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Bruder unter Brüdern

Meine Begegnungen mit den Brüdergemeinden

Zunächst sollte ich erklären, dass ich keine christlichen Wurzeln habe. Weder meine Mutter, noch meine Oma, noch irgendein entfernter Onkel waren oder sind Christen. Als ich mit 16 Jahren zum Glauben kam, war vieles für mich neu. Ja ich würde sogar sagen, dass es kein Element des Glaubens und des Handelns als Christ gibt, was ich nicht neu lernen musste. Angefangen vom Verzicht auf Notlügen bis zur Änderung der Ausdrucksweise. Auch wäre es gelogen, zu behaupten, dass der Prozess fertig ist. Wenn ich jedoch rückblickend einen Fehler wiederholt begangen habe, dann den, mehr auf erfahrene Brüder zu hören als auf die Stimme des Heiligen Geistes durch sein Wort. Prinzipiell ging ich nach meiner Bekehrung immer davon aus, dass mich ein Bruder belehren muss, wie man die Schrift nun korrekt zu verstehen hat. Nun stimmt es, dass Gott Lehrer eingesetzt hat, aber durch die Gemeinschaft mit Christus in seinem Wort, ist jeder Christ in der Lage den vollkommenen und wunderbaren Willen Gottes zu erfassen und zudem auch die Kraft zu bekommen, seinen Willen zu tun.

Ich kam zum Glauben in der wahrscheinlich konservativsten und strengsten Gemeinde Deutschland. Und damit meine ich nicht nur die Kleiderfrage, sondern auch Fragen wie das Zehnte zahlen, wöchentlich fasten usw. Obwohl ich vieles rückblickend nur belächeln kann, staune ich immer noch, wie viele dem Christentum total wildfremde Menschen hier zum Glauben gekommen sind. Das ist vielleicht auch die Ursache für manche Radikalisierung in dieser Gemeinde gewesen. Manch ein Alkoholiker, der durch seinen Alkoholkonsum großen Schaden anrichtet an seinen Nächsten, bleibt auch als Abstinenzler unerträglich. Oder wie man so sagt: Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen. Immer wieder habe ich unglaublich wahnsinnige Radikalisierungen von Christen erlebt, die vor ihrer Bekehrung ein besonders wildes Leben führten.

Nun sollte ich noch hinzufügen, dass die Gemeinde, die ich damals besuchte, etwa 35 km von dem Ort entfernt war, in dem ich wohnte. Dies bedeutete immer lange Anfahrtswege. Alleine mit diesem logistischen Aufwand entstand schon bald die Frage, ob es denn nicht Christen in der Nähe gibt. Irgendwie war ich damals der festen Überzeugung, dass nur in den Gemeinden der Friedensstimme echte Christen zu finden sind. Bis heute habe ich die Ursachen für diese Engstirnigkeit nicht herausfinden können.

