Biografien, Erzählungen
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Gott vertrauen, denn er ist unser Vater!

Eine Erfahrung des China-Missionars Hudson Taylor

Hudson Taylor im Alter von 21 Jahren

„Dr. Hardey bezahlte Hudson Tailor sein Gehalt alle vier Monate. Nun, vier Monate sind eine lange Zeit, und manchmal wurde das Geld bei Hudson richtig knapp, aber er war nie vor dem nächsten Zahltag komplett pleite. Es war ein kalter Februar Tag und zwei Wochen vor seinem nächsten Gehalt, also wieder die Zeit, in der Hudsons Budget knapp wurde. Nun, mit guter Planung würde er es schon bis zur nächsten Auszahlung aushalten.

Dr. Hardey sagte zu ihm an diesem Abend: „Hudson, du weißt wie vergesslich ich manchmal bin. Erinnere mach daran, dass ich dir deinen Lohn rechtzeitig auszahle.“ Hudson war nicht dagegen, seine Mitmenschen an Verpflichtungen zu erinnern, aber als Dr. Hardey dies zu ihm sagte, überfiel ihn ein seltsamer Gedanke. Könnte das eine der Glaubensprüfungen sein, um die er in letzter Zeit gebeten hat? Wollte Gott seinen Glauben prüfen? Könnte es möglicherweise sein, dass Gott von Hudson möchte, dass er diese Angelegenheit in seine Hände überlässt. Nachdem Hudson darüber gebetet hat, entschied er sich, dass er diese Angelegenheit als Glaubensprüfung betrachten muss.

Also machte er eine Einigung mit Gott: Er würde Dr. Hardey nicht nach seinem Geld befragen, er würde Gott seine Angelegenheiten anvertrauen, unabhängig davon, was passiert. Drei Wochen strichen hin, und Hudson fühlte sich entmutigt. Nichts geschah. Er bat Gott dutzende Mal täglich darum, Dr. Hardey an seinen Lohn  zu erinnern. Warum tat Gott nichts? Es war Samstag Nacht, am nächsten Tag war seine Miete fällig und Dr. Hardey war bereits eine Woche im Verzug.

Das einzige was er an Geld parat hatte, war eine einzige Halbe Krone, und das war nicht genug, um die Miete zu bezahlen. Wann würde Gott handeln? und was würde seine Vermieterin sagen, wenn er seine Miete nicht bezahlen könnte? War es leichtsinnig gewesen, Gott zu versprechen, nicht nach dem Gehalt? Schließlich war es sein gutes Recht und Dr. Hardey schuldete ihm das Geld. Am Sonntag morgen erwachte Hudson mit einem Gefühl von mehr Glauben. Es war der Tag des Herrn und er war sich sicher, dass er an diesem Tag das Geld. Er teilte den Rest seiner Lebensmittel in zwei Teile und aß die eine Hälfte zum Frühstück. Er ging in die Kirche und schaute dabei die ganze Zeit auf den Boden, nur für den Fall, dass jemand Geld fallen gelassen habe, dass Gott für ihn vorbereitet hat. Es fand sich jedoch keines!

Nach der Versammlung stand er noch etwas herum, in der Hoffnung, dass jemand etwas Geld in seine Tasche stecken würde! Doch auch das geschah nicht! Etwas entmutigt ging Hudson wieder nach Hause in seine Hütte. Er wollte seinen Glauben einer Probe unterstellen und Gott vertrauen, aber irgendwie lief es anders  als er es geplant hat. Um von der Kirche nach Hause zu kommen, musste Hudson durch ein ziemlich mieses Viertel gehen. Es war voller irischer Immigranten, die ihr neues Leben in England genauso schwer und armselig empfanden wie das Leben in Irland.

Trotz des Rufes ein unsicheres Viertel zu sein, durch das Polizisten mindestens zu sechst durchzogen, fürchtete Hudson sich nicht besonders. Die meisten Menschen hier kannten ihn, als den jungen Mann, der Dr. Hardey assistierte. Und die Menschen hier respektierten Dr. Hardey, sie würden niemals Hand an seinen Assistenten anlegen. Hudson war bereits die halbe Strecke gegangen, als er einen unbekannten Mann auf ihn zu rennen sah. Dieser Mann packte Hudson am Arm und zog ihn  in eine Allee.“Es ist meine Frau. Sie stirbt, ich weiß es, sie wird sterben“, schluchzte der Mann im irischen Akzent. Hudson nickte. Der Mann musste wissen, dass er der Assistent von Dr. Hardey ist.

Der Mann sprach: „Ich weiß, dass du ein Mann Gottes bist, bitte komm und bete für sie.“ Hudson war überrascht. Der Mann schien des Gebetes mehr zu bedürfen als der Medizin für seine Frau. Hudson folgte schnell dem Mann, dessen Weg durch Haufen von Schutt und Müll führte. Überall standen Menschen und Kinder stierten neugierig aus den Ekcen. Es kam nicht oft vor, dass so ein Mann ihr Gebiet betrat.

