Kirchengeschichte
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Tipp: Paläste und Katakomben

Von Hadrian bis Diokletian

In einem Gebrauchtwarenladen bin ich auf zahlreiche hochwertige Bücher gestoßen, darunter eine 21-bändige Reihe zur Weltgeschichte, zwar nicht vollständig erhalten, dafür umso günstiger. Diesen Kauf sollte ich nicht bereuen. Zwar 1951 erschienen, zeichnen sich diese Werke durch hohe Genauigkeit und zahlreiche Quelltexte aus.

Ich griff zu dem Band, der die Zeit beschreibt, die mir am wenigsten bekannt zu sein scheint, was zumindest die Geschichte Europas angeht: Das Zeitalter, das der Apostolischen Zeit folgt. Da es sich um ein säkulares Werk handelt, wird vor allem das Leben, die Bildung, die Kunst und natürlich vor allem die Herrscher im römischen Reich erläutert. Dies geschieht in einer bildlichen und erzählenden Sprache. Somit müsste man dieses Werk als nicht mehr zeitgemäß bezeichnen, da zeitgenössische Historiker Geschichte dynamisch und als Objekt kühler und kritischer Interpretation sehen. Moralische Schlussfolgerungen bleiben zweitrangig (interessanterweise spielt die ethische Anwendung der Geschichte heutzutage nur beim Thema „drittes Reich“ eine relevante Rolle).

Das vorliegende Buch folgt mehr der alten Schule und möchte Fehlentwicklungen in der Römischen Geschichte zeigen und möglichst einen klaren und weitreichenden Blick in die Denkweise römischer Bürger geben. Ein zentraler Aspekt in diesem Band bleibt aber die Darstellung der römischen „Augusti“, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zunächst wären da die Adoptivkaiser, die bemüht waren das Reich zu vergrößern, die jedoch bald von den sogenannten „Soldatenkaisern“ verdrängt werden sollten, die launische Herrscher waren und das Land versank bald in Aufruhr und Meuterei. Doch lasst uns am Tische des wahnsinnigen Kaisers Eleagabal, einem Syrer der in Rom herrscht, Platz nehmen:

Ein ägyptischer Tänzer aus dem kaiserlichen Ballett gibt eine widerwärtige Zote zum besten. Prustend vor Lachen ernennt ihn der Kaiser zum Präfekten der römischen Getreideversorgung. Ein Senator hält diesen Augenblick für geeignet, sich beim Kaiser beliebt zu machen. Er stopft sich den Mund voll mit Speisen, umfasst seinen Bauch und stöhnt: „Bei den Göttern, ich platze!“ „Schafft ihm Erleichterung“ befiehlt Eleagabal. Die Sklaven, die den Wink wohl verstehen, schlitzen dem Unglücklichen vor den entsetzen Augen der Tischrunde den Bauch auf. Den brüllenden Sterbenden schleppt man hinaus. Niemand wagt mehr ein Wort.

Das Römische Reich nimmt immer weiter Kurs auf sein Ende. Der Herbst des Weltreiches ist angebrochen. Die wachsende Inflation macht der Bevölkerung genauso zu schaffen, wie die Korruption der Beamten. Zur Verteidigung der Heimat lassen sich kaum noch italische Legionäre finden. Die Grenze wird zumeist von Söldnern bewacht, die aus Germanien, Gallien oder Britannien stammen. Doch eine Idee breitet sich immer weiter und siegessicher aus, das ist die Lehre Christi. In Zeiten größter Unruhen und stärksten Verfolgungen beweisen die Christen zu Tausenden, dass Sie die Angst vor dem Tod überwunden haben. Das mutige Sterben der Christen in den Theatern und Arenen macht großen Eindruck auf das Volk, und so bewahrheitet sich der Spruch Tertullians, dass das Blut der Märtyrer zur Saat der Kirche wird. Das Buch stellt hoffnungsvoll fest:

In den fauchenden Sturm mischt sich ferner Gesang; es sind die betenden, flehenden Stimmen von Kindern, Frauen und Männern. Der klagende Hymnus kommt aus einem der unterirdischen Kerker, in denen die verfolgten Christen auf den Tag der Bewährung warten: „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr; Herr, erhöre mein Gebet …“

Ein nur noch antiquarisch erhältliches Werk von Otto Zierer.

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