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„Frieden im Klassenzimmer“

Antisemitismus in einer Kinderzeitschrift

„Pädagogisch wertvoll“, „werbefrei“, „empfohlen von der Stiftung Lesen“ sind nur einige der Lobeshymnen, mit der die Kinderzeitschrift „Benni“ beworben wird. In der Tat ist die Aufmachung gelungen, das Magazin ist durchaus konservativ angelegt und ich habe ein Exemplar in einer katholischen Kirche bekommen. Eine Recherche zeigt auch die Herkunft des Magazins aus dem Weltbild-Verlag.

BENNI Cover

Was natürlich jedem sofort klar wird, wenn er sich säkulare Kinderzeitschriften anschaut, wie „Geolino“, „Dein Spiegel“ etc., ist die unglaubliche Meinungsbevormundung in diesen Zeitschriften. Man gehe nur mal in die Bibliothek und mache sich selbst ein Bild davon. Die Thematiken sind vorgegeben. Es wird in den besten Tönen von einem wachsenden Europa geschrieben, in „Dein Spiegel“ las ich vor einiger Zeit, wie schädlich und töricht doch der Brexit sei, und einige Politiker wollen sich total gegen jede Logik einer wachsenden Globalisierung stellen.

Vegetarismus ist total in, Protektionismus definitiv out. Eine liberale, freie Gesellschaft ist total toll, vor allem wenn Europa noch mehr zusammenwächst usw. Neutrale Berichterstattung wird ja immer seltener, in Kindermagazinen gehört diese längst der Vergangenheit an. Die Ziele sind bekannt, die Berichte werden entsprechend angepasst. Aber selten habe ich einen derart manipulierten Artikel gelesen, wie den hier unten aufgeführten.

Beim Schnuppern in der Benni-Zeitschrift 11-2017 bin ich auf S. 10 f auf den Artikel „Frieden im Klassenzimmer“ gestoßen, die von zwei Freundinnen berichten. Von der Jüdin Tulip und der Araberin Ayelet, die eine von den Sternsingern Deutschlands unterstützte Schule in Israel besuchen. In einer Detailbeschreibung am Rand heißt es zur Frage „Warum haben Juden und Araber Angst voneinander?“

Das ist schon seit ganz langer Zeit so. Auch Tulip und Ayelet spüren diese Angst und manchmal sogar Hass. Nach hunderten Jahren, in denen die Juden in vielen Teilen der Welt verfolgt wurden, haben sie auf dem Gebiet von Palästina ihren eigenen Staat gegründet. Diesen Staat nannten sie Israel. Aber die Araber, die dort vorher lebten, mussten vor den jüdischen Soldaten fliehen und verloren ihre Häuser und ihr Land. Deshalb bekämpfen sich heute noch viele Juden und Araber. Dieser Streit wird auch „Nahost-Konflikt“ genannt.

Kein Wort darüber, warum es gerade Palästina war, dass ein UN-Mandat dafür vorlag, dem sogar die Sowjetunion zustimmte, dass gerade Palästina geteilt wurde. Natürlich erwähnt man auch nichts von der Kolonialisierung durch das britische Empire.  Dass man zudem auf jeglichen Bezug zum Alten Testament verzichtet, ist natürlich ein Teil der Säkularisierung, aber am gravierendsten ist, dass es Israel sein soll, das die Palästinenser vertrieb. Was ist mit dem Unabhängigkeitskrieg der noch in der Nacht der Staatsgründung begann? Immerhin sechs arabische Staaten, die allesamt mächtiger waren, waren dabei die Juden zu vertreiben. Die Gegenreaktion auf diesen Krieg kann man natürlich so ausdrücken, wie weiter oben fett markiert, aber dann ist es halt das, was man allgemein als Antisemitismus bezeichnet: Veränderung oder Verschleierung von Tatsachen um eine antijüdische Einstellung zu fördern.

