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Zehn Fragen an Johannes Ramel

Ein Priester findet Gott

J. Ramel als katholischer Priester

Vor vielen Jahren (mir scheint fast in grauer Vorzeit) war ich einige Tage beim Evangelischen Missionsdienst Die Wegbereiter als Aushilfe zum Flyer falten und Umschläge bekleben. Damals war der alte Bruder Ostrowski nicht nur am Leben sondern noch ganz aktiv im Dienst und er hatte eine Vielzahl an kleinen und größeren Schriften, die man mitnehmen durfte. Ich denke jeder der ihn kannte, weiß um seine offene, pietistische und konsequente Art.

Nun, damals nahm ich auch einen Flyer über einen ehemaligen katholischen Priester mit, der davon berichtet, wie er in der Heiligen Schrift zum wahren Glauben durchgedrungen ist. Damals hat das unglaublich tiefen Eindruck auf mich hinterlassen und mit der Zeit habe ich auch davon gelesen, aber vor Kurzem bin ich auf die Webseite des selben Priesters gestoßen, die man unter www.johannes-ramel.at aufrufen kann.

Hier findet man zahlreiche Informationen über seine Person, sowie seine Predigten, sein Lebenszeugnis und viele Vorträge in MP3. Hierbei erfährt man auch, wie er als Priester nach langem Forschen in der Schrift und durch den Kontakt mit anderen Christen zum echten wahren Glauben gekommen ist. Doch da sollten die Schwierigkeiten anfangen: Denn vieles was die katholische Kirche praktiziert, wie z. B. die Kindertaufe, kann er nicht mehr gut heißen. So kam auch das Unvermeidbare, er wurde suspendiert (Ausschnitt aus einem Interview).

Ja, alsbald wurde ich von Amtskollegen aufgefordert, meinem Bischof offenzulegen, was nun meine Glaubensgrundlage bezüglich der Säuglingstaufe, dem Priestertum, den Sakramenten ist. Zu einem ersten Gespräch wurde ich zu Weihbischof Dr. Alois Stöger vorgeladen. Er war ein weithin anerkannter Fachtheologe für das Neue Testament. Das Gespräch war erstaunlich offen und er schätze mein seelsorgliches Engagement. Ich bat, die Kirche möge doch auch die bewusste Glaubenstaufe tolerieren und nicht mehr zur Säuglingstaufe verpflichten. Es endete mit der Aufforderung, ich solle nicht mehr mit freikirchlichen Gruppierungen zusammenkommen. Diese Tür konnte und wollte ich nicht mehr schließen. Dies gab ich auch zu erkennen und verabschiedete mich von ihm.
Mein zweiter Termin war nach einigen Wochen beim Diözesanbischof Dr. Franz Zak, einem Doktor des Kirchenrechts. Er hatte bereits Briefe bekommen, in denen ein Pfarrer sich beklagte, dass ich den Freikirchen zuviel Schützenhilfe gäbe. Er stellte darüber mich zur Rede und ich gab zur Antwort: „Alles, was die Heilige Schrift lehrt, ist Inhalt meines Glaubens. Was über die Heilige Schrift hinausgeht, kann ich nicht mehr als Fundament des Glaubens akzeptieren.“ Worauf die Frage des Bischofs lautete: „Was meinen Sie damit, was nicht in der Heiligen Schrift steht?“ Ich sagte: die Kindertaufe, das Weihepriestertum, das Verständnis der Messe, das alles ist außerhalb der Heiligen Schrift. Der Mensch wird nicht durch die Taufe gerecht, sondern durch den Glauben. Dies ist ein persönlicher Glaube und nicht ein stellvertretender Glaube von Paten oder einer Kirche. Jesus allein ist der Hohepriester im neuen Testament nach der Ordnung des Melchisedek (Hebräer 6,20) und kein anderer neben ihm. Er allein hat priesterlich das Erlösungsopfer dargebracht. Er ist mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben (Hebräer 9, 12).

