Erbauliches
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Zur Größe gebeugt (Ravi Zacharias)

Folgenden Auszug aus dem Buch von Ravi Zacharias „Kann man ohne Gott leben?“ (S. 186-188) fand ich sehr tiefgehend und überführend.

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Im Alten Testament steht in 1. Mose 32 ein Abschnitt, dessen Kern­punkt häufig auch von sorgfältigen Lesern übersehen wird. Es ist die erzählende Beschreibung von Jakobs Heimkehr nach langer Abwe­senheit. Jahre zuvor war er von Zuhause geflohen, weil er den Segen gestohlen hatte, der seinem älteren Bruder Esau zugestanden hätte. Während Esau auf der Jagd war, verkleidete sich Jakob in einem ge­meinen Akt als Esau, kniete sich vor seinen blinden Vater Isaak und bat Isaak, ihn mit dem Erstgeburtsrecht zu segnen, das rechtmäßig Esau zustand. Der Vater war ernstlich verwirrt, denn die Stimme klang wie Jakobs; daher sagte er: „Du bist nicht Esau – wie kann ich dir den Segen erteilen?“

Jakob reichte ihm etwas Wildbret und behauptete, er habe das Tier gerade erlegt. Zögernd segnete Isaak Jakob in dem Glauben, es sei Esau, und gab ihm das Vorrecht der Erstgeburt, das ihm nicht zustand. Daraufhin wurde sein Bruder Esau so zornig, dass Jakob flie­hen musste, und er musste die ganzen Jahre auf der Hut bleiben. In der Zwischenzeit war seine Mutter, die mit ihm den Komplott ge­schmiedet hatte, gestorben und Jakob beschloss heimzukehren, in der Hoffnung, der Zorn seines Bruders habe sieh gelegt.

Jetzt war der Augenblick der Konfrontation gekommen. Am nächsten Morgen sollten sich Jakob und Esau begegnen. Jakob fürch­tete um sein Leben und tat das Einzige, was ihm übrig blieb – er ging vor Gott in die Knie. Die Heilige Schrift berichtet, Jakob habe die ganze Nacht mit Gott gerungen und gerufen: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“

Es war der Schrei eines verzweifelten Mannes, der nicht wusste, welches ominöse Schicksal ihn am nächsten Tag erwartete.

Gott antwortete mit einer außergewöhnlichen herausfordernden Frage: „Wie heißt du?“

Das ist eine unglaubliche Frage für ein allwissendes Wesen! Warum fragte Gott Jakob nachdem Namen? Man bedenke nur, welche Rüge Gott hätte erteilen können. Stattdessen fragt er Jakob nur nach seinem Namen.

Gottes Absicht mit dieser Fragestellung enthält eine Lektion für uns alle, die zu tiefgreifend ist, um sie zu ignorieren. Ja, sie hat sogar die Geschichte des Alten Testaments dramatisch verändert. Durch seine Bitte um Gottes Segen wird Jakob durch Gottes Frage gezwun­gen, erneut die Zeit zu durchleben, als er das letzte Mal um einen Segen gebeten hatte, nämlich den, den er seinem Bruder wegnahm.

Als Jakob das Setzte Mal nach seinem Namen gefragt wurde, war die Frage von .seinem irdischen Vater gekommen. Jakob hatte damals gelogen und gesagt: „Ich bin Esau“, und somit den Segen gestohlen. Jetzt befand er sich nach vielen verschwendeten Jahren, in denen er sich immer ängstlich umdrehen und auf der Hut sein musste, vor einem allwissenden, alles sehenden himmlischen Vater und verlangte wieder nach einem Segen. Jakob verstand voll und ganz den Grund und die Anklage hinter Gottes Frage, und er antwortete: „Ich heiße Jakob.“

„Wohl wahr“, sagte Gott, „und du weißt auch genau, was dein Name bedeutet. Du bist ein doppelzüngiger Mensch, der jeden be­trügt, dem er begegnet. Aber nun, da du dein wahres Ich erkennst, kann ich dich verändern, und ich werde ein großes Volk aus dir ma­chen.“

Größe in den Augen Gottes geht immer Demut ihm gegenüber voraus. Sie oder ich oder sonst jemand kann keine Größe erlangen, bis wir zu ihm kommen. Selbstbefreiung und Selbsterhöhung stellen sich leicht ein, wenn wir uns an dem niedrigeren Standard eines anderen messen, aber daraus folgt unweigerlich die Entfremdung sowohl von uns selbst, als auch voneinander. Die Erkenntnis der Sünde stellt sich ein, wenn wir Gott zum Maßstab nehmen. Ein Bewusstsein der eige­nen Bedürftigkeit ist der Anfang des Ziels und der Beginn von Cha­rakter.

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern in Baden-Württemberg.

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