Schon bald ist mir in der Parallelklasse jedoch ein Mädchen aufgefallen, die durch ihr Auftreten zeigte, dass sie eine Nachfolgerin Christi ist. Dies hat mich sehr fasziniert, und so platzte ich bald bei ihr mit der Frage heraus, welche Gemeinde sie den besuche. Bald darauf sollte ich noch weitere junge Damen kennen lernen, die allesamt Besucher verschiedener Brüdergemeinden waren. Nun beging ich für die Augen der Gemeinde, die ich damals besuchte, einen großen Stilbruch: ich besuchte eine solche Gemeinde. Das erste Mal geschah es, als eine der Damen, sie besuchte damals die 13. Klasse, ich war glaube ich in der 10, heiratete, und ich zur Hochzeit eingeladen wurde. Soweit ich mich noch entsinnen kann, waren dies französisch geprägte Brüdergemeinden. Ich habe damals nicht schlecht gestaunt, über viele Parallelen mit meiner Heimatgemeinde, wie z. B. der Kopfbedeckung. Sitzen geblieben ist mir aber vor allem eine Begebenheit: In der Mittagspause, nach welcher der nicht zur Ortsgemeinde gehörende Pöbel freundlich gebeten wurde, zu gehen, hatte ich die Möglichkeiten mit einigen Brüdern jener Gemeinde ins Gespräch zu kommen. Nun frug ich in meiner ganzen Einfalt, wer denn der Gemeindeleiter der Gemeinde ist. Die Antwort folgte prompt: „Wir haben keine Gemeindeleitung, der Heilige Geist leitet unsere Gemeinde!“ Obwohl ich heute durchaus der Meinung bin, zu verstehen, woraufhin der Bruder hinauswollte, muss ich sagen, habe ich damals mit äußerster Bestürzung reagiert. Ich hoffe, dass er meinte, dass der Begriff Gemeindeleitung nur wenig zu den in der Bibel vorkommenden Begriffen Älteste und Hirten passt und ungeeignet ist, die verantwortlichen Brüder einer Gemeinde zu zeichnen. Jedoch brachte man dieses Verständnis so barsch und ohne Verständnis für die gegenüberliegende Seite vor, dass ich damals nur bestürzt war, wie denn eine Gemeinde funktionieren kann, wo keiner vorangeht. Ich befürchtete dass reine Chaos oder viele unsichtbaren Drahtzieher, zerstritten im Ränkeschmieden.

Meines Erachtens ist genau dass ein Problem der Brüdergemeinden heute: Sie sind überwiegend nicht in der Lage ihre Positionen so darzustellen, dass auch ein Frischling im Glauben da mitkommen kann. Bevor man in eine Brüdergemeinde kommt (will sagen: kommen darf), muss man bereits einen gewissen Stand erreicht haben. Ich denke da auch an das vielgerühmte Buch Der vergessene Reichtum von den Autoren von SoundWords. Ich habe einst einige Seiten drin gelesen und bin überaus frustriert über all die vielen Details, die man zu beachten hat, bevor man reif ist, im Dschungel des Dispensationalismus zu bestehen. Nur mal ein weiteres Beispiel im Artikel Ist Todesstrafe biblisch auf selber Seite: Man kommt als Außenstehender ganz schön ins Schwitzen, wann und wie denn genau welcher Bund eingesetzt werden soll, und welche Elemente des Noahischen Bundes noch gelten und welche nicht, und welche wiederum durch Mosaische Bundesregeln ergänzt und erweitert wurden. Man muss einen riesigen Überbau annehmen, bevor man da durchschaut.

Im Übrigen ist mir noch eine Sache aufgefallen: Mitglieder der Brüdergemeinden kommen auf einen immer mit offenen Armen zu. ich habe mich selten nicht als ein Bruder aufgenommen gefühlt. Aber zumeist, eben als der jüngere Bruder, der das ein oder andere noch nicht verstanden. Und hier kommen wir zu einem anderen Problem: Mein Eindruck ist es, dass in Brüdergemeinden die Meinung vorherrscht, dass erfahrene Brüder ein besonderes Verständnis von der Schrift haben. Wenn also ich nichts von den Geheimnissen der verschiedenen Bünde Gottes verstehe, oder davon, wann der Tag des Herrn nur ein Augenblick ist und wann ganze tausend Jahre, dann liegt es ausschließlich daran, dass der Herr es mir nicht offenbart hat. Riecht für mich persönlich allzu sehr nach Geheimwissen und exklusiven Offenbarungen.