Auf der Schule von Ayelet wird auch arabisch gelernt, das lobt das Magazin in den höchsten Tönen, so heißt es dort:

Normalerweise lernen jüdische Kinder fast gar kein Arabisch in der Schule. Ihre Muttersprache, das Hebräisch, ist die israelische Amtssprache. Arabische Kinder dagegen müssen Hebräisch lernen, um in Israel zurechtzukommen. Zum Beispiel wenn sie studieren wollen.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum Sie nicht in den Palästinenser-Gebieten studieren wollen. Die Antwort liefert uns Wikipedia:

Die erhoffte Herausbildung staatlicher Strukturen wurde jedoch von zwei wesentlichen Faktoren gehemmt: Zum einen die fortgesetzte israelische Besatzung, zum anderen die Politik der PLO, vor allem die des Präsidenten der Autonomiegebiete, Jassir Arafat. So wurden in den 1990er-Jahren zwar verschiedene Behörden und ein großer Sicherheitsapparat geschaffen, jedoch „Anstrengungen hinsichtlich der Etablierung moderner staatlicher Strukturen hintangestellt“, darunter vor allem politische Integration und Partizipation oppositioneller und/oder gesellschaftlicher Organisationen sowie sozioökonomische Entwicklungen; Universitäten, Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Energie- und Wasserversorgung, Kläranlagen, Müllabfuhr, freie Märkte etc., wurden unterentwickelt.

So gerne dies wahrscheinlich manche der Feinde Israels hören würden, aber das Palästina heute keine anständigen Schulen, geschweige Unis, keine anständige Infrastruktur besitzt, ist ein Großteil der eigenen Schuld. Die Regierung der Autonomie Palästinas ist oft so voller Hass und Kriegslust, dass keine Energie mehr für die Entwicklung von Eigenstaatlichkeit bleibt. Keine Region bekommt mehr Entwicklungshilfe und macht wohl weniger daraus. Hier die Fakten zu verdrehen, ist wieder ein Hinweis auf Antisemitismus.

Interessant ist auch ein kleines Detail im Artikel:

Ihre Schule liegt im Land Israel, das früher Palästina hieß

Da die Autoren im nächsten Satz dazu keinen Bezug mehr nehmen, frage ich mich, was sie uns damit sagen wollen. Aufgrund der sonstigen Ausführungen des Artikels vermute ich auch an dieser Stelle eine Meinungsmache, die bei der Zielgruppe der Zeitschrift durchaus Frucht tragen kann. Man möchte schon andeuten, dass das Land definitiv den Palästinensern gehört, sonst würde es ja nicht Palästina heißen. Israel ist wohl nur eine künstliche /technische Bearbeitung. Wie das wohl die Römer sahen?

Wie sehr die Welt tobt, wenn christliche Kinderzeitschriften die Kinder aufrufen, sich für Christus zu entscheiden. Eine derartige Bevormundung möchte Sie nicht ertragen. Doch  säkulare Zeitschriften betreiben eine Bevormundung sondergleichen.

Zwischendurch heißt es auch

Als gläubige Moslems beten Palästinenser fünfmal am Tag

Ein Kommentar zur Frömmigkeit jüdischer Kinder ist zwar auch da, heißt aber

Ein jüdischer Junge liest aus der Thora

Der Schluss des Artikels setzt der Hetze jedoch die Krone auf, dort heißt es:

Ayelet und Tulip werden noch bis zur zwölften Klasse gemeinsam zur Schule gehen. Dann wird Ayelet wie alle jüdischen Israelis als Soldatin zum Militär gehen müssen- und vielleicht sogar einmal gegen Verwandte von Tulip in den Krieg ziehen. Dagegen kann auch die Schule nichts unternehmen. Aber immerhin wissen Ayelet und Tulip: Man kann befreundet sein, obwohl die eigenen Völker es nicht sind.

Warum die Autoren nicht sagen, dass Tulip im selben Zug dann womöglich Terroranschläge organisieren wird, bleibt mir schleierhaft. Ich bin ja für eine faire Beurteilung des Nah-Ost-Konflikts. Und Ja, Israel hat vieles falsch gemacht, hierin, aber ich werde mich immer auf die Seite Israels stellen, wenn ich derart voreingenommene und einseitige Berichterstattung finde.

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