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Buchbesprechung: Aus der Tiefe rufe ich HERR, zu DIR!

Tägliche Andachten über das Gebet von Martin Luther

256328(1)Luther war ein Mann des Gebets. Er soll auf die Fra­ge, wie sein Plan für den nächs­ten
Arbeits­tag aus­se­he, geant­wor­tet haben: »Arbeit, Arbeit von früh bis spät. Und in der Tat habe ich so viel zu tun, dass ich die ers­ten drei Stun­den im Gebet ver­brin­gen wer­de.«

Wer für das Jahr 2015 noch nach einem pas­sen­den Andachts­buch Aus­schau hält, dem sei die­se Zusam­men­stel­lung zum The­ma Gebet emp­foh­len, die 2014 im Ver­lag CLV erschie­nen ist. Zuerst war ich etwas skep­tisch: Alle 365 Tage nur das The­ma Gebet? Wird dies mit der Dau­er nicht ein­tö­nig?  Ich soll­te mich irren: Die­ses Andachts­buch gefällt mir noch etwas bes­ser, als das, wel­ches wir mit der Fami­lie bis­her lasen:

Der Her­aus­ge­ber hat hier­bei aus ver­schie­de­nen Wer­ken Luthers zu jedem Tag eine Andacht zusam­men­ge­stellt. Hin­zu kommt eine Bibel­le­se, wobei man immer einen beson­de­ren Vers zum Nach­den­ken bekommt. Mir gefällt gut, dass zu jedem Aus­zug die Quel­len aus­führ­lich ange­ge­ben wer­den. Zum 9. Juni fin­det sich ein inter­es­san­ter Bei­trag:

Luthers Gebet um Regen

Als es lan­ge nicht gereg­net hat­te und alles Getrei­de auf den Fel­dern
zu ver­dor­ren droh­te und jeder­mann sehr besorgt war, ging Dr. Mar­tin
Luther in den Gar­ten, hob sei­ne Augen zum Him­mel auf und sprach
die­se Wor­te:
»Herr, unser Gott, Du hast durch den Mund Dei­nes Knech­tes
David gesagt: ›Der HERR ist nahe allen, die ihn anru­fen, allen, die ihn
mit Ernst anru­fen. Er tut, was die Got­tes­fürch­ti­gen begeh­ren, und hört ihr
Schrei­en und hilft ihnen.‹ Wie kommt es, dass Du uns kei­nen Regen
geben willst, wo wir doch so lan­ge schon schrei­en und Dich bit­ten?
Nun wohl­an, wenn Du kei­nen Regen gibst, so wirst Du uns ja etwas
Bes­se­res geben: ein ruhi­ges und stil­les Leben, dazu Frie­de und Einig­keit.
Nun bit­ten wir Dich aber sehr und haben auch schon so oft gebe­ten. Tust Du es nun nicht, so wer­den die Gott­lo­sen sagen, Chris­tus,
Dein Sohn, lüge, weil er doch gesagt hat: ›Wahr­lich, wahr­lich, ich sage
euch: So ihr den Vater etwas bit­ten wer­det in mei­nem Namen, so wird er’s
euch geben.‹ Also wer­den sie zugleich Dich und Dei­nen Sohn Lügen
stra­fen. Ich weiß, dass wir von Her­zen zu Dir schrei­en und sehn­lichst
seuf­zen, war­um erhörst Du uns denn nicht?«
In eben­der­sel­ben fol­gen­den Nacht kam ein sehr guter, frucht­ba­rer
Regen. Das geschah anno 1532, am 9. Juni.

