­ti­scher Evo­lu­ti­on nicht ver­ein­bar. Nach mei­ner Beob­ach­tung wei­chen vie­le Chris­ten den damit ver­bun­de­nen Pro­ble­men aus. Wenn Bibel­treue bedeu­te­te, den bibli­schen Auto­ren zu fol­gen, sehe ich the­is­ti­sche Evo­lu­ti­on nicht als bibel­treu­en Weg an. Ich ken­ne kei­ne Argu­men­ta­ti­on für the­is­ti­sche Evo­lu­ti­on, die von den bibli­schen Tex­ten aus­geht. Da kom­men immer ande­re Aus­le­gungs­in­stan­zen außer­halb der Bibel maß­geb­lich ins Spiel. Aber kann man das Bibel­treue nen­nen?

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