Später habe ich immer wieder eine andere Brüdergemeinde besucht. Ich erinnere mich noch immer an das erste Mal, an dem ich an einem richtigen Gottesdienst teilnahm. Gewöhnlich haben Brüdergemeinden jeden Sonntag Abendmahl, was ich persönlich hervorragend finde. Nur weiß ich bis heute nicht, ob es denn so ganz ok war, dass ich daran teilgenommen habe. Natürlich habe ich die Leute um mich als meine Brüder und Schwestern gesehen, und habe mitgemacht. Nur habe ich damals ja gar nichts von Empfehlungsschreiben etc. gewusst. Ermahnt wurde ich aber noch nie. Seit dem habe ich aber eine große Ehrfurcht vor der Pietät der Brüdergemeinden, und dass aus verschiedenen Gründen:

  1. Zentral für die Durchführung der Gottesdienste ist für eine Brüdergemeinde Apg 2,42: Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
    Ich habe in keiner anderen Gemeinschaft von Christen oder solchen, die sich so nennen, erlebt, wie nah man an diesen Vers kommen kann. Üblicherweise gibt es Sonntagsmorgens eine lehrintensive Predigt und zahlreiche Gebete. Wobei bei einem Gebet besonders die Anbetung im Mittelpunkt steht. Meist ist der Gottesdienst zudem in zwei Teile aufgeteilt. In der Mitte der beiden Teile ist dann Raum zur Gemeinschaft gegeben. Die Brüder und Schwestern treten aufeinander zu und reden miteinander: Aber nicht vom nächsten Fußballspiel, sondern erbauend, tröstend und ermunternd. Ich habe so etwas noch kein einziges mal jemals in einer Gemeinschaft russlanddeutscher Christen erlebt. Wie sehr man in einem Gottesdienst der Brüdergemeinden erbaut wird, ist einfach unglaublich erhebend. Meine zutiefste Anerkennung. Am faszinierendsten ist jedoch der Teil kurz vor dem Abendmahl. Hier darf dann ein jeder Bruder einen Textabschnitt zu den Leiden Christi vorlesen. Ich staune bis heute, aus welchen Versen und Abschnitten die Brüder in der Lage sind, Hinweise auf Christus und sein Werk zu finden. In diesen kurzen Zeugnissen steht nicht Belehrung oder Ermahnung im Zentrum, sondern Christus.
  2. Für die Ordnung in der Gemeinde ist wohl Matthäus 23,8 zentral: Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder.
    Oh, ich preise jede Gemeinde, die ohne Zwergenpapstum auskommt. Davon sind sicherlich russlanddeutsche Gemeinden entfernt. Es wird noch ein Artikel folgen, in dem ich mich mit russlanddeutschen Grausamkeiten und Verdrehungen der Biblischen Lehre auseinandersetzen werde, jedoch ist es extrem verwerflich. Im Übrigen zählt vor allem: Willst du ein Amt begleiten, so zeuge  ausreichend Kinder.
  3. Kein Overload an Show: Keine großen Bands oder Orchestren sondern die Anbetung Gottes und die Predigt stehen im Mittelpunkt. Etwas, worauf sich heute viele Gemeinden bekennen sollten.

Somit: Ich habe tiefe Erfurcht vor Brüdergemeinden, aber wie mein vorhergehender Artikel zeigt: Deutlich weniger vor Dispensationalismus. Mein größter Kummer liegt darin, dass Brüdergemeinden so unglaublich zersplittert sind. Oftmals wegen geringfügigen Fragen. Auch dieser Punkt ist für einen Außenstehenden nur sehr schwer verständlich. Und ich habe sicher wenig Motivation ein vierhundert seiten langes Werk darüber zu lesen, warum denn nun ganz genau Darby sich von Müller trennen musste.

 

16 Kommentare

  1. Sergej Pauli sagt

    Um diesen Artikel nicht zu sprengen und dadurch völlig unleserlich zu machen, will ich in einem weiteren deutlich sachlicheren Artikel die Probleme aufzeigen, die im Dispensationalismus liegen.

    Um jedoch die Spannung nicht zu überziehen, möchte ich auf die Kommentare im letzten Artikel eingehen.