Titel: Aus der Tie­fe rufe ich, Herr, zu dir!
Autor: Mar­tin Luther
Her­aus­ge­ber: Hugo C. van Woer­den
Sei­ten: ca. 380
For­mat: 14 x 21 cm
Ein­band: Hard­co­ver
Jahr: 2014
Ver­lag: CLV
Preis: 9,90 EUR
erhält­lich bei: CLV, cbuch.de
freie PDF: CLV

4 Kommentare

  1. Eugen sagt

    Vie­len Dank für die gute Buch­be­schrei­bung. Sehr schön auch mit einer Lese­pro­be dazu. Mir war die­ses Andachts­buch bis jetzt nicht bekannt. Sicher gibt es ande­re, gute Andachts­bü­cher, aber ich per­sön­lich kom­me immer wie­der auf Luther zurück, da kei­ner so nah am Evan­ge­li­um ist und des­halb auch so wun­der­bar trös­ten und zu Chris­tus füh­ren kann wie er. Momen­tan lese ich von ihm: „Nun freut euch lie­ben Chris­ten gmein. Luthers Wort in täg­li­chen Andach­ten“. Ein ganz her­vor­ra­gen­des Werk, das mich durch das gan­ze Kir­chen­jahr führt. Wäre sicher auch als Buch­be­spre­chung an die­ser Stel­le inter­es­sant.
    Zu mei­ner Per­son: Bin vor vie­len Jah­ren vom „gebür­ti­gen Men­no­ni­ten“ zum Luther­tum gewech­selt. Der „Augen­öff­ner“ war eine Schrift von Sieg­fried Kett­ling zu Luthers Streit­schrift „Vom unfrei­en Wil­len“. Des­halb freue ich mich über alle, die sich mit Luther beschäf­ti­gen und ihn wei­ter­emp­feh­len. Wie heißt es: Luther wird geehrt, indem man auf ihn hört. In dem Sin­ne auch Ihnen wei­ter­hin Got­tes Segen.

  2. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Eugen, freut mich einen neu­en Leser für unse­ren Blog gewon­nen zu haben. Wir haben hier im Blog, wie du sicher schon gese­hen hast auch schon zahl­rei­che Wer­ke Luthers vor­ge­stellt. Die Schrift Luthers „vom unfrei­en Wil­len“ habe ich lei­der nie ganz ergrün­det und habe da zu vie­le Fra­ge­zei­chen gehabt, des­we­gen ich die­se hier nicht vor­ge­stellt habe.
    Luther ist sicher, wie du oben fest­stellst, beson­ders nah am Evan­ge­li­um, vor allem der Gala­ter­brief-Kom­men­tar wird heu­te viel zu wenig beach­tet. Und doch wür­de ich per­sön­lich als Bap­tist eher zum Men­no­ni­tis­mus wech­seln (Wobei es da so vie­le Unter­schie­de auch nicht gibt). Das luthe­re Ver­ständ­nis der Bun­des­tau­fe respek­tie­re ich, kann es aber per­sön­lich nicht bestä­ti­gen und hal­te an der Glau­bens­tau­fe fest. Auch das mys­ti­sche Ver­ständ­nis Luthers vom Abend­mahl kann ich so nicht unter­zeich­nen. Dabei ist für mich, wie woh für vie­le Bap­tis­ten das Abend­mahl KEIN rei­nes Gedächt­nis­mahl. In R.C. Sprouls Buch Glau­ben von A bis Z stellt der Autor bezüg­lich Abend­mahl etwas inter­es­san­tes fest: Gegen­über Zwing­li ver­trat Cal­vin die Mei­nung, „Chris­tus ist im Abend­mahl“, gegen­über Luther aber: „Chris­tus ist nicht im Abend­mahl“. In die­ser Fra­ge ging Luther mei­ner beschei­de­nen Mei­nung nach zu weit.

    Ohne hier aus­schwei­fend wer­den zu wol­len, sind auch mei­ne per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit luthe­ri­schen Kir­chen (vor allem russ­land­deut­scher Prä­gung) eher depri­mie­rend gewe­sen. Hier in Vil­lin­gen gibt es zahl­rei­che russ­land­deut­sche luthe­ri­sche Gemein­den, jedoch wenn so eine luthe­ri­sche Jugend mal ein McDo­nalds betrifft, weißt du vor lau­ter ero­ti­schen Röck­chen nicht mehr wo du hin­schau­en sollst. Ein­mal habe ich eine sol­che Gemein­de besucht: Ein ziem­lich küh­ler Emp­fang, der selbst für die, für russ­land­deut­sche Ver­hält­nis­se übli­che Bor­niert­heit, extrem war. NIcht einer sag­te Hal­lo, Tschüss, schüt­tel­te die Hand o. Ä. Ich hof­fe aber, dass die luthe­ri­sche Kir­che für dich in einem ande­ren Licht erschie­nen ist. Ich kann hier nur berich­ten, was mei­ne Posi­ti­on ist und kann gelas­sen akzep­tie­ren, wenn ande­re dies anders sehen.

