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Reden hinterm Pflug

Weisheitsliteratur von Charles H. Spurgeon

Eine Illus­tra­ti­on aus den Bil­dern des Pflü­ger Hans

Die Reden des Pflü­ger Hans (eng­li­scher Ori­gi­nal-Titel: John Ploughman’s Talk), so nann­te Spur­ge­on eine Samm­lung an mora­li­schen und ethi­schen Ermah­nun­gen, die er für ein­fa­che Men­schen ver­fasst hat­te. In der Vor­re­de erklärt er:

Ich habe eini­ge tüch­ti­ge Schlä­ge gegen die Las­ter der gro­ßen Men­ge zu füh­ren gesucht und die­je­ni­gen All­tags­tu­gen­den her­vor­ge­ho­ben, ohne die die Men­schen in einem elen­den, ent­wür­di­gen­den Dasein ver­kom­men müs­sen. Vie­les, was arbei­ten­den Men­schen gesagt wer­den muss, wür­de sich nicht gut für die Kan­zel und für den Sonn­tag schi­cken. Dage­gen dürf­ten die­se anspruchs­lo­sen Blät­ter wohl dazu die­nen, Fleiß und Spar­sam­keit an allen Wochen­ta­gen — zu Hau­se und am Arbeits­platz — zu emp­feh­len. Wenn sich eini­ge die­sen Unter­richt zu Her­zen neh­men wer­den, so wird es mir nicht leid tun, mich dabei der Bil­der aus dem Land­le­ben bedient zu haben.

Den Namen Pflü­ger darf ich wohl zu Recht für mich in Anspruch neh­men. Hat doch jeder Pre­di­ger des Evan­ge­li­ums sei­ne Hand an den Pflug gelegt und ist es doch sei­ne Auf­ga­be, das bra­che Feld umzu­pflü­gen und guten Samen aus­zu­streu­en. Dass ich in halb scherz­haf­tem Ton geschrie­ben habe, bedarf hof­fent­lich kei­ner Ent­schul­di­gung, wenn ich mir dadurch Gehör bei der gro­ßen Men­ge für gesun­de sitt­li­che Beleh­rung ver­schaf­fe. Ernst und lang­wei­lig sein ist gera­de kei­ne beson­de­re Tugend.

Wie man schon am Vor­wort erkennt sind es kur­ze The­men, die in Wür­ze und Schär­fe ganz prak­ti­sche Din­ge anspre­chen, wie Fleiß, Spar­sam­keit, Ordent­lich­keit und der wei­te­ren Din­ge mehr in 24 Kapi­teln. Dabei ist jeder Satz ordent­lich gepfef­fert, wie fol­gen­de Aus­sa­gen zum The­ma Gut­mü­tig­keit und Fes­tig­keit illus­trie­ren:

Sei nicht lau­ter Zucker, sonst lutscht die Welt dich aus. Sei aber auch nicht lau­ter Essig, sonst spuckt die Welt dich aus. Es gibt einen Mit­tel­weg in allem, nur
Dumm­köp­fe ver­fal­len in Extre­me. Wir brau­chen nicht ganz aus Fel­sen oder ganz aus Sand, ganz aus Eisen oder ganz aus Wachs zu sein. Wir soll­ten weder vor jeder­mann mit dem Schwan­ze wedeln wie ein­fäl­ti­ge Schoß­hun­de, noch auf jeder­mann los­fah­ren wie wüten­de Ket­ten­hun­de. Aus Schwar­zem und aus Wei­ßem ist die Welt zusam­men­ge­setzt, und daher haben wir mit Leu­ten ver­schie­de­ner Art zu tun.

So ist jeder Satz eine Ermu­ti­gung oder eine Ermah­nung. Tat­säch­lich kann uns die­ser ein­fa­che Stil (im eng­li­schen Ori­gi­nal trägt das Buch den mar­kan­ten Unter­ti­tel: Plain speech for plain peop­le1) auch unge­wöhn­lich vor­kom­men. Jedoch kann man in der Kir­chen­ge­schich­te fest­stel­len, dass Zei­ten  der Erleuch­tung und Erneue­rung im Chris­ten­tum immer auch von Volks­weis­hei­ten beglei­tet wur­den. Spur­ge­on hat­te da ein inter­es­san­tes Vor­bild: Mar­tin Luther. In der Auto­bio­gra­phie Spur­ge­ons Alles zur Ehre Got­tes lesen wir zu die­sem The­ma Fol­gen­des:

Luther  ist dar­in der uner­reich­ba­re Meis­ter (Anm. d. Ver­fas­sers: ein­fach und ein­dring­lich spre­chen zu kön­nen). Es ist wun­der­bar, wie Luther sei­ne Fähig­kei­ten ent­wi­ckel­te. Als er auf dem Höhe­punkt sei­nes Ruh­mes stand, schrieb er nach Nürn­berg, man sol­le ihm alle erhält­li­chen Volks­bü­cher, Lie­der und Kin­der­ge­schich­ten schi­cken, so dass er sich in der Ein­fach­heit der Spra­che üben kön­ne. Er sag­te selbst, dass er den Bau­ern auf dem Fel­de, die Mut­ter im Haus und die Jun­gen auf der Stra­ße beob­ach­te­te, um von ihnen spre­chen und schrei­ben zu ler­nen. Er über­setz­te Äsops Fabeln und stell­te eigen­hän­dig eine gro­ße Sprich­wort­samm­lung zusam­men.

Somit ver­wun­dert es nicht, dass die­ses klei­ne Büch­lein nach sei­ner Erschei­nung zu einem Best­sel­ler wur­de und allei­ne in Eng­land in kür­zes­ter Zeit über 300.000 Exem­pla­re ver­kauft wur­den. Dies beweg­te Spur­ge­on dazu, einen Zwei­ten Band mit dem Titel John Ploughman’s Pic­tures (deut­scher Titel: Es sind nicht alle Jäger, die das Horn bla­sen) zu ver­öf­fent­li­chen. Die­ser Band ent­hielt wei­te­re Rat­schlä­ge, Illus­tra­tio­nen, Sprich­wör­ter und Gedich­te.

An die­ser Stel­le noch eine Anmer­kung mei­ner­seits. Die deut­sche Über­set­zung des ers­ten Ban­des unter dem Titel Guter Rat für aller­lei Leu­te ist mei­nes Erach­tens sehr gut gelun­gen. Dem Über­set­zer gelingt es äußerst gut die Wür­ze und den Witz Spur­ge­ons ins Deut­sche zu über­tra­gen, ohne den Inhalt zu ver­än­dern. Lei­der sind bei­de Bän­de nur noch anti­qua­risch zu erwer­ben, z.B. bei booklooker.de oder buecher.de für unter 1 EUR zzgl. Ver­sand. Die Tex­te erhält man zum Glück auch lizenz- und kos­ten­frei als E-Book auf deutsch und eng­lisch. Übri­gens: Allen die des Eng­li­schen mäch­tig sind, möch­te ich an die­ser Stel­le auch auf einen schö­nen Band von Chris­ti­an Focus hin­wei­sen. Für 9,94 EUR bekommt man bei­de Bän­de in einem schön gestal­te­ten Taschen­buch.

Eine umfang­rei­che Biblio­gra­phie zu Spur­ge­on fin­det sich übri­gens auch hier im Blog.

1 Zu deutsch wört­lich: Kla­re Wor­te für kla­re Men­schen. Hier gelingt Spur­ge­on ein sehr ele­gan­tes Wort­spiel, da plain im eng­li­schen für klar und auch für ein­fach ver­wen­det wird.

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