    Zunächst vielen Dank für die zahlreichen Kommentare. Nun die Antworten auf die sehr unterschiedlichen Kommentare:

    @Rudolf Gärtig und Schütt: Natürlich habe ich Norberth Lieth gemeint. Ich bin Gott dankbar, dass viele andere Christen erkennen, dass Norbert Lieth auf dem Holzweg ist.

    @Vlad: Ich bin schon länger dabei, einen Kommentar auszuarbeiten, was Dispensationalismus und andere moderne Ideen daraus machen. Gib mir noch etwas Zeit.

    @Julian: Danke für die Korrektur. Ich gestehe ein, mein Untertitel war nicht optimal gewählt. Ich habe ihn angepasst. Russlanddeutsche Brüdergemeinden, hmm, gibt es sowas? Es gibt vor allem dispensationalistisch geprägte russlanddeutsche Gemeinden, die trotzdem alle Brüdergemeinden als böse Calvinisten verwerfen.

    @Johann B.: Vielen Dank für deinen sachlichen Kommentar. Mein größtes Problem ist wieder die Komplexität die entsteht. Ich finde man verliert die Möglichkeiten allzu komplexe Systeme auf ihre Bibeltreue zu kontrollieren. Genau diese Sorge habe ich versucht im Artikel weiter oben darzustellen. Brüdergemeinden sind aber großartig. Diene in deiner Gemeinde Christus.

    @Peter Voth: Danke, pass nur auf, was ich über meine lieben russlanddeutschen Brüder schreiben werde :-).

    @Bernd: Danke für deinen tiefgründigen Kommentar. Es ist interessant, dass Brüder selbst nie einen Zusammenhang zwischen Dispensationalismus und Calvinismus sehen, dabei ist allein geschichtlich der Zusammenhang gegeben, da die Gründungsväter wie Müller oder (vor allem) Anthony Norris Groves calvinistisch geprägt waren. Es wäre wahrscheinlich zu aufwändig, hier ins Detail zu gehen. Wie aber habe ich dann den Artikel von Fest und Treu zu verstehen (im übrigen nur ein Beispiel von vielen): Plädoyer für den Calvinismus. Im Übrigen ist in russlanddeutschen Kreisen schon das Festhalten an der Heilssicherheit als Calvinismus verpönt. Das Übrige hat in meinem Fall der CLV Verlag getan, der vor allem Werke von Spurgeon, Piper, MacArthur etc. herausgab.

    Bezüglich Piper möchte ich jedoch betonen, dass ich nur einige Seiten von ihm las. Er ist für mich keine prägende Persönlichkeit. Beim letzten Durchsortieren meiner Bibliothek sind Pipers Werke samt denen von Lieth im Papierkorb gelandet. Im Übrigen würde Piper mich wohl mit seiner E-Gitarre erschlagen, wenn er wüsste, dass ich immer noch an der Kopfbedeckung der Frau festhalte ;-).

    @Clemens: Vollkommen korrekt. Da ich den Untertitel angepasst habe, gilt der Vorwurf der Perfidie jedoch nicht mehr.

    @Jochanan: Danke für deinen farbenfrohen Kommentar. Bitte beachte jedoch, dass ich in keiner Zeile von Gemeinde verlassen geredet habe. Im Übrigen werde ich an dem Gottesdienst, der an den Tag folgt, an dem ich für meine Artikel hier ausgeschlossen werden sollte, wieder meine Gemeinde besuchen. Man sollte in seiner Gemeinde bleiben, so lange es geht. Jedoch sollte man Christus treu bleiben und nicht Augen vor Dingen verschließen, die schief gehen.

    @Günter und Schütt. Danke für die ausführlichen Kommentare. Leider habe ich etwas Mühe den Details der Ausführungen zu folgen.