  3. Eugen sagt

    Vie­len Dank für die aus­führ­li­che und freund­li­che Ant­wort. Es tut mir sehr leid, dass Du so schlech­te Erfah­run­gen mit Luthe­ra­nern gemacht hast. Ich per­sön­lich hal­te mich im Raum Bie­le­feld an die Arbeits­ge­mein­schaft Beken­nen­de Gemein­de, die sich „Luthe­risch mit einem Schuß Pie­tis­mus“ nen­nen. Dort habe ich sehr lie­be Geschwis­ter.

    Zum einen den­ke ich aber, dass die aller­meis­ten, die sich heu­te „Luthe­ra­ner“ nen­nen, eigent­lich gar nicht mehr lehr­mä­ßig auf dem Boden der luthe­ri­schen Ortho­do­xie befin­den. Zum andern trifft es natür­lich auch für die Luthe­ra­ner zu, dass sie Sün­der sind und blei­ben. Das ist ja zutiefst luthe­ri­sche Leh­re: ich blei­be auch nach 30 Jah­ren Christ­sein Sün­der wie am ers­ten Tag, der bis zum Tod auf Got­tes Gna­de ange­wie­sen ist. Bon­höf­fer (sicher soll­te man sei­ne Theo­lo­gie mit Vor­sicht genie­ßen) hat sinn­ge­mäß gesagt: „je eher ich vom Bru­der, von der Schwes­ter ent­täuscht wer­de, des­to bes­ser.“

    Denn hier sehe ich einen gro­ßen Schwach­punkt im Evan­ge­li­ka­lis­mus all­ge­mein: Er legt sehr viel Wert auf das per­sön­li­che Glau­bens­le­ben, auf eine from­me Inner­lich­keit, der Glau­be wird zum gro­ßen Teil am Men­schen abge­le­sen. Wenn ich aber mich selbst beob­ach­te, und natür­lich auch den Bru­der, die Schwes­ter, dann ist die Frus­tra­ti­on vor­pro­gram­miert. Ich kann hier aus rei­cher Erfah­rung berich­ten.

    Dabei ist doch nach refor­ma­to­ri­scher Leh­re der Blick gera­de nicht mehr auf den from­men Men­schen, son­dern auf Chris­tus allein zu rich­ten.

    Kurz zu Abend­mahl und Tau­fe: Ich ken­ne ja all­zu gut die Posi­ti­on der Bap­tis­ten, und auch als ich zum Luther­tum wech­sel­te, war es das Tauf –und Abend­mahls­ver­ständ­nis, was sich mir erst zuletzt und nur lang­sam und zöger­lich erschloß.
    Es ist inter­es­sant, dass Du in dem Zusam­men­hang die Mys­tik erwähnst, das ist ein The­ma, das mich gera­de beschäf­tigt. Bei der Mys­tik geht es ja um Got­tes­un­mit­tel­bar­keit (Gno­sis, Meis­ter Eck­hard, Johan­nes Tau­ler usw…) Es wird also eine Sphä­re im inne­ren des Men­schen ange­nom­men, die auf Gott hin ange­legt, ja gött­lich ist. Das führt zu der Mei­nung, dass man mit Gott oder dem gött­li­chen unmit­tel­bar (also ohne äuße­re Mit­tel) in Ver­bin­dung tre­ten kann. Dem­entspre­chend haben die Schwär­mer ganz in der Tra­di­ti­on der mit­tel­al­ter­li­chen Mys­tik (z.B. Tho­mas Münt­zer) alle äuße­ren Mit­tel wie Tau­fe, Abend­mahl, Kir­che als Insti­tu­ti­on, ja sogar das Wort Got­tes sel­ber ver­wor­fen.

