Biografien, Erzählungen

Engel gibt’s wirklich — Ich war 27 Stunden verschüttet

von Genelle Guzman-McMillan & William Croyle

http://brunnen-verlag.de

Der 11. Sep­tem­ber 2001 hat sich für immer in unser Gedächt­nis ein­ge­brannt. Jeder hat die­sen Tag auf sei­ne Art in Erin­ne­rung. Vie­le wis­sen ganz genau, wo sie waren und was sie taten als sie die Nach­richt von den Ter­ror­an­schlä­gen auf das World Tra­de Cen­ter in New York und auf das Pen­tan­gon in der Nähe von Washing­ton hör­ten. Doch nur die wenigs­ten erleb­ten die­sen Tag wie Genell Guz­man-McMil­lan. Tau­sen­den erging es an dem Tag wie ihr, die in einem der Tür­me in New York gear­bei­tet haben, aber den Schre­ckens­ort nicht vor dem Zusam­men­bruch ver­las­sen konn­ten. Sie gehört jedoch zu den weni­gen Über­le­ben­den und berich­tet davon in ihrem Buch Engel gibt’s wirk­lich — Ich war 27 Stun­den ver­schüt­tet.

Genel­le Guz­man wuchs in einem kon­ser­va­ti­ven katho­li­schen Eltern­haus auf. Doch für Genel­le war die Reli­gi­on wie eine Zwangs­ja­cke, die sie los wer­den woll­te. Sie sehn­te sich nach Frei­heit und Unab­hän­gig­keit. Auch von ihrem ers­ten Ehe­part­ner Elvis trenn­te sie sich, weil er nicht woll­te, dass sie mit ihren Freun­den in Clubs und auf Par­tys ging. Sie woll­te ihren größ­ten Wunsch und Kind­heits­traum in Erfül­lung brin­gen und eine berühm­te Tän­ze­rin wer­den. Dafür war sie sogar bereit ihre Toch­ter bei Elvis zu las­sen und nach New York zu zie­hen. Ihr frei­zü­gi­ges (Nacht-)Leben, ihre zahl­rei­chen Jobs und auch ihr neu­er Part­ner füll­ten ihre Tage aus.

Über eine Zeit­ar­beits­fir­me bekam sie irgend­wann eine gute Stel­le bei der Hafen­be­hör­de und arbei­te­te seit­dem im 63. Stock­werk des 110-stö­cki­gen Nord­tur­mes in New York. Der 11. Sep­tem­ber 2011 war für sie ein ganz gewöhn­li­cher Arbeits­tag, bis sie ein selt­sa­mes Geräusch hör­te — „ein ver­hal­te­nes, dump­fes Brum­men, ein grol­len­des Zit­tern, das durch den Fuß­bo­den, die Decke und die Wän­de ging, ein pul­sie­ren­der Bass, der von einem Ende des Rau­mes zum ande­ren ging.“ Und danach war nichts mehr gewöhn­lich und nor­mal. Um 8.46 Uhr fliegt ein Pas­sa­gier­flug­zeug zwi­schen dem 93. und 99. Stock­werk in den Nord­turm, wo Genel­le sich gera­de mit ihrer Kol­le­gin unter­hält. Erst gegen 10 Uhr ver­las­sen Genell und mit ihr 15 Per­so­nen ihr Büro, um über das Trep­pen­haus nach unten zu gelan­gen. Als sie sich im 12. Stock­werk befin­den, haben sie bereits über 1000 Trep­pen­stu­fen bewäl­tigt. Doch in die­sem Augen­blick fällt der Turm in sich zusam­men.