  2. Maria sagt

    Sehr interessant die beiden Artikel. Aber mir geht es ähnlich wie Jochanan. Er schreibt ja nicht, dass man seine Gemeinde verlassen muss. Wenn man jedoch feststellt, dass man falsch gegangen ist, sollte man etwas ändern. Dann kann man z.B. nicht mehr in seiner katholischen Gemeinde bleiben. Schaut man sich um und sucht eine bibeltreue Gemeinde, dann stellt sich die Frage, wohin kann man denn ? Wenn man einmal oder mehrmals falsch war, geht man nicht mehr um jeden Preis in eine Gemeinde. Das, was man aber erkennen muss, dass jede Gemeinde anders glaubt. Ich drücke es mal etwas salopp aus.

    Gerade zum Thema Calvinismus und Hypercalvinusmus wurde ich die letzten Tage aufgrund eines Buches von Spurgeon „Erwählt vor Grundlegung der Welt“ massiv angegangen. Wenn so etwas innerhalb der Gemeinde passiert, kommt es immer zu Verletzungen (Erfahrung) und irgendwann geht es nur noch um irgendwelche theologischen Streitereien und nicht mehr um Jesus.

    Ich höre mir aus der Ferne jetzt jeden Sonntag den Gottesdienst von Pastor Latzel an. Seine Predigten sind bibeltreu und aufbauend. Es ist keine ideale Lösung, aber ich denke, dass die Zeiten unter Umständen sogar noch wesentlich schlimmer werden und man dann nur darauf vertrauen kann: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Mt18,20

  3. Sergej Pauli sagt

    @Vlad: Gegenfrage: Warum nicht? Bin mir nicht sicher ob wir da nicht zu sehr ins Detail abweichen, aber bei Bedarf kann ich auch zu dieser Frage einen längeren Artikel veröffentlichen

  4. Vlad sagt

    Wäre gut!
    Insgesamt ist es jedoch wichtiger Jesus den gekreuzten zu verkündigen, die Botschaft der Gnade welche selbst kleine Kinder verstehen können, einfach das reine Evangelium. Ich habe den Eindruck (in meinem Freundeskreis) das man heute verstärkt online Predigten anhört und immer weniger sich selbst mit dem lebendigen Wort befasst und somit oft hin und her gerissen ist von einer Meinung zur nächsten. Man muss sich mehr dem persönlichen Bibelstudium widmen.

  5. Pingback: Reformierter Spiegel #30 |

  6. Hallo Sergej,
    zunächst herzlichen Dank für Deine Anregungen.
    Der Untertitel hat mich allerdings etwas zum Schmunzeln gebracht. Du beschreibst in Deinem Artikel, dass Du zwei Brüdergemeinden kennengelernt hast. Lass es mich etwas ironisch ausdrücken: Damit hast Du noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt…. ;-).
    Ich möchte versuchen, mich deutlicher auszudrücken.
    Ich glaube, dass ich die „Brüdergemeinden“ zumindest etwas kenne, um sagen zu können, dass es die Definition für eine solche Gemeinde nicht gibt. Warum behaupte ich das?
    Nun, ich bin in einer BG (Brüdergemeinde) zum Glauben gekommen und gehöre nunmehr seit 1999 dazu, seit einigen Jahren auch zum Leitungskreis.

    Fortsetzung folgt….

  7. 1.) Es gibt unterschiedliche Richtungen
    – Exclusive Versammlungen (AV = Alte Versammlung), ala John Nelson Darby, etc.
    – Offene Brüdergemeinden (vornehmlich im BEFG = Bund Evangelisch Freik. Gemeinden), ala Georg Müller
    – Freie Brüdergemeinden (frei deshalb, weil sie zu keinem Bund gehören, sie sind meist als e.V. geführt, oder in Sammelvereinen)
    – Blockfreie Brüdergemeinden (ehemalige AV`s oder auch Neugründungen, die von ehemaligen AV`lern gegründet wurden)