    Und wenn man bei den Bap­tis­ten auch nicht das Wort Got­tes ver­wirft, zumin­dest for­mal nicht, so fin­den wir genau die­sen mys­ti­schen Ansatz: man ist gera­de nicht Kir­che, son­dern Frei….., Tau­fe und Abend­mahl sind mensch­li­che Hand­lun­gen (wie Dein Bei­spiel zeigt, vari­iert das etwas), und der Hei­li­ge Geist kommt unmit­tel­bar, also neben Wort und Sakra­ment zum Men­schen.
    Luther war also gera­de nicht mys­tisch in sei­nem Abend­mahls­ver­ständ­nis, denn er beharr­te dar­auf, „dass Gott mit uns nicht anders han­delt, denn durch Sein Wort und Sakra­ment“.
    Und er hat die Ver­nunft unter die Schrift gestellt (sie war eine Hure für ihn). Wenn da steht: das ist mein Leib – das ist mein Blut – dann glaubt er es so, wie es da steht, auch wenn die Ver­nunft dage­gen spricht. Lei­der hat sich bei den Bap­tis­ten die Ver­nunft über die Schrift gestellt: wie kann das Was­ser so gro­ße Din­ge tun? Wie kann in Brot und Wein Chris­tus selbst sein?
    Dann muss man aber auch fra­gen: wie kann Gott im Men­schen (Jesus) sein? Cal­vins Grund­satz war ja: „Das End­li­che kann nicht Gefäß des Unend­li­chen sein“. Wird hier nicht die vol­le Mensch­wer­dung Got­tes in Jesus Chris­tus in Fra­ge gestellt?

    Ich kann als Luthe­ra­ner sehr gute Gesprä­che mit Bap­tis­ten haben – aber an der Sakra­ments­fra­ge schei­den sich die Geis­ter. Der Mys­ti­zis­mus ist lei­der tief in den Pro­tes­tan­tis­mus ein­ge­drun­gen und hat ihn über­frem­det. Für Luther und auch die alte Kir­che war die Hei­li­ge Schrift, das Wort Got­tes, nicht nur Ange­bot der Gna­de, son­dern die Gna­de selbst, ja die­ses Wort ist ein Teil von Gott selbst, in die­sem Wort setzt Chris­tus Sei­ne Erden­wan­de­rung fort.
    Des­halb ist die alte Kir­che, und bei uns in der SELK, wo ich zum Got­tes­dienst gehe, bis heu­te, ehr­fürch­tig auf­ge­stan­den, wenn Got­tes Wort ver­le­sen wur­de.
    Die Ehr­furchts­lo­sig­keit bei den Men­no­ni­ten gegen­über dem Wort ist erschre­ckend, es ent­hält für sie ledig­lich mora­li­sche Anwei­sun­gen (what would Jesus do?). Der Geist Got­tes kommt nicht, wie Jesus es gelehrt hat (mei­ne Wor­te sind Geist und Leben) in dem Wort zu uns, son­dern unmit­tel­bar, als auf mys­ti­sche Wei­se.

    Ich per­sön­lich wür­de heu­te, auch wenn es schwer fällt, mög­lichst nur in eine Gemein­de gehen, die die rech­te Leh­re ver­tritt – also Leh­re vor Sym­pa­thie. Denn es gibt sicher genug welt­li­che Ver­ei­ne, wo es sehr lie­be und gute Men­schen gibt, das Heil bekom­me ich dort aber trotz­dem nicht ver­kün­digt. Da hal­te ich es mit Luther: ich will nicht in eine Kir­che der From­men, son­dern der Sün­der gehen. Wenn nur das Evan­ge­li­um rein und lau­ter ver­kün­digt wird. Lg Eugen

  4. Sergej Pauli sagt

    Hal­lo Eugen, ein schö­ner aus­führ­li­cher und inter­es­san­ter Kom­men­tar. Wo ich dir unbe­dingt recht­ge­ben muss, ist dass das Wort Got­tes in den heu­ti­gen Evan­ge­li­ka­len Kir­chen eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt, und die Ver­nunft eine über­aus über­ge­ord­ne­te.

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