Erschrocken fragte mich der Bischof, wie lange ich schon das so glaube. Er zog sich kurz zurück und sagte: „Ich muss Sie auf der Stelle suspendieren (des Amtes entheben).“ Über mir war ein spürbarer Friede. Ich versuchte eher, den Bischof zu beruhigen, denn ich hatte für seine Entscheidung volles Verständnis. Es wurde telefonisch der Dechant verständigt, für die angesagte Abendmesse einen Priester zu entsenden. Ich verabschiedete mich unter Dank für die bisherige Beziehung und betete im Herzen. Ich war so froh darüber, dass ich jetzt endlich Klarheit geschaffen hatte und dies der mir gegebene Augenblick dafür war. Nun wusste ich, dass ich dabei nicht eigenmächtig gehandelt hatte oder sonst ein falscher Eifer in mir war. Mehr als je zuvor merkte ich, dass ich Eigentum des Herrn geworden bin und der Herr sich um mich kümmern wird. Der ganze Vorgang war wie ein Blitz unter dem richterlichen Spruch Gottes. Es war kein Wort der Verteidigung in meinem Mund. Ich hatte ganz einfach vor meiner Obrigkeit offen gelegt, was die Hoffnung meines Heiles ist.
Tags darauf teilte der Bischof noch seinem Studienkollegen mit, dass er eine Entscheidung treffen habe müssen, die ihm schwer gefallen sei, da ihm um diesen Pfarrer leid wäre.

Johannes Ramel heute

Johannes Ramel nahm sich auch Zeit für unsere 10 Fragen:

 1. Wie kamen Sie dazu schriftstellerisch aktiv zu werden?

Es ist mir ein Anliegen, den Weg des Heils gemäß dem Zeugnis der Heiligen Schrift aufzuzeigen und vor Irreführung zu warnen.

2. Ist aktuell ein Buchprojekt geplant?

Habe kein weiteres Buchprojekt derzeit geplant.

3. Nennen Sie uns ihre 3 Lieblingsbücher (neben der Bibel)?

Ich habe in Wirklichkeit keine Lieblingsbücher neben der Bibel.

4. Welche Bücher / Welches Buch würden Sie nicht noch einmal lesen?

Ich lese kaum ein Buch mehrmals.

5. In welchem Bereich sehen Sie die größte Not in der heutigen Christenheit und wo (und/oder) wie könnte man da am besten einschreiten/helfen?

Es wird zu sehr auf Organisationen wie Konfessionen, Bewegungen, geschaut und dabei der Blick auf die Offenbarung vernachlässigt.

6. Wie beurteilen Sie den reformatorischen Aufbruch unter vielen Christen aktuell?

Nicht reformatorische Aufbrüche werden das Heil bringen, sondern die rechte Gottesfurcht (Eusebeia), Glaubensgehorsam und ständige betende Schriftlesung und Gemeinschaft mit solchen Glaubensgeschwistern in überschaubarer Größe im eigenen Lebensraum.

7. Wie wurden Sie Christ?

Gott machte mich suchend nach Seinem Willen, Sein Geist überführte mich meiner Verlorenheit, zu einem „Aus-dem-Glauben-Sein“.

8. Was bedeutet für Sie „Christ sein“?

Vollkommen in Christus dargestellt zu werden, der Hoffnung der Herrlichkeit.

9. Worin sehen Sie Grundlagen für geistliches Wachstum?

Im ständigen vertiefenden Hören auf Gottes Wort und sein Leben aus demselben.

10. Welche historische Person würden Sie gerne Treffen und welche Fragen würden Sie mit dieser besprechen wollen?

Einen Paulus oder Johannes würde ich fragen, wie sie mir heute raten würden, zu den Menschen zu gehen, um das Evangelium unserer Errettung in Jesus Christus zu verkünden.

Kategorie: Biografien, Interviews

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem Bücher aus vergangenen Zeiten. An Sachbüchern, Lehrthemen und Biographien bin ich besonders interessiert. Ich wohne mit meiner Frau Elvira meiner Tochter Jasmina und meinem Sohn Dorian im Schwarzwald.

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