Erzählungen, Leben als Christ, Puritaner
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John Bunyan: Die Pilgerreise (neue Ausgabe) - Teil 3

Quelle: www.scm-brockhaus.deHier folgt nun der dritte und letzte Teil meiner Buchbesprechung des neu aufgelegten und sprachlich überarbeitetem Klassikers Die Pilgerreise von John Bunyan. Teil 1 und Teil 2 können unten den hinterlegten Links nachgelesen werden.

Trotz einiger Kritikpunkte bin ich von der neuen Ausgabe begeistert. Sie liest sich flüssig und ist leicht verständlich. Die zusätzlichen Kapitelüberschriften teilen die ehemals recht langen Kapitel in leicht zu bewältigende Sinnabschnitte ein. Das ansprechend gestaltete Cover gibt dem Buch eine würdige Hülle, die ich mit immer wieder gerne anschaue. Die Hardcoverausgabe liegt gut in der Hand und wird auch nach mehrmaligem Lesen nicht zerfleddert aussehen. Außerdem kann ich die Pilgerreise auch auf meinem Reader als E-Book lesen, kann darin bequem nach Passagen suchen und habe sie überall dabei.

Einige Anmerkungen zum Vorwort von Johannes Falk

Ein wegweisendes Vorwort zu einem über 300 Jahre alten Bestseller zu schreiben, erfordert eine solide Kenntnis des Inhalts, des Autors und der Rezeptionsgeschichte. Auch wenn ich weit davon entfernt bin, ein John-Bunyan-Experte zu sein, gibt es einige Sätze im Vorwort, die meiner Meinung nach nicht korrekt sein können. Johannes Falk schreibt:

Ich weiß, dass die Generationen vor uns das Buch teilweise als ein theologisches Dogma betrachteten. Nicht wenige erklärten die Pilgerreise neben der Bibel zum wichtigsten religiösen Buch. Nicht umsonst gehört es zur christlichen Weltliteratur. Ich kenne viele Menschen, die mit diesem Klassiker großgeworden sind und denen diese Theologie eingetrichtert wurde. Die Welt ist böse, das Leben ist kein Zuckerschlecken, du darfst keinen Spaß haben, es gilt nur darauf hinzuleben, den schmalen und beschwerlichen Weg in den Himmel zu gehen. Auch ich wurde so geprägt. Ich denke aber, dass wir John Bunyan damit unrecht tun würden.

Vermutlich gibt es nur sehr wenige, die Bunyans Buch als Dogma betrachten. Nicht einmal Spurgeon, der die Pilgerreise jedes Jahr las, tat es und fand sie an einigen Stellen sogar fehlerhaft und irreführend (nachzulesen HIER). Sicher kann dieser Klassiker missbraucht werden, wie jedes andere Buch auch. Doch kann ich nicht nachvollziehen, wie jemand darunter leidet, dem die Theologie der Pilgerreise „eingetrichtert“ wurde. Das würde nämlich gegen die enorme Beliebtheit des Buches sprechen. Und was ist falsch von dem, was dem Autor des Vorwortes eingetrichtert wurde?

  • Die Welt ist böse. Und tatsächlich ist sie es, denn sonst müsste Christian nicht aus der Stadt Verderben fliehen.
  • Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Das Leben, als Nachfolger Christi ist mit Mühen und Hindernissen verbunden. Es kann durchaus auch mal Zeiten der Ruhe und der Akzeptanz geben, doch niemals dauerhaft.
  • Du darfst keinen Spaß haben. Das ist salopp ausgedrückt und ich sehe darin keinen Bezug zur Pilgerreise. Auf dem Markt der Eitelkeiten sollte man auf jeden Fall nicht Zucker schlecken.
  • Es gilt nur darauf hinzuleben, den schmalen und beschwerlichen Weg in den Himmel zu gehen. Diese Prägung ist biblisch und auch ganz im Sinne von Bunyan. Nein, wir tun ihm damit nicht unrecht, wenn wir diese Theologie anderen „eintrichtern“, oder besser vermitteln.