  8. 2.) Die unterschiedlichen Richtungen sind innerhalb nochmals unterschiedlich
    – Dies gilt besonders für die Freien Brüdergemeinden, offenen BG`s und blockfreien Gemeinden
    – Das bedeutet, eine Freie BG in Ort A kann eine andere geistliche Ausrichtung haben als im NAchbarort B
    – Konkret: Die Gemeinde A hat eine calvinistische Prägung, die Gemeinde B eine arminianische
    – usw.
    – Ferner kann man nicht sagen, die BG`s im BEFG wären liberaler als die, welche nicht dazu gehören.
    Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass manchmal die BG konservativer sein kann, welche man äußerlich für liberaler hält (weil sie im BEFG ist), als eine freie BG.

  9. – Die Erklärung hierfür ist die:
    Die BG`s betonen außerordentlich die Autorität der Ortsgemeinde. Das heißt, es besteht keine Chance, in irgendeiner Weise von Außen hineinzuwirken (außer bei den Alten Versammlungen).
    Jede Gemeinde hat unterschiedliche Leiter. Wie die Gemeinde geistlich ausgerichtet ist, hängt von der geistlichen Position der leitenden Brüder ab. Das ist eine logische Schlussfolgerung.

  10. 3.) Die Praxis in den Gemeinden ist unterschiedlich, wenn auch auf einem Ansatz basierend
    – Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für die Leitung: Brüderstunde; Leitungskreis; Ältestenkreis,; Hirten; etc.
    Manchmal ist die Bezeichnung auch inhaltlich unterschiedlich.
    – Es gibt bei manchen das wöchentliche Brotbrechen, bei anderen nicht
    – Bei manchen wird die Predigt als Zentrum des Gottesdientes gesehen, bei anderen wird sie als BEstandteil des Gottesdienetes gesehen, neben Musik-Band, etc….
    – In manchen Gemeinden hörst du jede Woche 55 Minuten Predigten, in anderen 25 Minuten Predigten
    – Manche BG haben Angestellte Mitarbeiter, manche nicht
    – usw. (die Liste könnte man noch wesentlich erweitern)

  11. 4.) Vorteile einer BG
    – allgemeines Priestertum wird hochgehalten (leider oft nur theoretisch)
    – Ortsgemeinde ist unabhängig von Dachverbänden
    – Anbetung und Predigt stehen im Mittelpunkt
    5.) Nachteile einer BG
    – Oft Traditionen, welche nicht mit der Schrift konform sind
    – Das allgemeine Priestertum wird brüderlicherseits sehr oft mit „allgemeines Rednertum“ verwechselt; will heißen: Alles, was männlich ist, muss auf die Kanzel!!! Egal ob Berufung und Begabung vorliegen (das macht mir mit am meisten Bauchschmerzen)
    – Teilweise antiquiertes Denken, was Absonderung angeht (Man sondert sich nicht nur vom System Welt ab, sondern auch von den Menschen – und erreicht sie nicht mehr mit dem Evangelium)

  12. Zusammenfassung:
    Die Brüdergemeinde per Definition gibt es nicht. Jede Gemeinde ist unterschiedlich, nicht nur in ihrer Richtung (BEFG, Frei, Blockfrei, offen). Bei vielen stimmen die großen Grundsätze überein, doch in der Gemeindepraxis gibt es ein großes Farbenspiel. Man ist geneigt zu sagen: Brüdergemeinde! Ach das sind doch die und die…..
    Beim näheren Hinsehen erkennt man große Unterschiede. 😉

  13. Schütt sagt

    @Maria: Danke,ich kann mich eher hier anschließen. Der HERR sorgt eben für besondere Zeiten auch mit den gegebenen Mitteln (Zeit = Epoche ‚Laodizäa‘ / Mittel = WWW) 😉 Wenn man wie wir z. B. schon mal kein Auto hat, wären selbst 35 km zur nächsten BG unüberwindbar zu erreichen.

