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A. Rempel: Gottes Wort hat bei vielen führenden Evangelikalen an Autorität verloren

Interview mit Eduard Klassen und Alexander Rempel von Folgen Verlag

Georg Walter (Autor zahlreicher Bücher) hat mit Eduard Klassen und mir ein Interview zu unserem eBook-Verlag Folgen Verlag geführt. 

Georg Walter: Wann und wie habt ihr euch zu Jesus Christus bekehrt?

Alexander Rempel: Mir geht es hier wahrscheinlich so ähnlich wie vielen anderen Christen aus christlichen Elternhäusern. Durch eine starke christliche Prägung ist mir vieles erspart geblieben. Es waren also eher die „kleinen“ und weniger auffälligen Sünden, die mir durch die Verkündigung im Gottesdienst klar machten, dass auch ich Vergebung brauche. So wurde ich schon früh errettet und habe mich mit 17 bewusst taufen lassen.

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Eduard Klassen: Ich bin den guten Kinderstundenleitern dankbar, die mich zu Jesus geführt haben. Ich habe mich als Zehnjähriger nach einer Kinderstunde zuhause bekehrt. Mit 17 Jahren, nach intensiver Beschäftigung mit der Lehre der Taufe, ließ ich mich taufen. Eine aktive und verbindliche Gemeindemitgliedschaft war von da an für mich selbstverständlich.

GW: Was hat euch bewogen, einen neuen Verlag zu gründen?

Alexander Rempel: Dafür gibt es nicht den einen Grund. Es ist eher ein Bündel verschiedener Umstände und eine stetige Entwicklung, die dann zur Verlagsgründung geführt haben. Da ist zuerst die Begeisterung an „Texten“. Ob in Buchform, als Magazin, als Blog-Text oder als eBook.

In meiner Heimatgemeinde war ich bei der Organisation eines christlichen Jugendmagazins aktiv. Seit einiger Zeit bringe ich mich in der Buchhandlung in meiner Gemeinde ein. Später begann ich  im Blog NIMM UND LIES (www.nimm-lies.de) über Bücher zu bloggen.

Und vor zwei Jahren haben wir den christlichen eBook-Shop ceBooks.de (www.ceBooks.de) eröffnet. Wir haben dabei festgestellt, dass das christliche, und besonders das bibeltreu geprägte eBook-Angebot, noch sehr überschaubar ist. Und das wollten wir ändern. Einige Verlage ließen sich überzeugen ihre ersten eBooks zu veröffentlichen. Manche lassen sich noch etwas Zeit. Andere wollen in Kürze damit beginnen.logo

Als Liebhaber vieler älteren Bücher fanden wir es schade, dass manche inhaltlich wertvollen Bücher nicht mehr neu aufgelegt wurden und somit nicht mehr erhältlich sind. Deshalb beschlossen wir, ausgewählte vergriffene Bücher als eBooks im „Folgen Verlag“ herauszugeben. Zusätzlich veröffentlichen wir Ersterscheinungen, die bisher auch in Buchform nicht erschienen sind. Hier will ich besonders auf die eBooks von Hanniel Strebel hinweisen.

cover-eine-biblische-sicht-fuer-das-ganze-leben-gewinnen-1Eduard Klassen: Anfang 2012 bekam ich meinen ersten eBook-Reader und war sofort von der neuen Art zu lesen begeistert. Im Oktober 2012 besuchten Alexander Rempel und ich als Blogger von NIMM UND LIES die Frankfurter Buchmesse. Keiner von uns beiden dachte damals daran, dass in zwei Monaten ceBooks.de an den Start gehen würde. Erst mit der Verarbeitung der Gespräche mit christlichen Verlegern und der Beobachtung der Leser-Interessen auf NIMM UND LIES reifte die Idee zu dem, was heute auf ceBooks.de zu sehen ist und in Zukunft im Folgen Verlag realisiert wird.

GW: Was sind eure Hauptziele, die ihr mit dem neuen Verlag verfolgt?

