Bibelkommentare, Biblische Lehre
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Four Views of Christ

Wertvolle Hilfe zum Bibelstudium von Andrew Jukes

Aktuell sind wir dabei unseren Umzug vorzubereiten. Das hat zur Folge, dass die meisten Bücher aktuell in großen Kartons abgepackt auf das große Schleppen warten (siehe Beweisfoto weiter unten im Text).

So weit so gut, hat man doch jetzt ja nur wenig Zeit zum Lesen, und habe ich etwa 10 Bücher vor dem Verpacken bewahrt. Leider ist mir ein Buch durch die Finger gegangen, welches ich schon lange vorstellen wollte: „Four Views of Christ“.

Wie der Name des Buches es vermuten lässt, geht es dem Autor hierbei darum, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede in der Darstellung der Person Jesu Christi in den vier Evangelien darzustellen. Obwohl prinzipiell vieles bekannt sein sollte; so z. B. die Tatsache, dass Jesus von Matthäus als König, von Markus als Knecht, als Menschensohn von Lukas und schließlich als Gott von Johannes dargestellt wird, geht dieses Buch auf wenigen Seiten in eine sehr detaillierte Betrachtung.

Es gelingt dem Autor, auf die großen Unterschiede in den Evangelien hinzuweisen, aber auch auf die zahlreichen Details und Nuancen, die immer eine bestimmte Perspektive Christi darstellen. Dabei gibt es nur für den Ungläubigen unüberwindbare Diskrepanzen. Der Christ ist vertraut, und weiß, dass auch vier Perspektiven die völlige Vollkommenheit und Gottheit nicht ausreichend darstellen können (Wir sahen seine Herrlichkeit, wie eine Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes vom Vater. Joh. 1.14).WP_20151024_002

So wird im Matthäus-Evangelium ein Stammbaum erwähnt, was natürlich bei einem König mehr als selbstverständlich ist. Dies wäre es für einen Knecht nicht, deswegen auch keinerlei Rede vom Stammbaum bei Markus, noch viel weniger darüber, wie Christus geboren ist. Erst durch das Lesen dieses Buches bin ich auf ein sehr feines Detail des Markus-Evangeliums aufmerksam geworden. Jesus wird hier nie, nicht einmal von den Jüngern, mit „HERR“ angesprochen. Selbst wenn dieselbe Frage in einem anderen Evangelium mit HERR anfängt, fehlt dies im Markus-Evangelium. (Hier muss hinzugefügt werden, dass das Wort „HERR“ im Markus Evangelium doch einmal gebraucht wird, nämlich als ein Vater mit seinem besessenem Sohne zu Jesus eilt (Mk. 8,25). Jukes weißt aber darauf hin, dass dieses Wort nur in wenigen Manuskripten überliefert ist).

So zeichnet sich das Lukas-Evangelium durch besondere Menschlichkeit aus. Man denke nur an die Geschichte mit Zachäus oder an das Kapitel 15. Zudem wird hier der Stammbaum Jesus auf den ersten aller Menschen zurückgeführt.

Auch die Autoren der Evangelien wählte der Heilige Geist passend aus. Markus, der selber ein Diener war, kann sehr gut nachempfinden, was es für Jesus bedeutet hat, dass er nicht einmal Zeit zum Essen oder Raum fand, sich hinzusetzen. Im Markus Evangelium lehrt Jesus am wenigsten. Nur vier Gleichnisse finden wir hier. So anders im Matthäus-Evangelium, dem Evangelium vom Reich der Himmel. Wieder ein kennzeichnender Begriff, wird doch in den anderen Evangelien vom Reich Gottes gesprochen.

Schließlich ist das vierte Evangelium das, welches den Sohn in seiner ganzen Pracht zeigt. „Wer hier nicht Gottes Sohn erkennt, erkennt nichts“, wie Jukes anmerkt. Abgeschlossen wird dieses kleine Büchlein mit dem Hinweis auf die gemeinsame Perspektive: Solus Christus.

Ein überaus hilfreiches Buch, welches mir für meine Predigerarbeit große Dienste getan hat. Prädikat: Pflichtlektüre für jeden, der Bibelarbeit betreibt. Leider ist dieses kostbare Buch nicht auf deutsch erhältlich. Das Buch ist unter anderem hier erhältlich.

4 Kommentare

  1. Kunigunde Kreuzerin sagt

    Zitat: (Hier muss hin­zu­ge­fügt wer­den, dass das Wort „HERR“ im Mar­kus Evan­ge­lium doch ein­mal gebraucht wird, näm­lich als ein Vater mit sei­nem beses­se­nem Sohne zu Jesus eilt (Mk. 8,25). Jukes weißt aber dar­auf hin, dass die­ses Wort nur in weni­gen Manu­skrip­ten über­lie­fert ist).

    Hallo Sergej, gemeint ist aber sicher Mk 9:24. In sehr wenigen Manuskripten heißt es: „Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube Herr; hilf meinem Unglauben!“

    Hingegen – und zwar in allen wichtigen Manuskripten – wird Jesus von der syrophönizischen Frau in Mk 7:28 als Herr (Kyrios) angesprochen.

    Außerdem scheint der geheilte Gerasener Jesus für den Herrn zu halten, denn es heißt in Mk 5:19-20: „19 Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Wohltat dir der HERR getan und wie er sich deiner erbarmt hat. 20 Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, welch große Wohltat ihm JESUS getan hatte …“

    Im Übrigen kommt das Wort Herr noch einige Male im Markusevangelium, jedoch nicht speziell für Jesus.

    Ich hoffe, dass kommt jetzt nicht so Klugscheißer-mäßig rüber 😉 Fiel mir nur beim Lesen auf.

    Lieben Gruß, Kunigunde

  2. Sergej Pauli sagt

    Hallo Kunigunde Kreuzerin,
    danke für den Hinweis. Da scheint bei dir eine große Kapazität an Bibelwissen vorhanden zu sein. Wie wärs mit einem Einstieg bei Nimm-Lies. Wir suchen immer freudige und erfahrene Rezensenten.
    Danke für den Hinweis bezüglich des Bibelverses. Wie gesagt, dass Buch liegt leider im Karton, da musste ich die Rezi aus der Erinnerung heraus erstellen.

    Danke auch bezüglich Mk. 7,28. Das hat Jukes wohl übersehen, ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob der Autor nicht vor allem ausarbeitet, dass Jesus von seinen Jüngern nicht als Herr angerufen wird.

    IN Kap. 5 muss man relativierend hinzufügen, dass er dass nicht direkt zu Jesus sagt.

  3. Kunigunde Kreuzerin sagt

    Danke für das nette Angebot, es ehrt mich sehr. Vielleicht komme ich mal darauf zurück und mache als eine Art „Gastkommentar“ eine Buchbesprechung. Lieben Gruß, Kunigunde

  4. Sergej Pauli sagt

    Hallo Kunigunde Kreuzerin,

    Unbedingt! Nur keine falsche Bescheidenheit

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