    Sergej, ich denke, man sollte auch in Bezug auf Ortsgemeinde die Bibel nicht strangulieren. Zentral ist immer noch Mt18,20 und das reicht für heutige Zeiten völlig aus. Vergleiche doch auch mal mit den Zeiten Elias, als er ganz allein und andere Propheten in Höhlen versteckt waren (die er wiederum nicht persönlich kannte). Oder die Tage Maleachis (Kap 3), wo sich nur noch wenige überhaupt versammelten, „die den HERRN fürchteten“. Wir leben in den Tagen am ENDE (!!) der Gemeindezeit, nicht an ihrem Beginn. Das habe ich auch mühevoll lernen müssen, aber ich vertraue Jesus, dass er alle Seine Schafe – jedes an seinem Ort und in seiner Umgebung – wunderbar bewahrt und an das ewige Ziel führt. Und zwar schon SEHR BALD!

    Streiten wir uns doch nicht über die Beschaffenheit irdischer „Konstrukte“ einer Ortsgemeinde, wenn wir uns bewusst werden, dass wir schon bald die Ewigkeit mit dem HERRN selbst zusammen verbringen werden! Wenn Du eine OG hast, in der Du so dienen kannst, wie Du es Dir vorstellst, ist doch prima. Andere dienen halt anders und anderswo. Unser LEBEN (!!) soll ein Gottesdienst sein, (Römer 12,1) das heißt 24/7 rund um die Uhr, nicht sonntags, nicht halbtags und nicht als „Privatvergnügen“ nach der Lohnarbeit im Betrieb. Gemeinde ist für mich „Gemeinde Gottes“, nicht mehr und nicht weniger. Und der HERR sieht immer noch das Herz an – und keine Äußerlichkeiten, Personen oder Strukturen. Er segne Dich, auf bald – Maranatha!

  14. Sergej Pauli sagt

    @T. Lange,

    danke für die ausführliche und korrekte Darstellung.

    Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass es immerhin sechs verschiedene Versammlungen waren, du hast aber recht, dass es aus dem Text oben nicht deutlich wird. Recht hast du jedoch, dass es die eine Definition von Brüdergemeinde nicht giebt. Oben habe ich die etwas konservativen Brüdergemeinden dargestellt, und auf einige Probleme hingewiesen, die mir persönlich aufgefallen sind, besser: die es mir schwer machen würden, in so einer Gemeinde zurecht zu kommen. Womöglich aber, bin ich einfach zu antiquarisch und zu wenig integriert 😀

  15. Schütt sagt

    @T. Lange — Einen solchen (vermeintlichen) AV-„Bruder“ haben wir kürzlich getroffen: Er bezeugte uns, außerhalb seiner Versammlung niemals mit anderen – z. B. russlanddeutschen! – Brüdern das Brot zu brechen, auch wenn sie (nach seinem Dafürhalten) wiedergeboren seien und er sich gerne mal dort eine Predigt anhöre, wenn er auf Reisen sei. Denn diese gingen ja nicht wie er „den Weg der Versammlung“. – Jetzt kann ich mir persönlich schon viel besser vorstellen, welcher Art die Pharisäer zur Zeit Jesu waren, zu denen Er u. a. in Johannes 5 redete! Danke, aber ein solcher ist mein Bruder sicher nicht. Denn er hat vom Kapitel 14 des Römerbriefes (V, 3, 10, 15 ebenso wie Römer 15,7) anscheinend niemals gehört, auch nicht, dass Jesus Christus ALLEIN „der Weg“ ist und nicht menschliche Tradition und Gesetzlichkeit, die manche daraus abgeleitet und über Sein Wort gestellt haben. Da ist KEINE Liebe zu den Brüdern, die nicht diese höchste AV-Erkenntnis haben, nirgends. Sehr bedauerlich.

    Also hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes auf; und dergleichen tut ihr viel. (Markus 7,13)

    Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und seinen Bruder doch hasst, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht! (1. Joh 4,20)

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