Es ist noch eine weitere Aussage im Vorwort, mit der ich nicht konform gehen kann. Mit diesem Statement wird John Bunyan auf jeden Fall unrecht getan:

Vor allem gilt es aber auch, das Buch künstlerisch zu betrachten. Die Pilgerreise von John Bunyan ist kein theologisches Buch, sondern immer noch ein Roman, eine wunderbare Geschichte, ein fantasievoll erzähltes Kunstwerk, mit einer wichtigen Botschaft: Es geht um mehr! Es geht um Höheres! Das, was wir suchen, kann uns diese Welt nicht geben.

Die Pilgerreise ist zwar ein Roman, aber vor allem ist es ein theologisches Buch. Ich möchte einige Zeilen aus Bunyans Rechtfertigung für sein Buch zitieren. Dabei wird die Absicht des Autors ersichtlich:

Ist es nicht schlecht, in solchem Stil zu schreiben?
Und dabei dennoch bei dem Ziel zu bleiben:
des Lesers Heil warum soll das nicht gehen? […]

Doch feste Speise braucht das Gotteskind.
Milch macht uns schwach; Metaphern machen blind.

Ja feste Speise bringen muss ein jeder,
der in dem Namen Gottes greift zur Feder.
Doch fehlt mir denn die Festigkeit, nur weil
ich in Metaphern spreche? Ist das Heil
nicht ausgeschmückt in biblischen Berichten
durch Typen, Schatten, bildhafte Geschichten. […]

Der Dialekt, in dem das Buch geschrieben,
ist so, wie ihn die schlichten Leute lieben:
Er hört sich neu an und enthält doch nur
das Wort des Evangeliums rein und pur.

Sicher darf man die Pilgerreise auch als Roman lesen und genießen, ohne in die Materie tiefer einzusteigen. Doch wer es wagt dieses Buch zur geistlichen Erbauung zu lesen, profitiert von einem reichen Erfahrungsfundus des Autors und lernt wichtige Lektionen für die Nachfolge. Für Thomas Baumann, der ein Nachwort zu der Ausgabe der Pilgerreise von 1998 schrieb, ist die Pilgerreise ein „klassisches Erbauungsbuch“. Auch im 21. Jahrhundert sollte dieses wertvolle Buch in diese Kategorie eingeordnet werden. Ich wünsche, dass es wieder unser Denken und Handeln prägt, wie es in den  vergangenen Jahrhunderten auch der Fall war. Vielleicht wird sich dann das wiederholen, was Thomas Baumann in dem bereits erwähnten Nachwort als kennzeichnend für christliche Haushalte vergangener Zeiten beschrieb:

Die erste deutsche Übersetzung erschien 1685, bis 1802 wurden acht weitere deutsche Ausgaben veröffentlicht. Wie es in England wenig fromme Haushalte gab, in denen dieses Buch fehlte, so gehörte es seit dem 18. Jahrhundert zum Kernbestand pietistischer Bücherborde und hat besonders im Spätpietismus und in der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts auch Sprache und Form der Frömmigkeit mit geprägt.

Titel: Die Pil­ger­reise
Autor: John Bunyan
Sei­ten: 286
For­mat: 13,5 x 20,5 cm
Ein­band: Hard­co­ver
Jahr: 2012
Ver­lag: SCM R. Brock­haus
Preis: 14,95 EUR (E-Book: 11,99 EUR)
erhält­lich bei: SCM R.Brock­haus, cbuch.de

1 Kommentare

  1. Sergej Pauli sagt

    Hallo Eduard, vielen Dank für die Erfahrungen mit dem Vorwort.
    Mir hat es leider auch nicht sehr angetan, gut zu wissen, dass ich nicht als einziger an genau den oben genannten Punkten zu knabbern hatte

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