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C.H. Spurgeon und die Taufe

Episoden aus Spurgeons Leben

Spurgeon kam aus einem Hause, in dem er von seinem Großvater, der ein unabhängiger Pastor war, als Kind getauft wurde. Dennoch nahm er als 16-jähriger nochmals die Glaubenstaufe an. Viele Ursachen führten zu dieser Entscheidung. Eine davon liegt in einem Gespräch Spurgeons mit einem anglikanischen Priester (man beachte, dass Charles zu diesem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt war):

Geistlicher: Wie ist dein Vorname?

Spurgeon: Charles.

G: Wer gab dir diesen Namen?

S: Das weiß ich leider nicht so genau. Ich kenne keine Taufpaten, die jemals etwas für mich getan hätten, denn ich habe keine. Vermutlich haben mir meine Eltern diesen Namen gegeben (…).

G: Du bist also nie richtig getauft worden?

S: O doch, Sir, ich bin getauft! Mein Großvater hat mich in dem kleinen Zimmer getauft, und er ist doch ein Pastor. Also weiß ich, dass er es richtig gemacht hat.

G: Aber du hattest damals weder Glauben noch Buße und hättest folglich nicht getauft werden dürfen!

S: Warum, das hat doch damit nichts zu tun! Alle Kinder sollten doch getauft werden.

G: Woher weißt du da? Sagt nicht das Gebetsbuch, dass Glaube und Buße vor der Taufe notwendig sind? Dies ist eine so biblische Lehre, dass sie niemand leugnen sollte.

Daraufhin erzählte der Geistliche, dass alle Getauften in der Bibel, Gläubige waren und er gab Spurgeon die Hausaufgabe, zu zeigen, dass die Bibel Glaube und Buße nicht als Voraussetzung für die Taufe verlangt. Spurgeon war sich seines Sieges sicher, denn er konnte es sich nicht vorstellen, dass sein Vater und Großvater irren könnten. Jedoch konnte er keine Bestätigung finden. Eine Woche  später ging die Unterhaltung mit dem Geistlichen weiter:

G: Nun, Charles, was denkst du jetzt?

S: Also, ich denke, dass Sie recht haben, aber dann gilt das für Sie genauso wie für mich.

G: Ich wollte dir das zeigen, denn aus diesem Grunde haben wir Paten. Ohne Glauben hätte ich nicht mehr Recht auf die Heilige Taufe als du. Aber die Kirche hat das Versprechen der Paten als Ersatz anerkannt. Sicher hast du schon gesehen, wie dein Vater, wenn er gerade kein Geld hatte, stattdessen einen Schuldbrief ausgehändigt hat. Dieser wird dann als Ersatz für die Bezahlung behandelt, denn da er ein ehrlicher Mann ist, haben wir allen Grund anzunehmen, dass er diesen Schuldschein einlösen wird. Nun sind Paten im allgemeinen gute Menschen, und so akzeptieren wir in Nachsicht ihr Versprechen für das Kind. Weil das Kind zu diesem Zeitpunkt noch keinen Glauben haben kann, akzeptieren wir, dass der Pate verspricht, dass der Glaube kommen wird; dieses Versprechen wird eingelöst bei der Konfirmation (…).

S: Nun, ich denke, dass dies ein sehr schlechter Schuldschein ist.

G: Ich habe keine Zeit, mit dir zu diskutieren, aber ich halte es für eine gute Sache. Ich frage dich nur: Wer steht wohl der Schrift am Nächsten – ich als ein Mann der Kirche, oder dein Großvater als ein abtrünniger von der Kirche? Er tauft entgegen der Heiligen Schrift; ich tue es meiner Meinung nach nicht, denn ich verlange ein Versprechen, das ich als Ersatz für Glauben und Buße betrachte und das in späteren Jahren eingelöst werden muss.

S: Eigentlich denke ich, dass  Sie richtiger handeln. Aber da es die Wahrheit zu sein scheint, dass nur Gläubige getauft werden sollten, denke ich, dass Sie beide falsch handeln, auch wenn Sie die Bibel mit der größeren Höflichkeit behandeln.

