Biblische Lehre
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Endzeit? Eigentlich ganz einfach!

von Samuel E. Waldron

Waldron: Endzeit? Eigentlich ganz einfach!Mal ehrlich, wenn du dich mit der Endzeit beschäftigt hast, wirst du zugeben: Eschatologie (die Lehre von den letzten Dingen) ist ganz sicher kein einfaches Feld. Und wer kann schon auf die vielen Detailfragen zur biblischen Prophetie immer eine begründete Antwort geben? Und vielleicht geht es dir genauso wie mir. Ich habe versucht ein allgemeines Verständis, einen Überblick von der Endzeit zu gewinnen. Doch die unterschiedlichen Endzeitkonzepte verwirren. Die Diskussionen mit Andersdenkenden enden im Frust. Ermüdet legt man das Thema beiseite, denn es wird ja sowieso alles so kommen, wie es kommen soll. Lasst uns wachen und beten und freuen auf die Wiederkunft Christi. Doch dann stößt man beim regelmäßigen Bibellesen auf Aussagen über die Endzeit und dann darf man nicht einfach darüber hinwegsehen.

Eschatologie ist ein fester und wesentlicher Bestandteil des Evangeliums. Das ist die Hauptthese von Samuel E. Waldron in seinem Buch Endzeit? Eigentlich ganz einfach!:

Bei der biblischen Prophetie geht es somit um nichts anderes als um das Evangelium Christi – um sein Kreuz und seine siegreiche Auferstehung und Wiederkunft und die Ausbreitung seines Reiches. (S. 10)

Eigentlich ganz einfach. Das behauptet zumindest der Autor. Und bevor er es dem Leser einfach macht, gibt er in der Einleitung einen Überblick über die verschiedenen Endzeitmodelle. Ganz gleich welchem System man sich persönlich zuordnet, einfach sind dieses Systeme nicht. Doch wer dann zu der Schlussfolgerung kommt, Systeme sind unnötig und womöglich sogar unbiblisch, weil sie eine Neigung zum Irrtum in sich tragen, geht ebenfalls einen gefährlichen Weg. Waldron orientiert sich in seinem Buch an folgenden Prinzipien der Schriftauslegung, die Irrtümer und Akzentverschiebungen in Systemen vorbeugen sollen:

  1. die klaren Stellen vor den schwierigen untersuchen;
  2. die wörtlich gemeinten von den bildlichen;
  3. die allgemeinen vor den spezielleren.

Mir ist kein Endzeitbuch bekannt, dass diese Prioritäten setzt und klar verfolgt. Auch wenn die Unterscheidung zwischen diesen Polen nicht immer einfach ist. Gerade bei Punkt 2 kann es zu Differenzen kommen. Nichtsdestotrotz sind das hemeneutische Grundregeln. Waldrons Argumentation geht meistens von den Evangelien aus, über die Briefe des NT hin zur Offenbarung und den Prophezeihungen des AT. Die Grundlage für das Verständnis der Eschatologie ist das biblische Konzept des Reiches Gottes. In Teil 2 des Buches habe ich eine schlüssige und einfach zu verstehende Auslegung bekommen. Die Lektüre des Buches hat sich schon allein wegen dieser 50 Seiten gelohnt. In Teil 3 bis 5 werden spezielle Frage behandelt:

  • Hat die Gemeinde die Drangsal zu erwarten?
  • Zusammengehörigkeit von Israel und Gemeinde
  • Scheol, Hades und Hölle
  • Der Himmel auf Erden? Vernichtung oder Erneuerung?

Je weiter ich im Buch las, desto klarer wurde mein Endzeitverständnis. Zeitweilig habe ich gedacht: Ok, so einfach ist das nun auch nicht. Im letzten Kapitel (Der Himmel auf Erden? Vernichtung oder Erneuerung?) war ich nicht mit allen Erklärungen einverstanden. Einige Detailfragen bleiben bei mir weiterhin offen. Doch Samuel E. Waldron hat es geschafft, mich aus meiner Endzeit-Lethargie herauszuholen. In vielen Bereichen wurde mein Verständnis bestätigt und ergänzt und korrigiert. Ich habe das Buch seit Erscheinen mehrere Male als Nachschlagewerk benutzt. Das Bibelstellenverzeichnis ist mir dabei sehr nützlich gewesen. Von ca. 20 Büchern zur Endzeit, steht dieses Buch bei mir auf Platz Nummer 1 in meiner Bibliothek. Vielen Dank an den Betanien Verlag für die deutsche Ausgabe.

Titel: Endzeit? Eigentlich ganz einfach!
Autor: Samuel E. Waldron
Sei­ten: 288
For­mat: 14 x 21 cm
Ein­band: Taschen­buch
Jahr: 2013
Ver­lag: Betanien Verlag
ISBN: 9783935558433
Preis: 14,90 EUR
erhält­lich bei: cbuch.de
Leseprobe: cbuch.de

Kategorie: Biblische Lehre

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren drei Söhnen in Baden-Württemberg.

