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Konstantin von Tischendorf und der Jahrhundertfund

Wer kennt Konstantin von Tischendorf (1815-1874)? Meine erste Bekanntschaft mit ihm machte ich während eines Vortrags von Alexander Schick. Er referierte über die Entstehungsgeschichte der Bibel und erzählte u.a. die spannende Geschichte Tischendorfs. Das war das erste Mal, dass ich diesem Namen hörte. Während den anschließenden Vorbereitungen für eine Bibelausstellung wollte ich mich intensiver mit dieser Person beschäftigen. Jedoch fand ich im Buchhandel kein Buch von oder über ihn. Antiquarisch konnte ich einen kleinen Band erwerben mit der schlichten Überschrift: „Tischendorf – Erinnerungen“. Ich merkte schnell, dass er eine faszinierende Persönlichkeit war, die einer weiterführenden Beschäftigung würdig ist. Später entdeckte ich in der Uni-Bibliothek seine zweibändige Ausgabe „Reise in den Orient“ von 1846. Einen Großteil davon habe ich wörtlich verschlungen.

Doch wer war Konstantin von Tischendorf? Das zentrale Ereignis seines Lebens stellt der Fund des Codex Sinaiticus dar. Dabei handelt es sich um einen Codex, der neben einem Großteil des Alten Testaments und zwei apokryphen Büchern, das älteste komplett erhalte Neue Testament enthält. Doch bis zu dieser Entdeckung hatte Tischendorf einen langen und mühsamen Weg zu hinterlegen. Er widmete sein Leben der neutestamentlichen Textkritik und konzentrierte sich auf die Sammlung und Aufbereitung der frühesten handschriftlichen Überlieferungen des neutestamentlichen Textes. Er bereiste viele europäische Bibliotheken, auf der Suche nach alten Manuskripten. Er arbeitete bis zu seinem Lebensende unermüdlich, um möglichst alle alte Handschriften aufzudecken, zu entziffern und wissenschaftlich zu verarbeiten und zu veröffentlichen.

Dieses Jahr sind zwei Bücher zu Tischendorf und seinem sensationellen Fund erschienen. Wer sich näher mit dem Abenteurer, Theologen, Wissenschaftler, Paläografen und Vater von acht Kindern und dem Codex Sinaiticus näher beschäftigen möchte, dem kann ich diese Bücher weiterempfehlen.

1. Christfried Böttrich: Der Jahrhundertfund. Entdeckung und Geschichte des Codex Sinaiticus, Leipzig (Evangelische Verlagsanstalt) 2011.

Böttrich liefert mit diesem Buch eine längst fällige wissenschaftliche Gesamtdarstellung dieses Jahrhundertfundes. Er schildert nicht nur den Fund des Codex Sinaiticus, sondern auch die Fortsetzungsgeschichte dieses wertvollen und bedeutsamen Codex bis hin zu seiner virtuellen Wiedervereinigung aller bisher gefunden Teile im Internet. Böttrich ist Theologe und besetzt einen Lehrstuhl für Neues Testament in Greifswald. In diesem Buch verbindet er seine Fachkenntnisse in Theologie mit seiner Liebe zur Geschichte. Dies ist eine sinnvolle Kombination, um diesem Jahrhundertfund aus beiden Perspektiven gerecht zu werden.

2. Jürgen Gottschlich: Der Bibeljäger. Die abenteuerliche Suche nach der Urfassung des Neuen Testaments, Berlin (Ch. Links Verlag) 2011.

Der Journalist Gottschlich nimmt den Leser mit auf seine eigene Reise zum St. Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel, wo Tischendorf den Codex Sinaiticus fand. Neben den eigenen Reiseberichten informiert dieses Sachbuch über die Entstehung und das Leben im Kloster.  Es beschreibt eindrücklich das spannende Leben Konstantins und den sensationellen Fund des Codex. Gottschlich bietet eine leicht zu lesende Lektüre, bei der der Spannungsbogen bis zum Ende nicht abreißt. Dass der Autor den biblischen Geschichten nicht viel Vertrauen schenkt und immer wieder abwertende Bemerkungen zum Glauben Tischendorfs und über die Aussagen der Bibel einbaut, muss man dabei leider in Kauf nehmen. Schade, denn gerade Tischendorf hat sich bemüht, mit allen ihm möglichen Mitteln zu beweisen, dass die Bibel vertrauenswürdig ist.

 

Weitere Literatur (leider nur antiquarisch oder in Bibliotheken verfügbar):

Christfried Böttrich: Bibliographie Konstantin von Tischendorf (1815-1874), Leipzig (Leipziger Universitätsverlag) 1999.

Christfried Böttrich: Tischendorf-Lesebuch, Leipzig (EVA) 1999.

Ludwig Schneller: Tischendorf-Erinnerungen. Die abenteuerliche Entdeckung des „Codex Sinaiticus“, Lahr-Dinglingen (St.-Johannes-Druckerei) 1991. (meine Ausgabe ist von 1937)

 

3 Kommentare

  1. Joschie sagt

    Konstantin von Tischendorf fand den Codex Sinaiticus im.St. Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel ob aber die romantische Schilderung wie er den Codex Sinaiticus fand Legende oder Wahrheit ist sei mal dahin gestellt. Der Codex Sinaiticus enthält das Älteste komplett erhalte Neue Testament daher auch seine besondere Bedeutung.Das A.T. mit seinen Apokryphen ist so weit mir bekannt eine Abschrift der Septuaginta.

  2. Wir können davon ausgehen, dass an den Geschichten das meiste wahr ist. Auch die meisten Historiker zweifeln nicht an den Aussagen Tischendorfs. Es gibt zwar verschiedene Meinungen zu der Schnenkung des Codex Sinaiticus an den russischen Zaren, aber auch da sind die meisten Historiker der Meinung, dass es tatsächlich eine Schenkung war. Es ist auf jeden Fall der Verdienst Tischendorfs, dass diese alte Handschrift, nicht verloren gegangen oder vernichtet worden ist.

  3. Joschie sagt

    Ja es der große Verdienst Konstantin von Tischendorfs, dass diese alten Handschriften, nicht verloren gegangen oder vernichtet worden sind, weil er erkannt das die von ihn gefundenen Schriften keine normalen Schriften sind, sondern wie sich später rausstellte das älteste komplett erhalte Neue Testament.

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