Episoden aus Spurgeons Leben
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Eine Plauderei über Kommentare

Kommentarempfehlungen von Charles Haddon Spurgeon

In Lectures to my Students, – einer Sammlung von Vorlesungen, die Spurgeon an seiner Bibelschule hielt – stellt er im letzten Kapitel des Buches die Bibelkommentare vor, die er am nützlichsten fand. Da erstens alte Kommentare wieder neu aufgelegt werden, zweitens immer mehr Texte online zugänglich werden und drittens, es auch umfangreiche Module für theWord gibt, möchte ich seine Empfehlungen vorstellen, die er selber in dieser Reihenfolge empfohlen hat. Zuvor jedoch noch einige Zitate von Spurgeon über Bibelkommentare im Allgemeinen:

Wenn man fähig sein möchte, die Heilige Schrift zu erklären (…) wird es euch notwendig werden, mit einigen Kommentatoren der Bibel bekannt zu werden: Sicherlich seit ihr nicht solche Besserwisser, die denken und sagen, dass man die Heilige Schrift erklären kann, ohne auf die Arbeit von Theologen und Gelehrten zurückzugreifen, die vor euch in dem Feld der Auslegung gearbeitet haben. Wenn ihr doch solcher Meinung seit, dann bleibt auch darin, denn ihr seit der Mühe einer Widerlegung nicht wert: Denn es scheint doch recht seltsam, dass die Menschen, die ständig davon reden, was der Heilige Geist ihnen offenbart hat, so gering davon denken, was  derselbe anderen offenbart hat.

Es ist ja hinreichend bekannt, dass Spurgeon seit seiner frühesten Kindheit eine große Anzahl an Büchern verschlungen hat.  In seiner Biographie (S. 288) finden wir diese Feststellung seines Privatsekretärs:

In den 28 Jahrgängen Kelle und Schwert (1865-1892) werden viele tausend Bücher erwähnt, die Spurgeon, der Herausgeber, entweder selber gelesen oder doch so weit geprüft hatte, daß er sie besprechen konnte. Zudem las er noch viele, die er nicht besprach, weil es sich klar war, dass eine negative Besprechung in seiner Zeitschrift mithelfen würde, der irrigen Lehre zusätzliche Beachtung zu verschaffen. So hielt er es für weiser, solche Bücher einfach zu ignorieren.

Auf Platz eins steht für Spurgeon der Kommentar von Matthew Henry:

Diese Auslegung ist heilig und kernig, sinnvoll und sinnreich, eindrücklich und nüchtern, bündig und vertrauenswürdig. Ihr werdet den Autor voller Metaphern, reich an Vergleichen, Überfüllt mit Illustrationen (…) finden.

An nächster Stelle, „wenn man denn genug Geld hat um ihn zu erwerben“, empfiehlt Spurgeon die Kommentare von John Calvin. Auch zu diesem Autor fügt er etwas Interessantes hinzu, das ich persönlich beim Lesen der Kommentare von Spurgeon so ähnlich empfand:

Ihr werdet eine umfangreiche Auslegung finden, das sein Gewicht in Gold wert ist. Von allen Kommentatoren ist meines Erachtens John Calvin der Aufrichtigste. In seinen Auslegungen ist er nicht immer, was Moderne (Theologen) als calvinistisch bezeichnen würden. Das heißt, immer wenn die Schrift die Lehre der Erwählung und Gnade lehrt, weicht er in keinem Grade ab davon, aber immer dann, wenn die Schrift von der Verantwortung und dem Freien Handeln des Menschen spricht, versteckt er auch diese Ausführungen der Schrift nicht (…) Er gab den Sinn der Schrift weiter, so wie er sie kannte.

Großen Wert legt Spurgeon auch auf Matthew Poole‘s Synopsis und Anmerkungen:

Poole hat nicht weniger als zehn Jahre an der Zusammenstellung seines Werkes verbracht. Das sollte es wert sein, dass ihr ab und zu reinschaut – vor allem wenn man bedenkt, dass Poole diese Jahre in Amsterdam im Exil verbrachte (verfolgt für die Wahrheit).