Kann man über­le­ben, wenn 100 Stock­wer­ke auf einen fal­len? Wenn ja, dann wie? 27 Stun­den liegt sie leben­dig begra­ben in einem Berg von Beton und Stahl. Ein­ge­klemmt liegt sie dort, ohne sich rüh­ren zu kön­nen. Was sich aber rührt, das sind ihre Gedan­ken. In die­sen dra­ma­ti­schen Stun­den beginnt sie, zu beten. Zunächst betet sie das „Ave Maria“, wie sie es in der Kind­heit tun muss­te. Spä­ter redet sie mit Gott mit eige­nen Wor­ten über ihr ver­gan­ge­nes Leben, bit­tet um Ver­ge­bung und fleht um Gna­de.

All­mäh­lich begann ich zu begrei­fen, wie Gott sich all die Jah­re gefühlt haben muss­te, als er zu mir sprach und ich mei­ne Ohren auf Durch­zug gestellt hat­te. War das für ihn genau­so schmerz­lich gewe­sen?

„Gott, jetzt ver­steh ich dich!“, rief ich. „Wirk­lich! Bit­te glau­be mir!“ Ich hat­te nicht gedacht, dass mein inne­rer Zer­bruch noch wei­ter gehen konn­te, aber die­se neue Erkennt­nis war gleich­sam die nächs­te häss­li­che Haut, die Gott von mir abschäl­te. Ich war froh, sie los zu wer­den.

Nach län­ge­rer Zeit des Rin­gens mit Gott kann sie ihm ver­spre­chen, wenn sie leben­dig her­aus­kommt, so zu leben, wie er es möch­te. Das war 23 Stun­den nach dem Ein­sturz. Gott erhör­te ihr Gebet, in dem er ihr — wie sie schreibt — einen Engel schickt. Sie sieht ihn nicht, hört ihn aber. Er hält ihre Hand und ver­spricht ihr, dass sie da raus kommt.

Vier Stun­den spä­ter wird sie — was für ein Wun­der — von Ret­tungs­hel­fern gebor­gen und beginnt ein neu­es Leben. Sie ist fest ent­schlos­sen, ihre zwei­te Chan­ce für Gott zu nut­zen. Wäh­rend und nach län­ge­rem Kran­ken­haus­auf­ent­halt arbei­tet sie inten­siv an ihrer Bezie­hung zu Gott und ord­net ihr Leben. Sie hei­ra­tet nicht nur ihren Freund, weil ein Zusam­men­le­ben ohne Hei­rat nicht Got­tes Wil­le ist, son­dern lässt sich auch am glei­chen Tag in einer Frei­kir­che tau­fen.

Das Buch ent­hält eine erstaun­li­che und ein­ma­li­ge Geschich­te. Detail­liert und span­nend wird das Gesche­hen vor und nach dem Ein­sturz erzählt. Ein­ge­floch­ten wer­den zahl­rei­che Erin­ne­run­gen an ihr frü­he­res Leben. Sie war auf der Suche nach Lebens­glück, muss­te haut­nah das Grau­en des 11. Sep­tem­ber erle­ben, fin­det auf die­sem Weg zum leben­di­gen Gott und hält ihr Ver­spre­chen, das sie Gott leben­dig begra­ben unter den Trüm­mern gege­ben hat.

Das Buch hat lei­der auch eini­ge Schwä­chen. Auch wenn ich Engel­be­geg­nun­gen kri­tisch beur­tei­le, glau­be ich dar­an, dass Gott auch heu­te noch sei­ne Engel sen­det, um Men­schen zu hel­fen. Schwie­ri­ger sehe ich ihre Andeu­tun­gen, dass Gott Men­schen auch ohne Glau­ben an Chris­tus in den Him­mel auf­nimmt. Sie schreibt z.B.: „Einen beson­de­ren Platz in mei­nem Her­zen haben die Men­schen, die aus den obe­ren Eta­gen in den Tod spran­gen. […] Ich habe kei­nen Zwei­fel, dass Gott so schnell, wie ihre Kör­per unten auf­schlu­gen, ihre See­len zu sich in den Him­mel hol­te.“ Die­se Hoff­nung ist umso erstaun­li­cher, weil sie selbst ja unter den Trüm­mern rich­tig erkann­te, dass sie ohne Gott in die Höl­le kom­men wür­de. Auch ihre Gemein­de bekennt in ihrem Glau­bens­be­kennt­nis: „Wir glau­ben an die ewi­ge Erret­tung der Gläu­bi­gen und die ewi­ge Ver­damm­nis und Qual der Ungläu­bi­gen.“ Die Bibel lässt auch kei­ne ande­ren Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten zu. Nichts­des­to­trotz ist das Buch Engel gibt’s wirk­lich eine her­aus­for­dern­de, span­nen­de und berei­chern­de Lek­tü­re.

