Allgemein, Erbauliches
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Hierzu fehlt mir noch ein Buch: Gestaltung des Gottesdienstes

Eine ungeklärte Frage

Ich habe in letzter Zeit nachgedacht, welche Themen ich auf dem christlichen Büchermarkt vermisse, oder mir zumindest kein Werk bekannt ist, dass diese Themen konsequent und sauber behandelt. Tatsächlich fallen mir da mehr Punkte ein, als mir persönlich lieb wären. Ich fürchte, der konservative evangelikale Büchermarkt ist so dünn besiedelt, dass man sich auf das Abdecken üblicher Themen konzentriert. So Gott will, möchte ich hier zu verschiedenen Themen ausführliche Beispiele darstellen. Anfangen möchte ich heute mit dem Thema „Gottesdienstgestaltung“.

Ich weiß nicht, wie es den Lesern hier im Blog geht, wenn ich jedoch das Werk eines Autors ergreife, so möchte ich unbedingt wissen, wie es in seiner Gemeinde zugeht. Üblicherweise sind heute Autoren auch Pastoren oder sonst in einem wichtigen Dienst ihrer Gemeinde eingespannt, so dass man dann auch weiß, wie diese Pastoren zur christlichen Praxis stehen, auch wenn Sie ein höchst theoretisches Werk veröffentlicht haben. Dieser Aspekt ist für mich extremst entscheidend und kann im Zweifelsfall dazu führen, dass ein Autor für mich ausscheidet. Ich hoffe, mich hier auf das Wort Christi berufen zu können, dass man die Propheten nach ihren Früchten zu beurteilen hat. Und eben nicht nach ihren schönen Worten …

Die Fragen die mich hier bewegen, gehen eigentlich querbeet über alle Bereiche: Kinderarbeit, Durchführung der Gottesdienste, Gemeinsames Gebet, Haltung der Gläubigen, Gestaltung des Taufunterrichts (wenn er hoffentlich vorhanden ist), Vorträge im Gottesdienst und ihr Umfang und allerlei der Fragen mehr. Dies ist für mich auch persönlich relevant, da ich nicht glaube, dass weder ich noch mein Pastor derzeit vollständig das Thema einer gottgefälligen Gottesdienstgestaltung ergriffen haben.

Nun ist ja bei lebenden Autoren oft eine Internetrecherche, ein Besuch der Gemeinde oder auch eine persönliche Anfrage bereits extrem zielführend. Ich habe bereits im Blog von positiven wie negativen Erfahrungen diesbezüglich berichtet, die jedoch immer halfen, einen Autor auch besser zu verstehen. So bleibt mir bei amerikanischen Autoren immer noch das Problem, dass ich Mühe habe ihre Ausführungen in meinem Leben zu verifizieren oder zu adaptieren, da das diskutierte Umfeld und die beschriebene Lebenspraxis so umfassend anders ist, wie die von mir erlebten Elemente.

Jedoch weiche ich ab! Bis heute beschäftigt mich diese Frage: Was gehört in den Gottesdienst und was nicht? Man vergebe mir im folgenden viele freie Zitate. Bei Bedarf ermittele ich gerne genauere Quellen.

Ich sehe hier mehrere Konzepte, die auch in Werken vorgestellt werden, die ich gelesen habe. Auf der einen Seite sehe ich z. B. Peter Masters, der in seinem Buch „Worship in the melting Pot“, mit dem vorrangigen Ziel Rockmusik und charismatische Elemente zu kritisieren, auch Chorgesang, Gedichte und Musik für unbiblisch hält. Nichts dürfe einen Menschen mehr in die Kirche locken, als das Verlangen, das Evangelium zu hören.

Auf der anderen Seite sehe ich z. B. Francis Schaeffer, der in Anspielen und im Theater in der Kirche nichts anstößig sieht, käme dies doch bereits in den Darstellungen Hesekiels vor, der nichts anderes tat, als Theater zu spielen, als er manch eine Botschaft Gottes an seine Genossen vermittelte. Man denke nur an das unendlich lange Liegen auf einer Seite.

Ich erinnere mich in „Wahre Jüngerschaft“ von William MacDonald gelesen zu haben, dass diesbezüglich zwei unterschiedliche Positionen in der Christenheit schon lange miteinander kämpfen. Er illustrierte dies an der Reformation: Martin Luther war der Ansicht, alles ist (im Gottesdienst) erlaubt, was in der Bibel nicht verboten ist, während Johannes Calvin entgegen hielt: alles ist verboten, was nicht (explizit) in der Bibel erlaubt ist.

Die konservativere und strengere der beiden Ansichten hat vieles für sich, lässt aber offene Fragen. Fragen, die für mich durch das Lesen des Buches von Masters nicht beantwortet wurden. Anscheinend hat sich der Autor diese noch nicht gestellt. Im folgenden einige Probleme, die ich erkenne:

  1. Wenn für den Gottesdienst nur die drei Elemente zulässig sind: Predigt, Gebet und Gesang, sehe ich Probleme darin, diese mit dem größeren (und zumindest mir persönlich klareren) Grundsatz des allgemeinen Gottesdienst zu vereinbaren. Ein Christ dient immer Gott, auch gibt es keinen Ort der heiliger wäre als der andere, denn wir als Christen sind in völliger Gottesgemeinschaft, wenn wir nur schon zu zweit sind und in Christi Namen versammelt sind. Außerdem geht es darum, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Ist nun Musik im „offiziellen“ Gottesdienst tabu, ist sie dann auch im CD-Player auf dem Weg zur Arbeit tabu?  Oder darf ich dann nur einstimmige Lieder anhören? Wer mir sowas aus der Bibel beweist, dann beweise ich ihm auch, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Ich weiß sicher, dass ich, wenn ich meine Gitarre nehme, ich wohl zur Ehre Gottes spielen kann. Ich habe sogar sehr selten nicht zur Ehre Gottes gespielt. Ich kann ihn loben auf meiner Gitarre, und dazu stehe ich und bekenne mich hier frei. Zwar habe ich schon länger darauf verzichtet, in der Gemeinde vorzuspielen, aber ganz schlüssig ist mir mittlerweile nicht mehr, warum ich das getan habe. Schließlich, ein offizieller Treffpunkt, oder ein Ort der besonderen Nähe Gottes, dass ist doch genau das, was die Theologen vom konservativen Schlage ablehnen. Wie lassen sich aber dann beide Ansichten miteinander in Einklang bringen?
  2. Neben dem Grundsatzproblem aus Punkt 1 sehe ich eine Mehrzahl detaillierter Probleme. Wofür haben wir überhaupt noch 1.Kor 14. Hier wird von mehreren Rednern im Gottesdienst geredet. Und überhaupt wisse doch jeder reformierte Christ, sammle man sich nicht um den Prediger, sondern um das Wort Gottes. Warum dann diese extreme „Ein-Personen-Gestaltung“ von Gottesdiensten. Ich erinnere mich an meinen Besuch im Metropolitan Tabernacle letztes Jahr. Man verstehe mich richtig, ich ehre Peter Masters sehr, und würde im Zweifel sein Wort eher beachten, als das anderer Menschen. Dennoch verwunderte mich es doch sehr, dass selbst die Schriftlesung, die aus zwei Kapiteln bestand und unabhängig von der Predigt war, nicht von einem jungen Bruder geschehen konnte. Warum konnte das eine der beiden Gebete nicht von einem weiteren Bruder gesprochen werden. Hier denke ich, fühle ich mich einfach in meiner Gemeinde wohler.
  3. Was ist mit Zeugnissen? Wenn ich in meiner Gemeinde ein Zeugnis, z. B. über eine Gebetserhörung oder eine Lektion in der Schule Gottes erzählen möchte, ist dies ohne Probleme so gut wie jederzeit möglich. Und ich weiß, dass Zeugnisse äußerst erbauend wirken können. Auch bezeugte Paulus, dass Timotheus ein gutes Zeugnis vor Gläubigen abgelegt hat. War das etwa nur die Sonntagspredigt?

Die von Calvin extrem konservative Position kann ich somit so nicht unterschreiben. Ich gestehe ein, dass ich mich irren kann, aber warum sollte ich meine offenen Fragen einfach verstopfen lassen, statt diese zu klären? Dennoch sehe ich das Problem, dass sich in der anderen Position auftut, noch klarer: Wann ist denn Schluss mit den Beiträgen? Ist ein Anspiel noch ok, so lange man sich nicht verkleidet? Oder kann man da zum Krippenspiel für Weihnachten nicht eine Ausnahme machen? Und wenn man schon dabei ist, eine Lob-Preis-Band ist schnell zusammengetrommelt (im wörtlichsten aller Sinne). Ruck zuck, kommen Fahnenschwinger, Vortänzer und andere Tempelhuren (man verzeihe mir den Ausdruck). Man lese nur das, was John MacArthur in seinem Buch „Wenn die Show das Wort erschlägt“ schrieb.

Wo also ist die Grenze, wenn man sich für die freie Mitarbeit und Mitgestaltung von Gemeindemitgliedern am Gottesdienst öffnet? Chor ja, aber nur für Männer, da dies so im Alten Testament war? Gruppenlieder ja, aber ohne Musikbegleitung?

In dieser Frage würde ich mir gerne mehr Licht wünschen.

Kategorie: Allgemein, Erbauliches

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem Bücher aus vergangenen Zeiten. An Sachbüchern, Lehrthemen und Biographien bin ich besonders interessiert. Ich wohne mit meiner Frau Elvira meiner Tochter Jasmina und meinem Sohn Dorian im Schwarzwald.

1 Kommentare

  1. Aron sagt

    Hallo Sergej,

    bei dieser Frage wirst du niemals mehr Licht bekommen. Wenn du meinen wirst: Jetzt habe ich es verstanden – wirst du nur deine Meinung bekräftigen.

    Einen Amisch z.B. wirst du niemals davon überzeugen, dass er seinen Gottesdienst falsch gestaltet, weil er in seiner Meinung festgefahren. Diese Traditionen werden schon seit Jahrhunderten gepflegt.

    Jede Gottesdienstgestaltung hat etwas mit Tradition zu tun.
    Die Christen in Afrika gestalten ihren Gottesdienst anders wie wir. Wir können aber nicht sagen, dass es falsch ist.

    Ich finde es von Gott richtig gut, dass er uns da einen Spielraum gelassen hat und wir dürfen diesen Spielraum auch nutzen. Wir Menschen aber möchten uns immer irgendeinen Rahmen schaffen, den wir fahren möchten. Nicht nur das, die Anderen sollen es auch tun, weil ich es für richtig halte.
    Wenn Gott uns einen Spielraum geschaffen hat, dann sollen wir diesen auch nutzen.

    Ich denke aus Gründen gibt es keine Bücher über dieses Thema.

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