Desweiteren findet Spurgeon anerkennende Worte für John Trapp, Dr. John Gill, Adam Clarke, M. Mayer, Arthur Jackson und einige weitere Autoren. Einige wie Trapp und Gill kritisiert er hierbei jedoch oftmals wegen ihrer Einseitigkeit. Tatsächlich schafft es auch ein deutscher Autor in seine Empfehlungen: „Gnomon des Neuen Testaments“ von Johann Albrecht Bengel.  Diese Auslegung findet er besonders sinnvoll, jedoch nur für Leute die sich auch die Mühe machen, beim Lesen zu denken, wie er es nennt. Sehr interessant wie er dieses Kapitel abschließt:

Die besten Ausleger beschränkten sich immer nur auf ein Buch. Nur wenige Menschen können die ganze Bibel konstant gut erklären. Aber: Ein Leben geweiht um ein Buch der grenzenlosen und kostbaren Bibel zu erklären, muss ein kostbares Ergebnis geben!

Tatsächlich hat Spurgeon selber eine hervorragende Auslegung über die Psalmen verfasst, die er Die Schatzkammer Davids nannte; ein wunderbares Werk und ein Muss für jeden Prediger. Mit dieser Auslegung, an der Spurgeon selber mehrere Jahrzehnte arbeitete, wird sich unsere nächste Kolumne beschäftigen.

3 Kommentare

  1. Bernd Grunwald sagt

    Spurgeon hat Recht: es ist eine enorme Hilfe, wenn man beim Bibelstudium von guten Kommentaren profitieren kann. Sie erweitern den eigenen Horizont und beleuchten das wort bisweilen aus Perspektiven, die mir selbst nie in den Sinn gekommen wären. Deshalb bin ich ein Sammler von bibeltreuen Kommentaren geworden.

    Doch Kommentare sind nicht dazu da, unkritisch gelesen und als stets richtig angenommen zu werden. Kommentare ersetzen das eigene studium des wortes nicht. Und das muss immer nach dem Grundsatz erfolgen: Die Schrift erklärt sich selbst.

    Auf diese Weise konnte ich nach langem Suchen endlich herausfinden, was der Prophet Joel in seinen ersten beiden Kapiteln meinte, in denen er eine schreckliche Verwüstung des ganzen Landes Israel voraussagte. Ich habe so viele Kommentare dazu gelesen, wie ich zur Verfügung hatte. Es waren 16. Was dabei am Ende herausgekommen ist, kann man hier nachlesen:

    http://bod.com/s?k=7628lud8tog

  2. Hallo,
    das Buch das Du liest, gibt es auch auf Deutsch. Es heißt „Ratschläge für Prediger“. Leider ist die deutsche Ausgabe nur in altdeutscher Schrift erhältlich. Ich lese es z.Zt. mit großem Gewinn. Spurgeon fasst darin viele wichtige Themen, die wir jedoch als „heiße“ Eisen bezeichnen würden, auf (so z.B. Kap 7 „Über geistliche Deutung“). Diese behandelt er, wie gewohnt, reflektiert, ausgeglichen und reich illustriert mit Beispielen.

    http://www.cbuch.de/product_info.php?products_id=1831

  3. Sergej Pauli sagt

    Hallo Mick, danke für deinen Kommentar und deinen Hinweis.

    Das Buch sollte meines Erachtens jeder Mitarbeiter im Reiche Gottes gelesen haben.
    Es gibt auch eine Antiquariate Version in „normaler“ Schrift. Jedoch sind beide Versionen bei weitem nicht vollständig und enthaltet nur etwa die Hälfte (gotischer Reprint) oder noch weniger (siehe hier: http://www.amazon.de/Ratschl%C3%A4ge-f%C3%BCr-Prediger-21-Vorlesungen/dp/378937024X/ref=sr_1_sc_1?ie=UTF8&qid=1390248515&sr=8-1-spell&keywords=ratschl%C3%A4ge+f%C3%BCr+predige). Wenn man gleichzeitig bedenkt, dass die englische Version schön gesetzt und in Hardcover verfügbar ist… (Übrigens, gibt es die englische Version auch für theWord als modul (gratis): http://www.wordmodules.com/the-word-modules/file/949-spurgeon-charles-lectures-to-my-students-4-volumes/

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