Als Hudson diesen Weg ging, steckte er seine Hand in die Tasche und fühlte seine letzte halbe Krone. Wenn es doch bloß drei kleinere Münzen gewesen wären, würde ich froh dem Mann ein Drittel davon geben, was ich habe, dachte Hudson bei sich selbst. Nun waren sie angekommen: Hudson bestieg eine eiserne Treppe. Überall hingen zerlumpte Klamotten zum trocknen. Hudson holte tief Luft bevor er die Tür öffnente. Der Geruch im Zimmer war unerträglich.

In einer Ecke lag auf einem Haufen Lumpen eine Frau. Fünf bleiche Kinder standen um sie herum und starrten verständnislos auf sie. Ein dünnes Baby lag immer noch neben der Mutter, nur noch ein blasser Körper. Hudson besaß genug medizinische Erfahrung, um zu Erkennen, dass der Tod vor der Tür stand. Die Frau hat während der Geburt angefangen zu bluten. Einige abergläubische Frauen, die sich selbst als Hebammen bezeichneten, haben nicht genug Erfahrung besessen die Blutung zu stoppen. Statt einen Doktor zu rufen, ließen sie die Frau weiter bluten und nun war es zu spät. Hudson hat bis dahin schon einige ähnliche Fälle gesehen  während seiner Zeit bei Dr. Hardey. Immer war es eine doppelte Tragödie, ohne eine ernährende Mutter, würde das Baby ebenfalls sterben. Außerdem waren da noch die anderen fün Kinder. Was würde ihnen ohne eine Mutter zustoßen?

„Beten! Bitte Beten Sie!“, sprach der Ehemann der Frau, der hinter Hudson eintrat. Hudson dachte wieder an das Geldstück in seiner Tasche. Wenn ich doch gestern an der Bäckerei angehalten hätte, würde ich jetzt einen Schillig haben, den ich dem Mann geben könnte. Er räumte eine alte Zeitung weg, um sich neben der Frau hinknien. Der Raum war leise. Die Kinder starrten auf Hudson. Der Ehemann der Frau schloß seine Augen und neigte seinen Kopf. Die Frau rührte sich und verlor daraufhin das Bewusstsein.

Hudson fühlte, dass er etwas sagen sollte, bevor er mit dem Beten anfing. Er hustete kurz: „Jeder von uns sollte im Stillen mit beten und darauf vertrauen, dass Gott unsere Gebete beantwortet. Gott ist unser Vater und er erwartete von uns, dass wir ihm vertrauen, selbst wenn wir mit unseren natürlichen Augen nicht erkennen können, wie die Dinge besser werden sollen. Gott erwartet, dass wir die Augen unseres Glaubens verwenden. Er verspricht, dass er uns nie verlassen oder vergessen wird.“

Als er sprach, schien es Hudson, dass der ganze Raum zu einem riesigen Echo anschwellte. Alles was er diesem armen Mann und seiner Familie sagte, schien fünf mal lauter zu ihm zu sprechen. Gott war auch sein Vater. Er versprach ihm, dass er ihn nie verlassen noch vergessen wird. Warum nun konnte Hudson nicht das ganze Geldstück in seiner Tasche weggeben? Hudson versuchte weiter zu sprechen, doch mit jedem Wort fiel ihm dies schwerer. Wie konnte er diese Familie zum Gottvertrauen ermuntern, wenn er selbst nicht Gott trauen konnte.

Schließlich konnte Hudson nicht mehr weitersprechen und begann zu beten: „Vater unser, der du bist im Himmel!“ Wieder hörte er es für sich selbst ganz deutlich: Gott ist dein Vater, aber du weigerst dich, ihm zu vertrauen. Nun konnte Hudson nicht mehr. Er stand auf, holte das Geldstück aus der Hosentasche und sprach zu dem Familienvater: „Gott ist mein Zeuge, mehr Geld besitze ich nicht! Jedoch kann ich Gott vertrauen, und deswegen möchte ich es euch geben!“. Nun  war Hudson von Herzen froh. Als er dieses Haus verließ zählte er sich zu dem glücklichsten Menschen hier auf Erden. Zu Hause angekommen aß er sich satt und schlief bald ein…“

Dies ist eine kleine Erzählung aus dem Leben des großen China Missionars Hudson Taylor. Als Junger Mensch schon spürte er das Verlangen Gott nachzufolgen und hörte seinen Ruf Missionar zu werden. So war sein ganzes Leben darauf ausgerichtet, diesem Ruf bereits in England nachzukommen. So wollte er auch in finanziellen Dingen anfangen Gott zu vertrauen. Die oben geschilderte Erzählung erlebte er mit etwa 20 Jahren. Trotzdem, dass Hudson sein letztes Geld abgab, versorgte Gott ihn auf wunderbare Weise. Auch diese Frau, die eigentlich in den letzten Zügen lag, genas auf wunderbare Weise. So lernte Hudson bereits in England, wie man Gott vertrauen kann.

Kategorie: Biografien, Erzählungen

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem Bücher aus vergangenen Zeiten. An Sachbüchern, Lehrthemen und Biographien bin ich besonders interessiert. Ich wohne mit meiner Frau Elvira meiner Tochter Jasmina und meinem Sohn Dorian im Schwarzwald.

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