Alexander Rempel: Kurz gesagt:

  • ausgewählte vergriffene Bücher als eBooks neu zu veröffentlichen
  • bislang unveröffentlichte bibelorientierte Werke herausgeben
  • das konservativ-evangelikale Angebot im christlichen eBook-Bereich vergrößern

Eduard Klassen: Das eBook bietet auch bisher unbekannten Autoren eine relativ einfache Möglichkeit, ihr Buch zu veröffentlichen. Wessen Manuskript seit Jahren in der Schublade liegt, kann sich gerne bei uns melden. Vielleicht wäre es für eine eBook-Veröffentlichung in unserem Verlag interessant.

GW: Was ist eure Lieblingslektüre?

Alexander Rempel: Besonders gerne lese ich Biografien von Menschen, die ihr Leben für Gott genutzt und das Evangelium verbreitet haben. Sie sind für mich Ansporn und Ermutigung, die von Gott zur Verfügung gestellte Zeit in Dinge zu investieren, die unser irdisches Leben überdauern.

pilgerreise_final_shopEduard Klassen: Bücher von Spurgeon und von den Puritanern begleiten mich seit einigen Jahren. Ihre Bücher sind es auch, die ich mehr als nur einmal lese. Neugierig, wie ich bin, lese ich auch zahlreiche Neuerscheinungen bibelorientierter Verlage.

GW: Von wem habt ihr in eurem geistlichen Leben am meisten profitiert?

Alexander Rempel: Ich würde hier unterscheiden zwischen den Menschen aus meinem persönlichen Umfeld und Menschen, denen ich zwar nie begegnet bin, deren Bücher mich aber geprägt haben.

Aus meinem Umfeld konnte ich besonders von einem wenige Jahre älteren Bruder aus der Gemeinde profitieren. In der Jungschar- und Jugendzeit hat er in der Leitung mitgearbeitet und war mir, was die Hingabe im Dienst angeht, ein großes Vorbild. Das ist auch heute noch so.

Bei den Autoren bin ich für den inzwischen heimgegangenen Bibellehrer William MacDonald sehr dankbar. Er verstand es vortrefflich, die Bibel gut verständlich und praktisch auszulegen. Sein Andachtsbuch Licht für den Weg zähle ich zu den besten Andachtsbüchern überhaupt.

angstEduard Klassen: Diese Frage habe ich schon vielen anderen gestellt. Sie selbst zu beantworten, fällt mir schwer. Meine Antwort kommt der von Alexander nahe. Es waren und sind verschiedene Christen aus den Gemeinden, denen ich angehörte und jetzt angehöre. Ein Autor, der heute noch lebt und von dem ich sehr profitiert habe, ist Peter Masters, Pastor der „Spurgeon-Gemeinde“ in London. Nur 15 Minuten sprach ich mit ihm in seinem Büro im Metropolitan Tabernacle, doch der Einfluss ist enorm. Sein langjähriger, treuer und von Gott gesegneter Dienst in seiner Gemeinde, sein Unterscheidungsvermögen und seine Standhaftigkeit, davon möchte ich lernen.

GW: Was betrachtet ihr als Hauptproblem heutiger Christen?

Alexander Rempel: Ich habe den Eindruck, dass die Wertschätzung von Gottes Wort und das Streben nach Heiligung heute eine deutlich geringere Rolle im Leben der Gläubigen einnimmt als noch vor wenigen Jahren. Die Bibel hat anscheinend bei vielen führenden Evangelikalen an Autorität verloren und wird weniger verbindlich verkündigt. Und das hat meist schädliche Auswirkungen auf die praktische Lebensweise von uns Gläubigen.

Eduard Klassen: Darin bin ich kein Profi. Ich habe genug „Probleme“ in meinem eigenen Herzen. Zweierlei fällt mir aber auf. Zum einen verlieren wir oft das Gleichgewicht zwischen Gnade und Wahrheit und zwischen Liebe und Ehrlichkeit. Zum anderen fehlt oft die Demut, auf den anderen zu hören und den eigenen Standpunkt zu ändern.

GW: Vielen Dank für das Gespräch!

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