(…)

So ging das Gespräch weiter, jedoch beschloss Spurgeon sich taufen zu lassen, wenn „jemals die göttliche Gnade  eine Veränderung“ in ihm bewirkten sollte. Später sagte Spurgeon von diesem Gespräch:

…ich konnte nicht anders, als Gott danken, dass ich zwölf Monate lang diese Schule besuchen konnte und dass es eine Schule der Kirche von England war. Bis zu dieser Zeit hatte ich nichts von der Kirche von England mitbekommen, aber nun gab es einen Wendepunkt in meinem Leben; der Tatsache, dass ich dort war, verdanke ich es, jetzt hier zu sein. Der Katechismus der Kirche von England hat eine Frage, die lautet: „Was wird von Menschen verlangt, damit sie getauft werden können?“ und die Antwort, die ich darauf zu geben lernte und die ich auch gab, war: „Buße, wodurch sie der Sünde absagen, und Glaube, wodurch sie fest vertrauen auf die Zusagen, die Gott ihnen in diesem Sakrament macht.“ Ich habe diese Frage in der Bibel gesucht und fand, dass sie, was Buße und Glauben betrifft, absolut richtig ist. Natürlich wurde ich später, als ich Christ wurde, auch Baptist, und das verdanke ich dem Katechismus der Kirche von England. 

Seine Eltern nahmen es sehr zu Herzen, dass sich Spurgeon in einigen Glaubensfragen gegen den Weg seiner Vorfahren entschied. Folgender Zwischenfall zwischen Charles und seiner Mutter ist uns überliefert:

Meine Mutter sagte zu mir: „Ach Charles! Ich habe den Herrn so oft gebeten, dich zu einem Christen zu machen, aber nicht, dass du ein Baptist wirst.“ Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und antwortete: „Ach, Mutter! Der Herr hat dein Gebet mit seiner ihm eigenen Großzügigkeit beantwortetet und dir weit über Bitten und

Verstehen gegeben.“

Später als Pastor hat Spurgeon für die Kindertaufe härtere Worte gefunden und hat verschiedene üble Praktiken in den verschiedensten Kirchen und Gemeinden angeprangert:

Einer der Ältesten in der Tabernakel-Gemeinde war – nach dem gewöhnlichen Verständnis des Wortes „Taufe“ – viermal „getauft“: Das erste Mal wurde das Baby besprengt, aber es war so kränklich und schwach, dass nur etwa die Hälfte des im Gebetbuch vorgesehenen Rituals durchgeführt werden konnte. Als es ihm dann besser ging, wurde er wieder zur Kirche gebracht, um die Taufe richtig zu beenden, aber der Pfarrer gab dem Kind versehentlich einen Mädchennamen. Die Eltern des Kindes wollten es nicht riskieren, dass ihr Sohn mit dem falschen Namen gerufen würde, und brachten ihn zum dritten Mal hin. Als er dann groß wurde und sich bekehrte, habe ich ihn nach der Ordnung der Heiligen Schrift getauft.

Schließlich ist auch eine der berühmtesten Predigten Spurgeons die, die er mit dem Titel Wiedergeburt durch die Taufe? hielt (zu finden im Buch Heilig dem Herrn). Hier kritisiert er das große Übel der Taufwiedergeburt und sorgte mit dieser Predigt für eine Auseinandersetzung mit großer Heftigkeit:

Unwiedergeborene Sünder versprechen für einen armen Säugling, dass er alle heiligen Gebote Gottes halten werde, die sie selbst tagtäglich in ausgelassener Weise brechen! Dies kann nur die Langmut Gottes ertragen. (…) Der Text sagt: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird errettet werden“, und er behauptet: „Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“, ob er nun getauft ist oder nicht, sodass die Taufe den Ungläubigen nicht rettet, dass sie ihn auch nicht im geringsten von dem Urteil aller Gottlosen freispricht. Ob er nun durch Untertauchen oder durch Besprengen, in seinem Säuglingsalter oder als Erwachsener getauft werden mag – wenn er sein Vertrauen nicht auf Jesus Christus setzt, wenn er ein Ungläubiger bleibt, dann gilt ihm dieses schreckliche Urteil: „Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Die sehr mächtige Kirche Englands lehrt diese Lehre nicht nur durch ihre Diener, sondern sei erklärt sie auch öffentlich und kühn in ihrer Glaubensregel. (…)

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