3 Kommentare

  1. Bernd Grunwald sagt

    Die End­zeit ist wirk­lich ganz ein­fach, aller­dings ist sie nicht so wie Wald­ron sie sich vor­stellt. Viele Chris­ten haben da eine völ­lig andere Sicht. Wald­ron kann z.B. den jüngs­ten Tag nicht erklä­ren. Es gibt dazu inzwi­schen ein neues Buch. Georg Wal­ter hat die­ses Buch mit dem Titel „Bis es Tag wird — der Tag im Fokus der bib­li­schen Pro­phe­tie“ rezen­siert und als her­vor­ra­gend beur­teilt. Die Rezen­sion von Georg Wal­ter fin­det sich hier: http://distomos.blogspot.de/2015/07/bis-es-tag-wird.html

  2. Eduard Klassen sagt

    Lieber Bernd, Waldron hat durchaus eine plausible und einfache Erklärung zum jüngsten Tag. In Kapitel 5 behandelt er dieses Thema. Seine These lautet: „Es wird nur ein einziges Gericht über alle Menschen geben, über Lebende und Tote, Gerechte und Ungerechte; und dieses Gericht wird bei der Wiederkunft Christi stattfinden.“ Mit folgenden Bibelstellen beweist er diese Ansicht: Mt 25,31-46; Röm 2,5-16; 2Petr 3,3-13.
    Das von Dir geschriebene Buch ist sicher lesenwert. Die Rezension von Georg Walter vermittelt einen guten Einblick. Bei Gelegenheit werde ich es auch lesen. Auch wenn ich wahrscheinlich in manchen Bereichen eine andere Auffassung habe.

  3. Bernd Grunwald sagt

    Lieber Eduard,

    Sorry, aber ich kann den jüngsten Tag in Waldrons Kapitel 5 partout nicht finden. Statt dessen lese ich hier viel vom sogenannten „jüngsten Gericht“. Nun ja, abgesehen davon, dass die Bibel nur vom „jüngsten Tag“, nicht aber vom „jüngsten Gericht“ spricht (letzteres ist somit „nur“ eine Definition der Theologen), vermute ich mal, dass Du den „jüngsten Tag“ nicht vom „jüngsten Gericht“ unterscheidest. Diesen Fehler machen leider Viele. Sie nehmen eine Zeit (Tag) und setzen sie einem Ereignis (Gericht) gleich. Doch das ist unzulässig. Es ist auch sprachlich (semantisch) unmöglich. Ereignisse definieren sich durch ihren jeweiligen Inhalt, Zeiträume dagegen durch ihre jeweilige Länge (oder Dauer). Das sind zwei grundverschiedene Dinge, die man auf keinen Fall gegeneinander austauschen bzw. semantisch gleichsetzen darf. Fazit: mit einer unzulässigen Gleichsetzung kann man den jüngsten Tag bestimmt nicht erklären.

    Trotzdem bietet Waldron eine Erklärung zum jüngsten Tag, allerdings steht sie nicht in Kapitel 5, sondern in Kapitel 3. Auf Seite 44 zitiert er Johannes 6,39 und definiert den in dieser Stelle erwähnten jüngsten Tag wie folgt: „Der letzte Tag dieses Zeitalters ist der Tag der Wiederkunft Christi; er ist zugleich der erste Tag des kommenden Zeitalters.“ Nun, eine ähnliche Vorstellung vom jüngsten Tag hat auch Werner Mücher, obwohl er als Dispensationalist eine völlig andere eschatologische Sicht als Waldron vertritt. Mücher schreibt in seinem Buch „Tausend Jahre Frieden“ auf Seite 77: „Die Bezeichnung »der letzte Tag« ist ein Ausdruck für den Abschluss einer Zeitepoche, auf die eine andere Zeit folgt, nämlich die Zeit des Friedensreiches.“ Beide, Mücher genau so wie Waldron, machen hier leider den gravierenden Fehler, dass sie dem letzten Tag noch weitere Tage folgen lassen. Doch würde ihm auch nur ein einziger Tag folgen, wäre er nicht mehr der letzte Tag. Waldron setzt sich sogar völlig über die Bedeutung des Wortes „letzter“ hinweg und macht den „letzten“ Tag sogar noch zum „ersten“ Tag! Wie bitte? Der letzte Tag passt nicht so recht in die eigene Vorstellung und schon macht Waldron aus ihm das ganze Gegenteil – den ersten Tag! Ich frage mich: Wie geht denn das? und antworte mir: Das geht gar nicht.

    Somit bleibe ich bei meiner Behauptung: Waldron kann den jüngsten Tag nicht erklären.

    Dieser Tag ist ja nicht umsonst der jüngste Tag, denn als solcher hat er die Eigenschaft, in der Tat der Letzte zu sein, der Tag also, dem kein weiterer Tag mehr folgt. Diese Eigenschaft allein ist es ja bekanntlich, die ihn charakterisiert und als besonderen Tag kennzeichnet. Deshalb sollten wir ihm diese Eigenschaft auch voll und ganz zubilligen. Das Kapitel 12 in meinem Buch trägt die Überschrift „Der letzte Tag“ und erklärt schlüssig, was die Bibel darunter versteht. Allerdings empfehle ich, dieses Kapitel im Zusammenhang des ganzen Buches zu lesen, denn es wird hier die Kenntnis dessen vorausgesetzt, was ich zuvor in den Kapiteln 1 bis 11 erkläre.

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