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Dwight L. Moody – Vater der modernen Evangelisation

Dwight Lyman Moody. Ein Mann des 19. Jahrhunderts. Er wird zu den größten Evangelisten überhaupt gezählt. Und es verwundert dabei ein wenig, dass aktuell keine Biografie über ihn regulär erhältlich ist. In meiner Bibliothek fand ich jedoch kürzlich ein Exemplar. Geschrieben von John Pollock.

Thema und Inhalt

Moody geht als junger Mann nach Chicago, um dort im Schuhladen seines Onkels zu arbeiten. Zur gleichen Zeit erfährt die Stadt eine Erweckung. Mitgerissen davon, schreibt er:

Es gibt hier eine große religiöse Erweckung. Ich gehe jeden Abend zu den Versammlungen, und ich habe große Freude daran. Es ist, als wäre Gott selbst zugegen. S. 37

Er fragt nach Möglichkeiten um dienen zu können und beginnt damit, Kinder zum Gottesdienst einzuladen. Sein Eifer ist beispielhaft und zeugt von großer Erfindungsgabe. Immer wieder ersinnt er sich neue Tricks, um Schüler auch in seine von ihm geführte Sonntagsschule zu locken.

Er wählte zwölf oder fünfzehn der zerlumptesten Jungen aus und versprach jedem, der bis Weihnachten regelmäßig die Sonntagsschule besuche einen neuen Anzug. S. 87

Moody reift und erreicht durch seine sehr einfache, aber liebevolle Art, dass Menschen errettet werden. Viele der Neubekehrten in der Stadt, fühlen sich jedoch in den prächtigen Kirchen nicht wohl. Auch, weil das einfache Volk dort nicht gern gesehen wird. Moody entschließt eine eigene, aber an keine Konfession gebundene Kirche zu gründen. Großen Wert auf die Lehre legt er nicht dabei.

Moody und zwei Freunde entwarfen eine schlichte Erklärung zur Lehre und eine Organisationsform, die sich an die der Kongregationalisten anlehnte. Auf Emmas Rat [Moodys Ehefrau] wurden ein Taufstein und ein großes Taufbecken vorgesehen, weil sowohl Kinder- als auch Erwachsenentaufe möglich war. S. 94

Es ist verwunderlich, dass Moody erst über Umwege, und aus der Not heraus, zu predigen beginnt. Eine improvisierte Ansprache fiel ihm dabei nicht schwer. Ganz im Gegensatz zu einer strukturierten, formalen Predigt.

In jenen frühen Tagen bedeutete das Predigen für ihn eine schwere Arbeit“, berichtete ein Geistlicher aus Chicago. „Eines Tages kam ich in sein Zimmer, als er sich bemühte, eine Predigt vorzubereiten. Er hatte die Jacke abgelegt und beschäftigte sich mit seiner Bibel und einer Konkordanz, während ihm der Schweiß übers Gesicht lief. S. 94

Auf einer Sonntagsschul-Vereinigung spricht er folgende Worte:

„Seid freundlich – gewinnt durch Liebe. Wenn ein Mensch das Herz voller Liebe hat und ein wenig gesunden Menschenverstand, dann wir er Erfolg haben.“ S. 126

Erst später beginnt seine Zeit der großen Evangelisationen mit Tausenden Zuhörern und Bekehrungen. Eine Evangelisation in schottischen Edinburgh führt zu Wiedervereinigung von Kirchen. Überhaupt setzt sich Moody stark für Einheit unter Christen ein. So stark, dass es befremdlich wirkt.

Sein Wille zur Zusammenarbeit übertraf das Vorstellungsvermögen seiner Freunde, die schockiert waren, als er für die Errichtung einer katholischen Kirche für die Iren in Northfield spendete, und die sich ganz entsetzt zeigten, als er die Einladung eines römisch-katholisch gewordenen Freundes annahm, bei ihm den Erzbischof Corrigan von New York zu treffen. Dem Erzbischof sagte er: „Mir wäre es die größte Freude, wenn ganz New York für Christus wachgerüttelt würde. Und wäre es nicht wunderbar, wenn alle Kirchen sich da zu einer gemeinsamen Anstrengung fänden…“ Der Erzbischof habe die Macht, das in den römisch-katholischen Kirchen zu bewirken, und die anderen Kirchen würden diesem Beispiel dann gewiss folgen. S. 450

Interessant auch sein Umgang mit den Kindern:

Er wollte auch gern, dass seine Kinder Christen würden, doch er wollte sie zugleich – und damit war er seiner Zeit weit voraus – vor einer Überdosis bewahren. Deshalb gab es zum Beispiel vor dem Frühstück kein Gebet. „Für Vater hatte es keinen Sinn, eine ganze Familie beim Duft von Kaffee und gebratenem Schinken mit einer Andacht zu quälen.“ Und wenn die jungen Moodys auch in einem religiös bestimmten Haus aufwuchsen, hab es doch keine erzwungenen oder mühsam aufgebauten frommen Gespräche. Moody stimmte auch nicht mit der landläufigen Meinung überein, man dürfe Kinder zwar sehen, nicht aber hören. S. 419

Form und Sprache

Das Buch ist auf einigen Seiten recht zäh. Biografien von Männern und Frauen Gottes können sehr nützlich sein. Es ist aber schade, wenn durch langweilig geschriebene Passagen die Lesefreude genommen wird.

Autor

John Pollock ist Autor vieler Biografien. Er hat zum Beispiel über Wesley, Hudson Taylor, John Newton und auch Billy Graham Bücher verfasst.

Fazit

Das Buch gibt einen guten Einblick in das Leben Moodys. Viele Bereiche seines Lebens werden erfasst. Seine jungen Jahre, seine geistliche Entwicklung, sein Wirken und Arbeiten im Dienst. Auch ganz persönliche Dinge wie die Kindererziehung werden kurz behandelt. Gefehlt haben mir ausführliche Informationen über seine Theologie und das Verhältnis zu seiner Ehefrau. Leider werden auch viele, für mich unnötige Details erwähnt, die durch Streichung sicher 100 Seiten eingespart hätten. Ein wenig „trocken“. Aber trotzdem lesenswert.

Daten

Titel: Dwight L. Moody – Vater der modernen Evangelisation
Autor:
John Pollock
Seiten: 487
Einband: Hardcover
Format: 13 cm x 19 cm
Verlag: Christliche Verlagsanstalt Konstanz
Jahr: 1. Auflage 1973
Preis: -,– EUR
erhältlich: Amazon

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