Allgemein, Zeitgeschehen/Apologetik
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Darf ein Mensch sich für die Wahrheit totschlagen lassen?

Eine ethisch-religiöse Abhandlung von Sören Kierkegaard

einuebung_im_christentum_zwei_kurze_ethisch-religioese_abhandlungen_das_buch_adler_oder_der_begriff_des_auserwaehlten-9783423133852Es war einmal ein Mann, er war als Kind in der christlichen Religion streng erzogen worden. Er hatte nicht viel von dem gehört, was Kinder sonst hören, vom kleinen Jesuskind, von Engeln und ähnlichem. Dagegen hatte man ihm desto häufiger den Gekreuzigten gezeigt, so dass dieses Bild das einzige war und der einzige Eindruck, den er vom Erlöser hatte; obgleich ein Kind, war er doch schon alt wie ein Greis.

Mit diesen ungewöhnlichen Sätzen fängt eine sehr interessante Abhandlung Kierkegaards an, die sich mit dem ungewöhnlichen Thema des Märtyrertods beschäftigt. Meine Neugier trieb mich dazu, dieses kurze Essay zu lesen, und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Nebst zahlreichen Weisheiten Kierkegaards bekommt man tatsächlich einen guten Einblick darauf, welche gesellschaftliche Verantwortung ein jeder trägt, der mit seinen Erkenntnissen so umgeht, dass er einen Keil in die Gesellschaft treibt. Dies genau tut nämlich ein jeder, der die anderen dazu bringt, ihn zu töten. Die anderen?

Für Kierkegaard ist es klar, dass eigentlich immer der Gepeinigte und Getötete der ist, der die eigentliche Macht über die Situation hat, denn mit einem kleinen Kompromiss, mit einem Entgegenkommen oder einer alternativen Formulierung seiner Position, kann er dem Martyrium entgehen, somit hat nicht der Peiniger sondern der Gepeinigte die eigentliche Macht über die Situation. Nur ein Gedankenspiel? Bedenken wir, dass ein Christ immer auch eine Verantwortung über seinen Mitmenschen hat, und sich ernsthaft prüfen muss, ob er seinen Nächsten gegen sich aufbringen darf:

Soll einer Märtyrer werden können, muss er zu allererst die Bewunderung der Zeit gewesen sein, anders reißt er die Zeit nicht mit sich; er muss so gestellt gewesen sein, dass er es in seiner Macht gehabt hat, sich in Bewunderung zu baden – aber er hat abgelehnt. Zurückgewiesene Bewunderung ist im selben Augenblick absolute Leidenschaft in der Erbitterung. (…)

Alles in allem ein großartiges Werk, was sich leider nur schlecht zusammenfassen lässt. Dieser Essay gab mir zu denken, in der Hinsicht, dass Kierkegaard aufzeigt, dass ein Christ in jeder Gesellschaft immer anecken wird, und es zu prüfen gilt, welche Wahrheit es wirklich wert ist, so klar verkündigt zu werden, dass man nicht mehr gesellschaftsfähig sein kann.

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Kategorie: Allgemein, Zeitgeschehen/Apologetik

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem Bücher aus vergangenen Zeiten. An Sachbüchern, Lehrthemen und Biographien bin ich besonders interessiert. Ich wohne mit meiner Frau Elvira meiner Tochter Jasmina und meinem Sohn Dorian im Schwarzwald.

2 Kommentare

  1. Sergej, ich muss ehrlich sagen: das hört sich ziemlich verwirrend an. 🙂
    Fast schon wie Theosophie.

  2. Enrico sagt

    „Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“ (2. Tim 3.12)
    Stephanus war durch die Verkündigung des Evangeliums bekannt geworden und wurde gesteinigt, weil er am Gekreuzigten und Wiederauferstanden Herrn und Heiland festhielt (Apg 7). Er hätte dem Tod aus dem Weg gehen können, indem er still gehalten hätte. Sein Tod ist aber ein wunderbares Zeugnis, dass es auf dieser Erde leider Märtyrer geben muss und zwar immer dann wenn ein Herrschersystem den wahren Glauben bis auf den Tod verfolgt. Es mag auch andere Märtyrer geben (es gab sie ja auch für den Kommunismus oder andere politisch-philosophische Überlegungen oder eben religiöse Systeme bis zu einem falschen Christentum), aber um diese müssen wir uns keine Gedanken machen. Sicher meint Sergej hier nicht den Glauben zu verleugnen, um Repressalien aus dem Weg zu gehen, aber man kann es fast so auffassen, als wäre das Anecken in der Gesellschaft ein selbstverordnetes Übel und nicht provoziert werden muss, also am besten ausgeschlossen werden sollte und das kann ja nicht gemeint sein, wie uns das obige Bibelwort klar anders belehrt (die Provokation erfolgt aber nicht durch aggressive und rückhaltlose Verkündigung, denn das wäre falsch, wie es auch in Sergejs Kommentar anklingt, sondern durch stilles Leben in Gottesfurcht). Die Bibel belehrt uns ferner, dass das Festhalten am Wort und daraus folgende Verfolgung oder Leiden eine Ehre und Gnadengabe Gottes sind. Oder anders: Paulus selbst wäre eines der schlechtesten Vorbilder im Glauben, weil er sich zu oft um des Wortes Jesu Christi Willen einsperren liess.

    „Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, damit ich, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, daß ihr fest steht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums und euch in keiner Weise einschüchtern laßt von den Widersachern, was für sie ein Anzeichen des Verderbens, für euch aber der Errettung ist, und zwar von Gott. Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden, so daß ihr denselben Kampf habt, den ihr an mir gesehen habt und jetzt von mir hört.“ (Philipper 1.27-30)

    Die Verheissung der Ruhe und Freiheit von Verfolgung und Bedrängnis haben wir auf den Zeitpunkt, wenn der Herr Jesus uns zu sich holen wird, sprich nie im irdischen Leben. Das ist uns aber dennoch ein umso grösserer Trost, da wir wissen, dass die irdischen Leiden kurz und vergägnglich sind gegen die himmlische Herrlichkeit, die folgen wird (1. Petrus 1.6-9). Ferner noch Paulus an die Thessalonicher:
    „Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber, so daß wir selbst uns im Hinblick auf euch rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures standhaften Ausharrens und eurer Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr zu ertragen habt. Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, daß ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet; wie es denn gerecht ist vor Gott, daß er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt, euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft, an jenem Tag, wenn Er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben — denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden. Deshalb beten wir auch allezeit für euch, daß unser Gott euch der Berufung würdig mache und alles Wohlgefallen der Güte und das Werk des Glaubens in Kraft zur Erfüllung bringe, damit der Name unseres Herrn Jesus Christus in euch verherrlicht werde und ihr in ihm, gemäß der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.“ (2. Thessalonicher 1.3-12)

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