Titel: Engel gibt’s wirk­lich — Ich war 27 Stun­den ver­schüt­tet
Autor: Genel­le Guz­man-McMil­lan, Wil­liam­Croyle
Sei­ten: 192
For­mat: 14 cm x 21 cm
Ein­band: Hard­co­ver
Jahr: 2012
Ver­lag: Brun­nen Ver­lag
ISBN: 978−3−7655−1221−6
Preis: 14,99 EUR
erhält­lich bei: Brun­nen Ver­lag, SCM Shop
als eBook für 11,99 EUR bei ceBooks.de
Lese­probe: ceBooks.de

Ich bedan­ke mich recht herz­lich bei Blogg dein Buch und dem Brun­nen Ver­lag, wel­che mir freund­li­cher­wei­se die­ses Rezen­si­ons­ex­em­plar zur Ver­fü­gung gestellt haben!

Kategorie: Biografien, Erzählungen

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern in Baden-Württemberg.

5 Kommentare

  1. Die Bibel lässt auch kei­ne ande­ren Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten zu.

    Dafür ken­ne ich aber dann arg vie­le Chris­ten, die die Bibel anders inter­pre­tie­ren.

  2. Eduard Klassen sagt

    Muri­el, ich müss­te ergän­zen: Nach mei­nem Ver­ständ­nis und der der tra­di­tio­nel­len pro­tes­tan­ti­schen Leh­re, lässt die Bibel kei­ne ande­re Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten zu.

  3. Das ist aber ein biss­chen geschum­melt. Klar, wenn man alle ande­ren Inter­pre­ta­tio­nen aus­schließt, bleibt nur noch eine übrig.
    Na gut, ich hab da als mili­tan­ter Athe­ist eh kei­ne Akti­en drin, ich fand es nur irgend­wie inter­es­sant.

  4. Robert sagt

    Die­se Inter­pre­ta­ti­on ist mit­nich­ten eine Ein­zel­mei­nung, die alle ande­ren aus­schließt. Dass es kein Heil außer­halb von Jesus Chris­tus gibt, ist die Basis des christ­li­chen Glau­bens. Das ist der kleins­te (aber gewich­tigs­te!) gemein­sa­me Nen­ner unter allen christ­li­chen Kon­fes­sio­nen. Dar­an gibt es nichts zu rüt­ten. Wenn du also, lie­be Muri­el, Chris­ten begeg­net bist, die die Bibel in die­sem Zusam­men­hang anders inter­pre­tie­ren, dann bist du da einer ganz gemei­nen Täu­schung oder zumin­dest einem gewal­ti­gen Miss­ver­ständ­nis auf­ge­ses­sen.

  5. Dass du kei­ne Ein­zel­mei­nung ver­trittst, ist mir schon klar, und ich selbst lese die Bibel auch wie du, aber miss­ver­stan­den habe ich da auch nichts. Es gibt nun mal auch Chris­ten, die das anders sehen, und wenn sie schon nicht die Bibel auf ihrer Sei­te haben, haben sie es ande­rer­seits leich­ter, ihre Moral zu recht­fer­ti­gen, was in mei­nem Augen ein nicht zu unter­schät­zen­der Vor­teil ist.

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